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    Mit dem Elektroauto auf Tour

    Wie fährt sich eigentlich ein Elektroauto? Wie und wo lädt man? EWE-Expertin Wiebke Brockmeyer zeigt es uns auf einer Probefahrt durch den Nordwesten.

    Wiebke Brockmeyer
    Wiebke Brockmeyer
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    30, die Fahrerin, betreut als Vertriebsmanagerin für Ladesäulen Stadtwerke und Geschäftskunden.
    Die Betriebswirtin hat ihre große Liebe bei EWE gefunden, ihr Mann arbeitet im Energiewendeprojekt enera. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter.

    Wiebke Brockmeyer drückt aufs Gas. Ganz leise rollt der BMW über die  Hofeinfahrt. Kein lautes Motorengeräusch stört an diesem sonnigen Herbstmorgen die Stille in der Einfamilienhaussiedlung in Edewecht. Nur ein sanftes Surren. Es ist das erste große Aha-Erlebnis, wenn man zum ersten Mal in ein Elektroauto steigt.

    Für unsere Fahrerin Wiebke Brockmeyer nichts Neues. Die 30 Jahre alte Mutter einer kleinen Tochter ist Vertriebsmanagerin im Kompetenz-Center Mobilität von EWE in Leer und beruflich oft mit dem Elektroauto unterwegs, um Fahrzeuge und Ladesäulen im Nordwesten zu testen. Die passende Expertin also für unsere Spritztour – oder besser Stromtour – durch den Nordwesten.

    Unser Testwagen: ein BMW i3. Der Wagen mit der markanten blauen Kühlerschnauze schafft circa 130 bis 160 Kilometer elektrisch mit einer Akku-Ladung. Neben dem Elektromotor verfügt das Modell auch über einen Verbrennungsmotor, der über einen Generator Strom erzeugt, falls der Akku mal leer ist. Das verdoppelt die Reichweite. Mal schauen, ob wir es heute auch ohne schaffen …

    Gib Strom

    9.00 Uhr, Edewechter Landstraße

    Die Tour beginnt, raus aus der Siedlung, rauf auf die Landstraße. Erste Frage an unsere Fahrerin: Wie alltagstauglich sind Elektroautos? „Sie sind ein tolles Zweitfahrzeug. Die Strecken zur Arbeit oder zum Einkaufen lassen sich wunderbar erledigen. Eine Urlaubsreise nach Italien würde ich damit allerdings nicht machen“, erklärt Wiebke Brockmeyer.

    Fünf Kilometer sind wir unterwegs, da werden wir schon ausgebremst. Ein Traktor tuckert mit 20 km/h vor uns. Unsere Fahrerin dreht sich kurz zur Seite: „Das geht jetzt ganz flott“ und schon rauschen wir am Trecker vorbei. „Elektroautos haben sofort das volle Drehmoment, ein Wagen mit Verbrennungsmotor ist dagegen eine lahme Kiste.“

    Weiter geht es auf die A 29. Auf der rechten Spur reiht sich ein Lkw nach dem anderen, Wiebke Brockmeyer tritt aufs Gaspedal und zieht wieder spielend vorbei. Man sieht ihr an: Elektroauto fahren macht Spaß.

    Gib Strom

    9.50 Uhr, Cloppenburg

    50 Kilometer haben wir bis jetzt zurückgelegt. Wiebke Brockmeyer ist in der Kreisstadt mit Landrat Johann Wimberg verabredet. Bevor es zu ihm geht, wollen wir aber noch einmal aufladen. Die sportliche Fahrweise auf der Autobahn hat Strom gekostet, der Akku ist halb leer. Wir halten an der neuen Ladesäule vor der Kfz-Zulassungsstelle des Kreishauses. Brockmeyer hält ihre EWE Stromtankkarte, mit der man an allen EWE-Ladepunkten „tanken“ kann, vor die Säule und verbindet den BMW mit ihr. Fertig. Auf zum Termin!

    10.00 Uhr, Büro des Landrats

    Gib Strom

    Der Landkreis hatte 2016 ein Förderprogramm für Elektromobilität aufgesetzt, Wiebke Brockmeyer möchte wissen, was der Landrat Johann Wimberg vorhat. „Wir wollen einen Anreiz schaffen, dass mehr Menschen auf die neue klimafreundliche Technik umsteigen“, sagt Wimberg. Im Moment sind nur 140 Elektrofahrzeuge zwischen Barßel und Löningen unterwegs. „Das ist wie mit der Henne und dem Ei: Ohne die Möglichkeit, überall zu laden, legt sich keiner ein solches Fahrzeug zu. Deshalb übernehmen wir für fünf Jahre für jede unserer 13 Städte und Gemeinden die Hälfte der Kosten für Bau und Wartung einer Ladesäule und für die zweite Säule 25 Prozent. Das Ganze läuft über ein Contracting-Programm mit EWE“, erklärt der Landrat. Bis Ende 2016 lief die Antragsfrist.

