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    Kolumne #22: Der neue Nachbar – Kulturschock im Treppenhaus

    Foto: shutterstock
    Autor David Siems Der Kolumnist
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    In unserer Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt David Siems im Wechsel
    mit Autor Klaus Werle die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft
    unterhaltsam unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen im Miethaus
    zwischen Studenten-WG, Briefkasten und Fahrradkeller. Wenn Sie die
    beiden gutnachbarschaftlich mit Erlebnissen oder Anekdoten unterstützen
    möchten, schreiben Sie eine Mail an hallonachbar@ewe.de.

    Jeder Mieter in einem Mehrparteienhaus kennt diesen aufregenden Moment: Eine Wohnung wird frei, ein neuer Mensch zieht ein und wird dadurch Teil einer bunt zusammengewürfelten Zufallsgemeinschaft. Das ist ein bisschen wie Lottospielen, nur andersherum: Meistens hat man Glück, chronisches Pech ist eher selten. Oder anders: Irgendwie arrangiert man sich schon mit dem neuen Nachbarn, vielleicht freundet man sich sogar ein bisschen an, nur nichts überstürzen.

    Mit dem Eifer eines Eichhörnchens

    Das mit dem Nichts-Überstürzen ist zumindest mein Credo. Und auch vieler anderer, die eher aus dem Norden kommen. Knifflige Situationen, große Entscheidungen und neue Nachbarn lässt man erst einmal ganz sutsche auf sich zukommen. Blöderweise ist da mein neuer Nachbar anderer Meinung. Seinen Namen sollte ich besser nicht verraten, aber nennen wir ihn „Sven“. Sven ist gebürtiger Rheinländer und wohnte bis vor kurzem noch in Düsseldorf, jetzt zwei Stockwerke unter mir. Leider. Das mit dem Argwohn kam nämlich so: Gleich vom ersten Tag drängte sich Sven mit der Vehemenz eines tropischen Tiefdruckgebiets bei den Nachbarn auf. Klingelte überall, stellte sich vor, brachte kleine Geschenke mit, machte Späßchen, zeigte sich neugierig und engagiert. Eigentlich eine ganz smarte und wahrlich bemerkenswerte Vorgehensweise.

    So aufdringlich wie ein Song von Max Giesinger

    Der Haken ist: Sven ist etwas „überengagiert“. Er ist stets bester Laune, hat zu jeder Lage einen kleinen Kalauer auf den Lippen, hat mittlerweile alle Nachbarn mindestens einmal zum Essen eingeladen und möchte mit allen Mitteln von allen geliebt werden. Er ist eigentlich wie ein Song von Mark Forster oder Max Giesinger, der sich vehement ins Gehör fräst, ohne dass man etwas dagegen tun kann. Fehlt eigentlich nur noch, dass Sven demnächst klingelt, um zu fragen, ob er meinen Müll mit runternehmen kann. Mit den anderen Nachbarn bin ich übereingekommen, dass wir das Spiel noch eine Weile mitspielen, in der Hoffnung, dass sich der Sturm der Liebe schon bald etwas legen wird. Spätestens, wenn die erste Staffelmietenerhöhung kommt. Oder die Studenten-WG über Svens Wohnung ihre nächste Party feiert. Ich kann es eigentlich kaum erwarten.

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