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    Die Energiewende bricht auf ins digitale Zeitalter Energiewende und Naturschutz im Einklang

    Ökostrom-Giganten: So wächst ein Windpark

    Wie entsteht eigentlich ein Windpark? Unsere Reportage aus Hatten begleitet das Schritt für Schritt – und zeigt, dass alles „etwas“ größer sein muss, wenn man für zigtausende Haushalte Ökostrom ernten möchte.

    Zitat Klaus Gerken
    Klaus Gerken
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    Projektleiter bei EWE ERNEUERBARE ENERGIEN
    „In Hatten werden wir Ökostrom für rund 28.000 Haushalte erzeugen. Vom Ertrag des Windparks profitieren auch die Bewohner der Gemeinde: Sie können sich über einen Sparbrief beteiligen.“ 

    Wie entsteht eigentlich ein Windpark? Unsere Reportage aus Hatten begleitet das Schritt für Schritt – und zeigt, dass alles „etwas“ größer sein muss, wenn man für zigtausende Haushalte Ökostrom ernten möchte.

    Tonnenschwere Flügel, gigantische Raupenkräne und überlange Lastwagen – aus der Luft wirkt die Baustelle des Windparks im niedersächsischen Hatten, als hätte ein Riese seinen Technikbaukasten ausgepackt. Ein sehr ordnungsliebender Riese übrigens, denn jedes Teil hat seinen festen Platz: Rotorblätter und Turmsegmente liegen parallel aufgereiht neben den fertigen Fundamenten.

    Eine ganz normale Baustelle? Ja, aber mit gewaltigen Dimensionen: schon ein einziges Rotorblatt der Windräder ist 56 Meter lang – das entspricht 12 Mittelklasselimousinen hintereinander. Acht Windkraftanlagen errichtet EWE hier, von denen jede einzelne mehr Leistung bringt als vor einem Vierteljahrhundert noch die größten Windparks. Mit 3,3 Megawatt kann jede Anlage rund 3.500 Haushalte mit Strom versorgen. Zwei der Mühlen stehen bereits, bis zum Frühsommer wachsen sechs weitere in den Himmel.

    Starke Fundamente: Bollwerk gegen Sturm

    Den Anfang machen jeweils die Fundamente – ein Job für absolute Experten, denn sie müssen nicht nur die Anlagen tragen, sondern auch die enormen Kräfte des Windes auffangen, damit die Windräder keine Schlagseite bekommen. In Hatten ist der Boden vergleichsweise weich, deshalb fußt das Fundament auf 40 Betonpfählen, die über 10 Meter tief in den Boden gerammt sind.

    Sind diese Pfähle gesetzt, wird ein Loch von 3,5 Metern Tiefe und 25 Metern Durchmesser gegraben. Dort entsteht dann auf einer Betonschicht die sogenannte Bewehrung. Dieser Fachbegriff beschreibt ein Geflecht aus Stahlstangen, das später mit Beton aufgefüllt wird.

    Die Bewehrung eines Windrads entsteht

    Die „Bewehrung“: Weben mit 90 Tonnen Stahl

    So eine Kombination von Stahl und Beton kennt man auch vom Hausbau. Doch für Windparks gibt es keine fertigen Gittermatten – hier werden die Stahlstäbe einzeln mit Rammpfählen verzahnt, und das ist echte Handarbeit. Rund eine Woche braucht ein Team von Experten, um 90 Tonnen Metall zu verweben. Besonders wichtig ist dabei der Ankerkorb in der Mitte;  an ihm wird später der Turm befestigt. Zudem laufen durch den Korb die Leerrohre für die Verkabelung des Windrades.

    Das fertige Stahlgeflecht verschwindet in einer dicken Betonschicht: 700 Kubikmeter werden dort eingebracht – über 100 Mal muss dafür der Betonmischer seinen Inhalt ausspucken. Anschließend wird die Baugrube mit Sand und dann Schotter befüllt.

    Montage einer Windkraftanlage

    Montage: Bausteine im XXL-Format

    Während noch die letzten Fundamente fertiggestellt werden, reisen nachts schon die ersten Bauteile für die Windräder an. Die Schwertransporter haben ordentlich zu schleppen: Allein ein einzelnes Rotorblatt des Anlagentyps Vestas V112 wiegt zwölf Tonnen. Die sechs Segmente, aus denen der Turm einer Mühle zusammengesetzt ist, bringen zwischen 40 und 80 Tonnen auf die Waage. Das schwerste Bauteil ist der „Kopf“ der Anlage – 165 Tonnen wiegt die sogenannte Gondel, fast so viel wie ein Einfamilienhaus.

    Um solche Bauteile zu montieren, muss man schweres Geschütz auffahren:  Der Raupenkran besteht aus mehreren Elementen von der Größe eines Schiffscontainers mit einem Ausleger von 156 Metern. Auch er ist vor Ort montiert worden. Zwei dieser Megakräne sind in Hatten im Einsatz, um die Anlagen parallel aufzubauen. Sie werden unterstützt von einem kleineren Mobilkran, der unkontrolliertes Pendeln beim Aufrichten der Last verhindert.

    Während die Vorarbeiten im Baufeld – also das Anlegen von Wegen, Kabeltrassen und Fundamenten – einige Monate in Anspruch nehmen, dauert die Installation einer Anlage nur zwei Tage. Mitte Mai 2016 wird das erste Windrad ans Netz angeschlossen und geht in den Testbetrieb. Bis Ende Juni sollen alle Anlagen Strom einspeisen.

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