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    Kolumne #75: Pärchen-Urlauber im Terminstress

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    Porträtbild Klaus Werle Der Kolumnist
    Mehr erfahren Zwischen Balkongrill und Hecke: In der Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im Wechsel mit David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen heute vorm Gemeinschaftsfahrstuhl oder dem Gartenzaun.

    Gerade sitzen meine Frau und ich in einem Café, trinken Cappuccino und tun – nichts. Was nicht weiter bemerkenswert wäre, doch es ist seit drei Urlaubstagen, unterbrochen von kurzen Schlafphasen, die erste Viertelstunde, in der wir tatsächlich gar nichts machen. Der Grund: Anja hat eine Erkältung, und Karl pflegt sie. Deshalb gönnen wir uns eine klitzekleine Verschnaufpause.

    Die ist dringend nötig. Seit Touchdown des Fliegers hetzen uns Karl und Anja durch die Urlaubsdestination. Hier ein Museum, dort ein Schloss, dann eine „hammerinteressante Ausstellung“ oder ein Markt mit lokalen Produkten. Wir haben alles gesehen, einfach alles. Das Einzige, was wir in diesen drei vollgepackten Tagen nicht zu Gesicht bekommen haben, ist der Strand. Obwohl, stimmt nicht. Während der sechsstündigen Wanderung („wirklich zauberhafte Ausblicke über die ganze Insel“) konnten wir von einer Stelle aus tatsächlich am Horizont einen hellen Sandstreifen sehen, vor dem sich malerisch die Wellen brachen.

    Gegensätze ziehen sich an? Das gilt nicht für Urlaubspärchen

    „Schaut mal, der Strand!!“, rief meine Frau verzückt. „Pah, Strand“, knurrte Karl, „ihr wollt doch keine dieser 08/15-Touristen sein, die ihren Urlaub in der Sonnenliege verschlafen?“
    Naja, um ehrlich zu sein: doch. Aber dieser Wunsch war seit dem Abendessen vor drei Monaten Geschichte, als Anja und Karl sagten, es wäre doch eine tolle Idee, mal gemeinsam in Urlaub zu fahren. Und wir überrumpelt zustimmten. Dass die beiden im Handumdrehen Flüge, Ferienhaus „und schon mal ein paar kleine Ausflüge“ buchten, machte uns schon stutzig.

    Und dann ging es los: Besichtigungen, Theaterbesuche, Galerien, das ganze Programm. Wie sich schnell herausstellte, können zwei eng befreundete und benachbarte Paare vollkommen gegensätzliche Vorstellungen von einem gelungenen Urlaub haben. Anstatt wie üblich den Urlaub größtenteils in der Horizontalen zu verbringen, war unser Terminkalender plötzlich deutlich voller als an Arbeitstagen. Und es macht eben einen Unterschied, ob man sagt „Ach, morgen könnten wir doch mal dieses nette kleine Museum anschauen“ und dann irgendwann zwischen 11 und 15 Uhr dort vorbeischlendert. Oder ob Karl im Rahmen seines allabendlichen „Briefings“ (so nannte er das wirklich) verkündet: „Morgen, 11.30 Uhr sharp, Museumsbesuch. Achtet besonders auf die Monets. 13 Uhr weiter zum Lunch.“

    Selbst die aktuelle Ruhepause werden wir noch bitter bereuen. Anja hat bereits angekündigt, dass sie die Zeit im Bett nutzen will, um die Pläne für die nächsten Tage auszuarbeiten. Noch allerdings ist alles ruhig. Das nutzen meine Frau und ich, um zu überlegen, mit wem wir als nächstes in den Urlaub fahren. Wahrscheinlich mit Sven und Anne. Die sind in der Nachbarschaft als Faulpelze bekannt.

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