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    Kolumne#25: Hilfe, Pyjama-Party bei den Nachbarn!

    Foto: © Stocksy / JP Danko
    Porträtbild Klaus Werle Der Kolumnist
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    Zwischen Balkongrill und Thujahecke: In der Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im Wechsel mit David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen heute vorm Gemeinschaftsfahrstuhl oder dem Gartenzaun.

    Der Moment, in dem die Stimmung kippte, lässt sich im Nachhinein exakt bestimmen: Es war, als Alex das Gästezimmer betrat, um einen „Schlummertrunk“ vorzuschlagen. Er trug schon seinen Pyjama, und auf der Hose waren Krokodile, die Fußball spielten. Meine Frau hatte sich den gesamten Nachmittag über sehr beherrscht – aber in diesem Augenblick prustete sie lauthals los. „Krokodile, Alex, ernsthaft? Wie alt bist Du – fünf?“ Konsterniert machte Alex auf dem Absatz kehrt, nicht ohne im Rausgehen noch etwas über das Outfit meiner Frau zu murmeln, was irgendwie nach „tantig“ klang, aber vielleicht meinte er auch „grantig“ und gar nicht ihre Kleidung. Eine Viertelstunde später jedenfalls waren zwei Nachbarschaftspaare in ein erbittertes Wortgefecht verwickelt, an dessen Ende Mila schrie: „Dann geht doch wieder rüber, wenn es Euch hier nicht passt!“

    Eine Nacht bei den Nachbarn? Nicht ohne mein Lieblingskissen!

    Der Schlamassel hatte wenige Stunden zuvor begonnen. Der Maler, der uns fest versprochen hatte, „locker an einem Tag durch“ zu sein, hatte am Ende des Tages erst die Hälfte der Räume geschafft. Wo also nächtigen? Meine Frau sagte: „Hotel“. Ich sagte „Alex und Mila – das wird bestimmt lustig.“ Das fanden die beiden auch, und die ersten Stunden bei unseren Nachbarn vergingen in übermütiger Übernachtungsparty-Laune. Dann kamen die ersten Irritationen: Zum Kochen nahm Mila den teuren Roten, den wir ihnen vor einigen Wochen geschenkt hatten. Und musste Alex wirklich so schlunzig rumlaufen? Nachbarn hin oder her, aber ein sauberes Hemd ist ja wohl nicht zu viel verlangt. Mila wiederum rollte die Augen, als ich nochmal rüberging, um mein Lieblingskissen zu holen. Und Alex seufzte hörbar, als meine Frau das Gästebett nochmal neu bezog, weil man ja nie wissen könne, wer da vorher schon drin geschlafen hat. Kurz: Bei Nachbarn zu übernachten, offenbart einem völlig neue Seiten – und nicht immer unbedingt die mit Schokolade. Zwar sind wir alle erwachsene Menschen und rissen uns zusammen. Doch im Grunde war uns allen schnell klar: Nachbarn sind Nachbarn, und WG-Partner sind WG-Partner – und das ist auch gut so.

    Übernachtungsparty? Wir sind leider keine Teenies mehr

    Die eine Nacht blieben wir dann aber noch, man muss ja nichts überstürzen. Als es dann aber beim Frühstück weiterging mit einem Disput, wie weich genau denn ein weichgekochtes Ei zu sein hat, zog meine Frau ihr Handy aus der Tasche und rief demonstrativ die Seite von Booking.com auf. „Schau mal, Schatz“, sagte sie, „das hier klingt doch ganz nett.“ Alex linste auf das Display: „Oh, ‚Hotel zur Krone‘, das kenn‘ ich, ist klasse. Da kommen wir Euch mal besuchen.“ Super Idee. Wir könnten eine Übernachtungsparty feiern.

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