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    Kraftpaket für die Energiewende vor Ort

    In Varel soll auf der Fläche des Umspannwerks ein moderner Batterie-Großspeicher errichtet werden. Ein Hybridspeicher dieser Art ist bisher einzigartig: Eingesetzt werden hierbei zwei lang bewährte Batterietechnologien mit unterschiedlichen Speichereigenschaften. Hierzu einige Fragen an Dr. Magnus Pielke, der dieses Demonstrationsprojekt japanischer Batteriehersteller bei EWE betreut.

    Zitat Dr. Magnus Pielke
    Dr. Magnus Pielke
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    betreut das Demonstrationsprojekt bei EWE

    Besichtigung eines EWE-Umspannwerks mit Vertretern der japanischen Partnerfirmen.

    Herr Pielke, das Wort „Hybrid“ kennt man inzwischen für Fahrzeuge, die sowohl mit Kraftstoff, also auch mit Strom fahren. Aber was genau ist ein Hybrid-Großspeicher?

    Der Batteriespeicher, der 2018 in Varel entstehen wird, heißt so, weil hier zwei unterschiedliche Großbatterietypen miteinander kombiniert werden. Die Kraftpakete haben unterschiedliche Stärken: Lithium-Ionen-Batterien können bei Bedarf sehr schnell Strom ins Netz speisen. Dafür haben Natrium-Schwefel-Batterien die bessere Ausdauer – ihre Stärke zeigt sich beim längerfristigen Zwischenspeichern größerer Strommengen. Lithium-Ionen-Batterien sind also eher Sprinter, Natrium-Schwefel-Batterien eignen sich eher für den Energiespeicher-Marathon. Intelligent miteinander kombiniert, können beide Technologien die Aufgabe meistern, die mit fortschreitender Energiewende immer wichtiger wird: Sie können nicht nur kurze Schwankungen im Stromnetz ausgleichen, sondern auch mal stundenlang die Stromversorgung vor Ort stabilisieren. Diese Verknüpfung ist bisher einzigartig. 

    Wer ist für das Projekt verantwortlich?

    Die japanische Wirtschaftsförderungsbehörde NEDO finanziert den Löwenanteil dieses Demonstrationsprojekts. Mit dieser umfangreichen Förderung unterstützt sie drei japanische Speicher- und Komponentenhersteller, die Firmen Hitachi Chemical, Hitachi Power Solutions und NGK Insulators dabei, ihre neuartigen Lösungen im Energiewendeland Nr. 1 zu demonstrieren.

    Was hat EWE davon?

    EWE beteiligt sich als Vertragspartner am Aufbau und Betrieb der Anlage. Vorteil für die japanischen Unternehmen ist, dass wir für diese Aufgabe langjährige Erfahrungen und Kenntnisse unter anderem in der Netzsteuerung und im Energiehandel mitbringen.

    Vorteil für uns ist, dass wir ebenfalls Erfahrungen in diesem sehr jungen Markt sammeln können. Nicht nur für die japanischen Firmen, sondern auch für uns ist interessant, ob sich Batteriegroßspeicher bei einem weiter steigenden Anteil erneuerbarer Energien wirtschaftlich betreiben lassen und ob die Speicher die Energiewende in erwarteter Weise unterstützen und voranbringen können. Wir sind längst dabei, die besten Antworten auf solche Energiewende-Fragen zu suchen – unter anderem mit dem umfangreichen Modellprojekt enera. Beide Projekte werden wir miteinander verknüpfen, damit die Erkenntnisse, die wir in Varel gewinnen, auch die Arbeit im enera-Projekt befruchten.

    Warum wurde Varel als Standort gewählt?

    Hybridspeicher Google Maps

    Auf diesem Gelände in unmittelbarer Nähe des bestehenden EWE-Umspannwerks in Varel soll der Großspeicher errichtet werden.

