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    Interview Fynn Kliemann: "Klimaneutralität ist cool"

    Seit 2016 betreibt Fynn Kliemann das „Kliemannsland“ im niedersächsischen Rüspel. Mithilfe von EWE wird der rustikale und traditionelle Kreativ-Hof jetzt für eine klimaneutrale Zukunft fit gemacht: Wallbox-Ladestation für Elektroautos, Photovoltaik-Anlage für Solarstrom, Wärmepumpe mit umweltfreundlicher Brennstoffzellentechnik und Gebäudedämmung in den alten Backsteinbauten für weniger Wärmeverlust. hallo nachbar traf den 33-Jährigen zum Interview.

    © Till Peterson

    Das „Kliemannsland“ ist auf dem Weg in die Klimaneutralität. Folgst du einem Trend oder ist der Umbau für dich eine Herzensangelegenheit?

    Fynn Kliemann: Ich stelle die Unabhängigkeit über alles, und dazu gehört Autarkie. Unabhängigkeit bedeutet im nächsten Step aber auch, nicht mehr auf Energieversorger angewiesen zu sein. Wir haben im Kliemannsland angefangen, unser eigenes Essen anzubauen oder Regenwasser zu sammeln, um es wiederzuverwerten. Es ist für mich der total logische Schritt, als nächstes auch Energie selbst zu produzieren. Ich finde, Klimaneutralität ist cool. Die Überschrift über dem Kliemannsland war für mich immer, etwas für die Nachwelt zu hinterlassen, das ist hier mein Legacy-Projekt. Ich möchte einen Ort bauen, wo sich so viele Menschen wie möglich austoben können. Das ist bereits Nachhaltigkeit. Wenn man auf dem Weg dahin aber auf alles scheißt, dann ist das auf jeden Fall nicht der richtige Weg.

    War Nachhaltigkeit für dich von Anfang an wichtig?

    Ich interessiere mich vor allem für die Technologie. Und, wie gesagt, für die Unabhängigkeit. Beides in Kombination führt logischerweise zu nachhaltiger Energieerzeugung. Aber wirklich getrieben bin ich von der technischen Seite. Ich fahre auch noch Mopeds mit gewöhnlichem Verbrennungsmotor, was eigentlich doof ist. Wenn wir komplett Nachhaltigkeit denken und handeln würden, könnten wir auch viele unserer Experimente nicht machen, da beißt sich die Katze in den Schwanz. Aber die langfristige Lösung ist uns klar: Sie muss in Richtung regenerative Energien gehen.

    Das Kliemannsland feiert 5. Geburtstag

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    Gibt es Experimente, die bislang nicht umsetzbar waren?

    Eigentlich geht alles, das ist auch ein sehr wichtiger Grundsatz für hier. Wir versuchen uns dagegen zu wehren, dass jemand sagt: Geht nicht, ist zu teuer oder zu verrückt. Ich finde etwa die Idee von Elektromobilität einfach genial. Elektromotoren sind so schnell wie kein anderer. Und deswegen finde ich die geil. Dass sie auch noch Klimaneutralität unterstützen, ist nebenbei natürlich auch ganz cool. Ich finde es super, dass wir den Planeten nicht noch weiter versauen, klar, aber das war nie mein primärer Antrieb. Ein Solarpanel, das Strom produziert – wie geil ist das denn, bitte? Wie funktioniert das? Was passiert da innen drin? DAS interessiert mich.

    Was möchtest du in den kommenden Jahren im Kliemannsland noch umsetzen?

    Das Kliemannsland ist teilweise noch ein ziemlicher Schrottplatz, da wollen wir zu einer sauberen Infrastruktur. Ich bin aber auch getrieben von den Leuten, die herkommen und etwas machen wollen. Das habe ich zu Beginn noch sehr unterschätzt. Da stand ich hier ganz alleine mit einem Kameramann und habe einen Aufruf gestartet, am nächsten Tag standen 2.000 Autos vor der Tür. Da kommst du dann mit einer Kiste Bier auch nicht weit. Wir sind viele Jahre den Dingen und den Anforderungen hinterhergelaufen, um sie irgendwie zu bewältigen. Mein Job ist es, die Leute weiterhin anzutreiben, dass sie bekloppte Sachen machen dürfen. Ich entscheide Dinge häufig kontraproduktiv, damit sie nicht Gefahr laufen, kaputt zu gehen. Dazu gehört auch die 4-Tage-Woche, die ich eingeführt habe: Für einen Tag sollen die Leute rausgehen und irgendwas anderes machen. Aus meinen persönlichen zwei Prozent Freizeit, die ich in den letzten Jahren hatte, sind die besten Projekte entstanden. Musik, Kunst, irgendwelche Startups. Freizeit ist einfach wichtig für die Weiterentwicklung von Ideen.

    Das heißt: Raus aus den Routinen?

    Natürlich. Bei der Beantwortung einer E-Mail passiert nichts Geiles. Das ist notwendig und muss auch gemacht werden, aber dabei entsteht nichts Neues. Die coolen Sachen passieren immer dann, wenn du nichts zu tun hast. Das ist immer so. Das hat leider kein Arbeitgeber dieser Welt so richtig verstanden. Die bombardieren ihre Leute den ganzen Tag mit blöden Aufgaben, wo du keine Zeit hast, um nachzudenken, dich auszuprobieren oder Sachen zu machen, die vielleicht megadumm sind. Aus allen doofen Sachen auf diesem Hof sind die coolen Sachen entstanden. Seitdem ich einen Geschäftsleiter habe, kann ich mich endlich nur noch auf die dummen Sachen konzentrieren.

    Du bist sehr umtriebig, auch abseits vom Kliemannsland. Was machst du, um mal abzuschalten?

    Gute Frage. Das ist in den letzten Jahren sehr auf der Strecke geblieben. Die Einsicht, dass ich mehr Zeit für mich brauche, ist leider noch nicht sehr alt, da kann ich noch besser werden. Ich habe aber gelernt, dass ich nicht mehr alles alleine entscheiden muss, sondern kann mittlerweile auch viele Dinge abgeben. Du darfst halt nur nie die Vision vom Kliemannsland aus den Augen verlieren.

    Klimaschutzprojekte gesucht!

    EWE ruft Vereine auf, sich mit einem Klimaschutzprojekt für den EWE-Klimaschutzpreis „Gemeinsam für morgen!“ zu bewerben. Klima- und Umweltschutz sind die zentralen Themen des Wettbewerbs. Die eingereichten Projekte sollten dabei einen gemeinschaftlichen Nutzen haben oder sich dem bewussten Umgang mit Energie für mehr Klimaschutz widmen. Die besten Projekte unterstützt Ausrichter EWE mit Preisen zwischen 1.500 und 3.500 Euro, um die Maßnahmen zum Schutz von Klima und Umwelt weiter voranzutreiben. Neben EWE-Chef Stefan Dohler bewerten Klimaaktivistin Malin Barg, Fynn Kliemann und EWE-Pressesprecherin Nadine Auras die Projekte.

    Weitere Infos: www.wir-hier-jetzt.com

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