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    Hallo Frühling, da bist du ja! Ideen werden Wirklichkeit

    Im Bann der Bücher

    Ein Abend wie eine Geschichte. So komponiert NDR-Literaturkritikerin Annemarie Stoltenberg gern ihr Programm. Mit 16 Lieblingsbüchern im Gepäck versucht sie, die Zuhörer fürs Lesen zu begeistern. Und hofft, dass sie nach der Veranstaltung auch ein neues Lieblingsbuch für sich gefunden haben. Eines, das sie so richtig schwärmen lässt.

    Annemarie Stoltenberg
    Die Literaturexpertin
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    Annemarie Stoltenberg wurde 1957 in Pinneberg geboren. Während des Studiums begann sie, als freie Mitarbeiterin für den NDR zu arbeiten. Heute ist sie als Literaturexpertin bei NDR Kultur zu hören und im Magazin DAS! am Nachmittag zu sehen. Ihr Bestreben: Die richtigen Bücher für die richtigen Leser zu finden. Damit die sie tatsächlich mit Genuss und Gewinn verschlingen.

    Was erwartet die Gäste Ihres Literaturabends?

    Viel Abwechslung. Es gibt immer fünf Komponenten: Ein hochliterarischer Text, an dem man sich beim Lesen abarbeitet. Ein richtig spannender Krimi, bei dem man etwas über den Zustand der Welt lernt. Ein packender Familienroman und ein Geschenkbuch, das für Tante Amanda oder Onkel Theodor gleichermaßen passt. Und zum Schluss ein gut verständliches Sachbuch – und möglichst, das ist oft schwer zu finden, eins, bei dem man richtig lachen kann.

    Warum möchten Sie Menschen zum Lesen animieren?

    Man taucht mit Büchern in Bereiche des eigenen Denkens und Fühlens ein, die man sonst gar nicht erreichen würde. Man versteht so sich selbst und seine Situation besser oder kann sich sogar trösten lassen. Oder auch ablenken, in dem man in völlig fremde Welten abtaucht. Lesen bereitet einfach so viel Freude.

    Warum lesen die Leute heute nicht mehr so gern?

    Einigen Menschen bedeuten Bücher nichts. Vielleicht gucken sie Fernsehen, spielen gern, das will ich gar nicht bewerten. Aber letztlich liegt der lesende Anteil der Bevölkerung, der sich richtig gern mit Büchern beschäftigt, ungefähr bei 11 Prozent. Das war immer so und das wird wohl auch so bleiben. Nicht jeder hat wirklich Freude daran zu erleben, wie sich diese schwarzen Kringel auf Papier in Geschichten im Kopf verwandeln.

    Wie sollte in Ihren Augen Literatur vermittelt werden?

    Ich habe neulich ein Interview mit Elke Heidenreich geführt. Sie sagte mir, dass diese Literatursendungen, in denen sich vier hochintelligente Menschen über ein Buch streiten, nicht helfen. Jeder hat eine andere Meinung – und am Ende weiß der Zuschauer nicht: kann ich das jetzt lesen oder nicht? Ich denke auch, dass diese Form falsch ist. Man muss an einer Stelle sagen, dieses Buch hab ich geliebt, oder es hat mich zu Tränen gerührt oder ich war aufgeregt bis zur letzten Seite, weil ich das Gefühl hatte, ich musste den Kommissar unterstützen. Nur wenn ich den Mut habe „ich“ zu sagen und der Zuhörer merkt, es kommt von Herzen, dann kann ich überzeugend sein.

    Wo lesen Sie am liebsten?

    Wie die meisten: im Urlaub. Da lese ich jeden Tag ein Buch. Und wenn es dick ist, kann das auch schon mal acht Stunden dauern. Kleidung habe ich wenig dabei. Ich ziehe mir meistens mehrere Schichten an und ansonsten sind nur Bücher im Koffer. 20 Bücher und 14 Unterhosen. So ungefähr.

    Wie treffen Sie angesichts der Flut an Neuerscheinungen Ihre Auswahl?

    Hemmungslos subjektiv. Ich bestelle viele Bücher auf der Grundlage dessen, was die Verlage oder andere mir erzählen. Wenn die Bücher mir nicht gefallen, gehe ich nicht davon aus, dass ich objektiv urteilen kann. Ich kann dann nur sagen, für mich ist es nicht das richtige. Die, die ich von Anfang bis Ende richtig gern lese, die empfehle ich auch anderen. Und ich habe auch die Frage immer im Blick, für wen machst du das eigentlich?

    Lesen Sie die Bücher, die Sie nicht mögen, auch zu Ende?

    Nein, das ist für mich verlorene Lebenszeit. Da gehe ich lieber zum nächsten.

    Mögen Sie offene Enden?

    Nein. Ich mag auch keine schlechten Schlüsse. Da bin ich wirklich schlicht und kindlich. Ich mag am liebsten Bücher, in denen der Schluss eine Hoffnung zum Besseren ermöglicht. Bücher, wo am Ende alles versemmelt wird und nach unten absackt, da bin ich so wütend, die empfehle ich auch nicht.

    Was denken Sie, wenn ein Buch, das Sie furchtbar fanden, die Bestsellerlisten erklimmt?

    Seltsam finde ich das. Das Publikum werde ich in meinem Leben nicht verstehen. Manchmal entscheiden sich in einer Saison alle für ein Buch, von dem ich denke, es wird sie völlig überfordern und dann wieder greifen sie so tief nach unten, dass ich es auch nicht verstehe. Mein Ehrgeiz ist es, dass die Bücher keine Staubschicht auf dem Nachtisch ansetzen. Meine Empfehlungen sollen die Leute lieben und nicht auf jeder Seite einschlafen. Das wäre schön.

    Was macht Annemarie Stoltenberg, wenn sie nicht liest?

    Fahrrad fahren, Karten spielen und schwimmen. Schwimmen übrigens das ganze Jahr über. Und immer draußen!

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