hallo nachbar
Suche
Suche schließen

    Dazu haben wir 170 Artikel gefunden

    Teilen
    
    Betrügern auf der Spur Fotowettbewerb: Tolles Fahrradzubehör zu gewinnen

    Die Krümel-Künstler

    2014 hatten Peter Link und seine Geschäftspartnerin Uta Mosecker einen Plan. Vegan wollten sie leben, kein Fleisch, kein Fisch und keine Milchprodukte mehr. Auf feines Gebäck und Cracker wollten sie aber nicht verzichten: Link liebt Kekse, Mosecker herzhafte Knabbereien. Das brachte beide auf eine Idee. Warum nicht vegane Kekse und Cracker entwickeln, die richtig gut schmecken?

    Steinfeld bei Vechta, morgens halb zehn. Im Andreaswerk, einer Einrichtung, die Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz bietet, ist gerade Frühstückspause. In der Bäckerei ist es still, erste Kekse kühlen bereits auf großen Rollwagen an den offenen, mit Fliegengittern verkleideten Fenstern ab. Der süße Duft von Vanillekipferln liegt in der Luft. Wie auf ein lautloses Zeichen füllt sich die Bäckerei um viertel vor zehn wieder mit Leben. Die 14 Beschäftigten strömen zurück in den großen hellen Raum, viel wird nicht gesprochen, jeder scheint genau zu wissen, an welcher Station er jetzt gebraucht wird: Linzer Plätzchen per Hand mit Marmelade füllen, vorgeformte Vanillekipferl auf dem Backblech sortieren oder am Extruder die veganen Schoko-Walnuss-Cookies für kvegks in Empfang nehmen und für den Ofen vorbereiten.

    Die Geschichte von kvegks fing 2014 auf einem weißen Blatt Papier an. Peter Link bezeichnet sich mittlerweile selbst als einen „Keksfreak aus Eigennutz“: Er liebt Süßes. Also fragten sich er und seine Partnerin Uta, seit vier Jahren beide Veganer: Was ist uns wichtig, worauf kommt es uns an? Die beiden stellten damals ihre Ernährung auf vegan um. Aus Überzeugung. Ihre Kekse sind ihre Leidenschaft, die sie mit Herzblut betreiben, beide sind noch in anderen Berufen tätig.

    Nach vielen Versuchen am heimischen Ofen wurde dann schnell klar: Wenn wir das richtig machen wollen, dann geht das nicht zu Hause. Und schnell wurde auch klar, dass die leckeren Keks-Rezepte, die sie sich zu Hause ausgedacht hatten, nicht für große Mengen funktionieren würden. Doch dann fügte sich eins zum anderen: Peter Link war in Vechta im Shop vom Andreaswerk und sah deren Gebäck. Denn in dem Shop werden auch die Kekse aus der hauseigenen Bäckerei verkauft. Peter Link dämmerte es: „Hier könnten wir doch auch backen lassen.“ Kurzerhand sprach er Abteilungsleiter Uli Grambke und Bäckermeister Ulrich Teubert an, erläuterte ihnen das Konzept und überzeugte sie schnell von seiner Idee, vegane Kekse und Cracker mit Zutaten aus biologischem Anbau in der Bäckerei vom Andreaswerk backen zu lassen.

    Keksproduktion in Steinfeld
    Vergrößern

    Veganes Backen, geschweige denn Bio-Kekse, gab es bis dato in der Bäckerei nicht. Neuland für den erfahrenen Bäckermeister mit Pädagogikausbildung und sein Team von 14 Beschäftigten. Aber eine Herausforderung, der sie sich stellen wollten. Doch dazu musste umgebaut werden: Um eine Bio-Zertifizierung zu bekommen, musste ein zweites Lager für die Bio-Zutaten eingerichtet und ein zweiter Ofen angeschafft werden. Bäckermeister Teubert half außerdem bei der Entwicklung der Rezepte. Investitionen, die sich auch für die Bäckerei gelohnt haben: Nachdem kvegks den Weg geebnet hat, lässt seit einem Jahr auch Vegan-Papst Attila Hildmann seine veganen Kekse dort backen.

    Ausgerechnet im Schweinegürtel, wie die Region rund um Steinfeld auch genannt wird. In kaum einer anderen Region ist die Viehzucht so verbreitet wie hier. Direkt gegenüber von den Andreas Werkstätten befindet sich auch eine Fleischerei. Doch die Beschäftigten hier kümmert das nicht. Sie konzentrieren sich auf ihre Aufgaben, sind ein eingespieltes Team und jeder weiß genau, wann er was zu tun hat. Uwe steht am Teigmischer und schüttet kiloweise Mehl in eine große Schüssel. Er war früher in der Tischlerei beschäftigt, jetzt ist er in der Bäckerei dafür zuständig, Teig zu mischen: „Das macht mir viel mehr Spaß“, sagt er. Stefan hat früher die Kekse verpackt, wollte dann aber lieber direkt "mitmischen". Er arbeitet am liebsten an den Geräten, die die Kekse formen, „und am liebsten mache ich Schokokekse“, verrät er. Zuletzt zum Bäckerei-Team gestoßen ist Heiko: „Ich war vorher im Gartenbau, aber ich wollte lieber in die Bäckerei“, erklärt er, als er den Vanillekipferlteig von der großen Formrolle schabt.

    Peter Link ist regelmäßig in Steinfeld vor Ort, je nach Auftragslage besucht er das Team bis zu 20-mal im Jahr. Die wachsende Zahl von Unverpackt Läden, Denn’s Biomarkt und die Bar del Mar am Dümmer: Kekse und Cracker von kvegks finden immer mehr ihren Weg zum Verbraucher. Für Peter Link und seine Partnerin ist die Herstellung in der Bäckerei des Andreaswerk folgerichtig: „Wir sind nicht nur bio, wir sind auch in der Herstellung sozial. Das macht die Kekse zwar im Einkauf teurer, aber so unterstützen wir den Erhalt dieses Projekts.“

    Wie fanden Sie diesen Artikel?

    13 Bewertungen