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    Barcamp Premiere für EWE - Die Wundertüte tut sich auf

    Ein verregneter Herbsttag am Meer in Dangast – Wasser von allen Seiten droht zwei Pavillons am Strand zu fluten. Drinnen erzählen sich Menschen, die sich grad noch gar nicht kannten, von ihren Herzensangelegenheiten – von Energie bis Küchenkauf. Genauso hatten sich die Gastgeber ihr erstes Barcamp vorgestellt.

    Frank Glanert
    Frank Glanert, EWE AG
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    „Das Alleinstellungsmerkmal der künftigen Barcamps Dangast könnte die unkonventionelle Zusammensetzung der Teilnehmer sein. Dass viele Neulinge mit unverstellter Sicht auf die Dinge dabei sind, macht es gerade auch für die klassischen Barcamper interessant.“

    Barcamp Dangast Session

    Barcamps sind ein vergleichsweise neuer Trend unter den Weiterbildungsformaten. Statt einer vorgefertigten Seminaragenda bestimmen die Teilnehmer eines Barcamps selbst, was sie wissen wollen, und sind zugleich die Wissensvermittler. Was nach Anarchie und Chaos klingt, lässt sich einer knappen halben Stunde zu einem strukturierten Plan sortieren, in dem sich alle Teilnehmer wiederfinden. Mit einer solchen Planung startete auch das Dangaster Barcamp in den Tag. Jeder der 60 Gäste hatte die Gelegenheit, für sein ganz spezielles Steckenpferd zu werben und die anderen neugierig zu machen. Jedes Thema, das Anklang fand, landete als sogenannte Session auf dem Tagesplan. Anschließend sammelten sich die Teilnehmer nach Lust und Laune an den verschiedenen Stationen, um Neues zu lernen, sich inspirieren zu lassen, kritisch zu hinterfragen oder ihrem eigenen Thema eine Bühne zu geben, sich auszutauschen, neue Perspektiven kennenzulernen.

    Alle hatten sich viel zu erzählen

    Zu der zweitägigen Veranstaltung hatte das Energiewende-Projekt enera geladen. Frank Glanert von EWE, dem Konsortialführer des Projekts, hat dieses erste Barcamp in Dangast mitorgansiert. Er ist besonders von der Vielfalt der Teilnehmer angetan: „Die Leute kamen zwar aus ganz Deutschland, aber die regelmäßigen Barcamp-Gänger waren in der Minderheit. Stattdessen konnten wir viele Barcamp-Neueinsteiger aus der Region begrüßen.“ Renter trafen auf Studenten, Angestellte von großen Organisationen auf Start-up-Unternehmer, Digital Natives auf Social-Media-Verweigerer – und alle hatten sich viel zu erzählen. „Morgens tat sich uns eine ganze Wundertüte von Themen auf“, so Glanert. „Am Ende der zwei Tage hatten mehr als die Hälfte der Teilnehmer eine eigene Session auf die Beine gestellt.“ Interessierte konnten den Prototypen eines mobilen Solarbüros kennenlernen, Visualisierungstechniken erlernen, von Mitarbeitern der Leipziger Strombörse hören, wie der Handel mit Strom funktioniert, oder erfahren, mit welchen geschickten Verhandlungstaktiken sich der Preis für eine Einbauküche um 30 Prozent drücken lässt. Das ist nur eine Auswahl der vielen Themen, die beim Barcamp Dangast erörtert wurden.

    Für enera ist das Barcamp ein Baustein, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. enera setzt auf unterschiedliche Dialogformate, zum einen, um aufzuzeigen, wie sich das Projekt den nächsten großen Schritt der Energiewende vorstellt, zum anderen, um herauszufinden, was die Leute in der Energiewende-Region umtreibt. Organisiert ist das Projekt als ein Konsortium aus über 30 Partnern unter der Führung von EWE. Das Ziel: Durch technologische Weiterentwicklung, Vernetzung auf Basis neuer Marktmechanismen und Digitalisierung soll ein stabiles und volkswirtschaftlich optimiertes Energiesystem geschaffen werden. Die Landkreise Aurich, Wittmund und Friesland bilden die Modellregion, die Ergebnisse sollen später auf ganz Deutschland übertragbar sein. Das Projekt läuft bis zum Dezember 2020. Der Ansatz hat das Bundeswirtschaftsministerium überzeugt, enera wird mit 50 Millionen Euro aus Berlin gefördert.

    Lösungen für echte Menschen

    An der Nordseeküste über Küchenmöbel oder Stromhandel zu diskutieren, trifft dabei genau den Kern von enera: Ausgetretene Pfade sollen verlassen, Grundüberzeugungen und Herangehensweisen hinterfragt werden. Damit soll der Nährboden geschaffen werden für Innovationen und neue Geschäftsmodelle. Am Ende geht es immer darum, Lösung für echte Menschen und echte Lebenssituationen zu schaffen. Anknüpfungspunkte sieht Glanert viele. Zum Beispiel sucht enera rund 30.000 Haushalte, Unternehmen und Organisationen, die bereit sind, sich einen Smart Meter, also einen intelligenten Stromzähler, installieren zu lassen und damit Teil des Projekts zu werden. Intelligent bedeutet in diesem Fall, dass der Zähler über eine Schnittstelle verfügt und seine Messdaten an andere Endgeräte wie Computer senden kann, wo sie weitergenutzt werden können.

    Schon die unhandliche, englische Wortschöpfung ‚Smart Meter Roll-out‘ für dieses Unterfangen lässt ahnen: Hier ist viel Überzeugungsarbeit nötig, bis smarte Zähler die Herzen ähnlich hoch schlagen lassen wie smarte Telefone. „Keiner kann sich unter einem Smart Meter etwas vorstellen“, befürchtet Glanert. „Deshalb entwickeln wir Nutzungsszenarien, die den Leuten einen echten Mehrwert bringen.“ Zum Beispiel könnte der Zähler eine Warnung ans Telefon schicken, wenn zu Hause noch Herd oder Bügeleisen glühen, während die Bewohner außer Haus sind. Um zu ergründen, ob das eine Anwendung ist, auf die die Welt gewartet hat, oder ob der Schuh ganz woanders drückt, sollen Ansätze wie das das Barcamp wichtige Hinweise liefern.

    Das Format verfängt

    Was genau enera aus dem ersten Barcamp über seine Modellregion und die Wünsche ihrer Bewohner gelernt hat, wertet Glanert mit seinen Kollegen jetzt aus. Ganz klar erkennt er schon jetzt die Bestätigung, dass Mobilität eine Rolle im Projekt spielen muss. Der Zuspruch der Teilnehmer, sowohl quantitativ als auch inhaltlich, zeigt, dass das Format verfängt. Schon jetzt steht fest: Die Veranstaltung in Dangast soll nicht die letzte ihrer Art bleiben.

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