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    Kolumne #24: Warum ich gerne an der Tür des Nachbarn schnüffle

    Foto: © shutterstock
    Autor David Siems Der Kolumnist
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    In unserer Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt David Siems im Wechsel mit Autor Klaus Werle die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unterhaltsam unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen im Miethaus zwischen Studenten-WG, Briefkasten und Fahrradkeller. Wenn Sie die beiden gutnachbarschaftlich mit Erlebnissen oder Anekdoten unterstützen möchten, schreiben Sie eine Mail an hallonachbar@ewe.de.

    Ist es nicht verblüffend, wie sensibel wir manchmal mit den Eigenarten unserer Nachbarn umgehen? Etwa, wenn es um Geräusche geht, entwickeln sich viele von uns zur wandelnden Richterskala, die jeden empfindlichen Murks aus der Nachbarwohnung augenblicklich registriert und Alarm schlägt, falls wir Gefahr (häusliche Gewalt! Streit! Musik von Helene Fischer!) wittern. Dass manche von uns so feine Antennen haben, ist wahrscheinlich zwei Gründen geschuldet: Zum einen die angeborene Neugier, unsere Umgebung mit gesunder Aufmerksamkeit zu verfolgen, zum anderen das Unvermögen, dass wir zuhause auch noch andere Geräusche als unsere eigenen dulden wollen. Genug der Vorrede, sprechen wir endlich über die seltsamen Macken meines Nachbarn.

    So beständig wie Alarmsirene & Snooze-Button

    Ich nenne ihn insgeheim den „Comeback-King“, selbst in meinem Freundeskreis ist er bereits einschlägig bekannt. Unter der Woche verlässt Erik (Name von der Redaktion geändert!) täglich gegen 7.30 Uhr die Wohnung, allerdings dauert es nur ein paar Minuten, bis er wieder zurück ist. Das Schauspiel wiederholt sich anschließend drei bis viermal. Tür auf, Tür zu. Tür auf, Tür zu. Wie jemand, der morgens vielfach auf den Schlummer-Button seines Weckers drückt, um noch ein bisschen weiter zu dösen. Frühsport? Der Gang zum Bäcker? Dem frönt Erik nur am Wochenende. Montags bis freitags widmet er sich seinem seltsamen Morgenritual, das mitunter von einer Nachricht in die WhatsApp-Gruppe „Nachbarn“ getoppt wird: „Moin David, bin schon in der U-Bahn. Kannst du bitte checken, ob ich die Haustür richtig zugemacht habe? DANKE!“

    Einfach verlockend: der Geruch fremder Türen

    Man mag es Vergesslichkeit nennen. Vielleicht Heimatliebe. Oder ein manisch-ausgeprägtes Gefühl für das Ergreifen von Vorsichtsmaßnahmen. Neulich bin ich Erik im Treppenhaus begegnet und habe ihn ganz gefühlsneutral darauf angesprochen, warum er morgens eigentlich drei- bis viermal immer wieder die Tür aufschließt, bevor er wirklich zur Arbeit geht. Wenn Männer sich gut verstehen, muss sich niemand in Ausreden flüchten. Er gab ehrlich zu: „In meiner alten Bude habe ich mal morgens den Herd angelassen und leider die halbe Wohnung in Brand gesetzt. Mein Vermieter fand das natürlich nicht so lustig, seitdem bin ich, nun ja, etwas vorsichtig geworden.“ So viel Ehrlichkeit finde ich ausgesprochen löblich. Genauso die Vorstellung, auch in Zukunft ohne Rauchschwaden aus der Nachbarwohnung und Feuerwehrsirenengeheul wach zu werden. Mittlerweile habe ich mich längst an die morgendlichen Macken des Comeback-Kings gewöhnt. Ich habe mich bereits dabei ertappt, dass ich bei jedem Gang aus dem Haus einmal meine Nase an Eriks Haustür halte, um einen eventuellen Schwelbrand zu erschnuppern. Deine Macke, meine Macke: Neue Nachbarn werden denken: Wer ist der komische Typ, der jeden Tag an der Tür schnüffelt?

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