    Ich habe eben schon das Projekt enera erwähnt. In dieser Modellregion wollen wir in den kommenden Jahren verschiedene Methoden erproben, mit denen sich die Energieversorgung flexibler und damit energiewendetauglicher gestalten lässt. Varel liegt in der enera-Modellregion, so dass wir den Batteriespeicher hierfür einbinden können. Darüber hinaus liegt Varel im Landkreis Friesland, wo viel regenerative Energie erzeugt wird – deutlich mehr als im bundesweiten Durchschnitt. Varel ist der Energiewende also schon ein Stück voraus. Das sind ideale Rahmenbedingungen, um die Wirkungsweise des Hybridspeichers zu zeigen.

    Hinzu kommt, dass ein solcher Großspeicher Platz braucht und natürlich an das Stromnetz angeschlossen werden muss. Auch diese Voraussetzungen sind in Varel erfüllt: Wir konnten in unmittelbarer Nähe zum Umspannwerk eine Fläche erwerben, die mit etwa 4.000 qm etwas kleiner ist als ein Fußballfeld. Hier können wir die Batterien aufstellen. Untergebracht sind sie in umgerüsteten Stahlcontainern, die ähnlich aussehen wie übliche Schiffscontainer.

    Wie sicher ist die Batterietechnik? Und was wird für hohe Sicherheit getan?

    Hybridspeicher Batterie

    So oder ähnlich könnte einer der Batteriestapel aussehen (Quelle: NGK Insulators)

    Bevor wir überhaupt mit dem Aufstellen der Batterie beginnen dürfen, müssen zahlreiche Zertifizierungen und Sicherheitstests durchlaufen werden. Sie betreffen nicht nur die Batterie selbst, sondern auch ihre Anordnung und den späteren laufenden Betrieb. Die für die Genehmigungen nötigen Unterlagen erstellen unabhängige, externe Gutachter wie der TÜV.

    Im Vordergrund stehen hierbei der Brand- und der Grundwasserschutz. Gerade die Feuerschutzvorkehrungen sind sehr weitreichend. Es muss beispielsweise gewährleistet sein, dass ein Brand außerhalb eines Batteriecontainers nicht ins Innere des Containers übergreift, ein Kurzschluss darf nicht zu einer unkontrollierten Kettenreaktion des gesamten Batteriestapels führen. Das Grundwasser wird durch eine Bodenwanne geschützt, wie sie der TÜV für solche Einsatzzwecke vorschreibt.

    Kann man denn am Standort an der Oldenburger Straße schon etwas sehen?

    Nein, zurzeit ist dort lediglich das Umspannwerk zu sehen. Wir sind noch dabei, alle Unterlagen für die Bau- und Betriebsgenehmigung zusammenzustellen und reichen sie in Kürze ein. Ich gehe davon aus, dass wir im Herbst mit den Fundamenten beginnen können. Die gesamte Bauphase wird voraussichtlich ein knappes Jahr dauern. Dann beginnt eine Demonstrationsphase, in der der Speicher ausgiebig getestet wird. Ab 2020 soll er dann im „Normalbetrieb“ dazu beitragen, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen.

    Bei Bedarf kann der Hybridgroßspeicher bis zu 11,5 Megawatt Leistung ins Stromnetz abgeben oder aus dem Netz aufnehmen. Er speichert bis zu 22,5 Megawattstunden Strom zwischen. So viel Strom produzieren sieben große Windenergieanlagen in einer Stunde. Heute kommt es bei guten Wetterbedingungen oft vor, dass solche Anlagen zeitweise ganz oder teilweise abgeschaltet werden müssen, weil in der Region gerade viel weniger Strom gebraucht und nicht alle Überschüsse über die Netze abtransportiert werden können.

    Der Hybridspeicher kann einen Teil dieses Stroms aufnehmen und später wieder ins Netz abgeben. Damit kann er sehr wirksam dazu beitragen, die Stromversorgung vor Ort zu stabilisieren. Wie wirtschaftlich er im bestehenden Strommarkt diese Aufgabe erfüllen kann, ist eine der Fragen, auf die wir spätestens 2020 eine Antwort haben werden.

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