    12.00 Uhr, Ladesäule bei der Kreisverwaltung Cloppenburg

    Zurück im Auto. Das Display zeigt wieder einen vollen Akku an. „Wie lange man fürs Laden braucht, hängt von Auto, Akku und Ladesäule ab“, erklärt unsere Expertin, „deshalb kann das Laden an einer Stromtankstelle zwischen 30 Minuten und sechs Stunden dauern.“ Ganz schön lang, wenn man nur Benziner oder Diesel gewöhnt ist. „Man muss sich umstellen, man lädt eben nicht nur einmal, sondern immer wieder zwischendurch, beim Einkaufen, wenn man gerade im Café oder im Kino sitzt“, erklärt Brockmeyer.

    Aber was ist auf längeren Strecken? „Dafür wird es künftig immer mehr Schnellladesäulen geben. Dann werden 80 Prozent des Akkus in einer halben Stunde geladen“, sagt sie, zückt das Smartphone und öffnet die EWE Explorer App, über die man sich die Lage aller Ladesäule im Nordwesten anzeigen lassen kann. „Wir fahren nach Papenburg. Da haben wir gerade eine Schnellladesäule aufgestellt. Die zeige ich euch.“

    13.00 Uhr, Papenburg

    Gib Strom

    Knapp 60 Kilometer gleiten wir über die Landstraße, bis wir gegen 13 Uhr vor dem KIA Autohaus der Hanrath-Gruppe eintreffen. Nicht zu übersehen: die Schnellladesäule. Der offensichtlichste Unterschied zur Standardsäule sind die Stecker vom Typ CCS oder Chademo: Sie sehen aus wie eine riesengroße Zapfpistole. „Das Fahrzeug muss das unterstützen“, sagt Brockmeyer.

    Der BMW tut es. Der Akku ist noch über die Hälfte gefüllt, da geht das Laden schnell. Aus dem Autohaus kommt unterdessen Marco Janssen heraus. Der Verkäufer gerät mit ihr ins Schnacken. „Wir bieten mit dem KIA Sol auch ein Elektroauto an, deshalb wollten wir unseren Kunden eine Ladesäule anbieten“, erklärt der vierfache Familienvater. Und wird sie genutzt? „Von Kunden noch nicht viel, aber das wollen wir ja gerade ändern und ein Zeichen setzen, dass es geht. Ich pendle jeden Tag zweimal zwölf Kilometer zwischen Arbeit und zu Hause mit dem Elektro-Dienstwagen und lade hier. Das klappt super!“

    Die Fahrt geht weiter. Das Auto fährt gleichmäßig: kein Brummen, keine Vibrationen. Nächstes Ziel: der Kreis Leer, Treffen mit Fuhrparkleiter Frank Luitjens.

    14.30 Uhr, Leer, Kreisverwaltung

    Gib Strom

    Wir biegen auf den Parkplatz vor der Kreisverwaltung ab. Dort reihen sich ein Dutzend Elektrofahrzeuge aneinander, die Ladekabel baumeln zwischen Autos und Ladepunkten. Für knapp 20 Fahrzeuge stehen auf diesem riesigen Parkplatz Lademöglichkeiten zur Verfügung, davon zwei öffentliche Säulen, an denen je zwei E-Autos laden können. Elektromobilität scheint hier längst Alltag zu sein. „Oh ja“, sagt Luitjens, „knapp 25 Fahrzeuge in unserem Fuhrpark sind Hybride oder reine Elektrofahrzeuge. Die Mitarbeiter haben schnell ihre Berührungsängste abgebaut, sie nutzen die Autos für Außendiensttermine im Landkreis. Das läuft super – und für Katastrophenschutz und Termine in Hannover oder Berlin haben wir ja noch ein paar Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.“

    15.30 Uhr, Leer, Hafen

    Gib Strom

    Laden müssen wir in Leer nicht, der Akku ist noch gut gefüllt. Für einen Kaffee am Hafen mit einem Kollegen aus dem Kompetenz-Center Mobilität ist trotzdem noch Zeit. Dann geht es nach Hause.

    17.30 Uhr, Edewecht

    Am Ende sind wir rund 200 Kilometer rein elektrisch gefahren – ohne den Verbrennungsmotor anschmeißen zu müssen. „Das hat doch super geklappt“, sagt Wiebke Brockmeyer zufrieden und schließt den Wagen an die Wallbox an, quasi eine private Stromtankstelle. Damit lässt es sich zu Hause dreimal so schnell laden wie an einer normalen Haushaltssteckdose.

    Morgen früh ist der Wagen wieder voll und bereit für die nächste elektrische Fahrt.

    Aus hallo nachbar 0416

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