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    Kolumne #28: Die Senioren-WG in der Nachbarschaft

    Ich habe einen neuen Lieblingsnachbarn: Jupp, 74 Jahre alt, Brille, schlohweiße Haare und stets ein Lächeln auf den Lippen. Jupp erkennt man schon von weitem an seinem blauen Cap und dem etwas schlurfigen Gang. Er hat Arthrose im linken Bein, geht aber trotzdem dreimal die Woche Tennis spielen. Dazu kommt sein eigenwilliger Humor, so wie neulich, als er mir einen Schwank aus dem Urlaub erzählen wollte: „Auf Lanzarote wollte ich meinen Kummer ertränken – aber meine Frau wollte nicht ins Wasser gehen! Ha, ha!“ Auweia. Fips Asmussen lässt grüßen.

    Foto: © shutterstock
    Autor David Siems Der Kolumnist
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    In unserer Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt David Siems im Wechsel mit Autor Klaus Werle die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unterhaltsam unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen im Miethaus zwischen Studenten-WG, Briefkasten und Fahrradkeller.

    Freigeister mit ordentlich Lebenserfahrung

    Jupps chronisch gute Laune ist ansteckend. Der Grund dafür ist hausgemacht: Jupp wohnt mit seiner besten Freundin und einem alten Kumpel in einer Senioren-WG. Addiert man das gemeinsame Alter der drei kommt man aktuell auf die Schnapszahl 222. Statt schnödem Kaffeekränzchen und ZDF-Fernsehgarten am Sonntag, weht eher ein erfrischend-jugendlicher Wind durch die Rentnerräume. Ingeborg (70) hat jeden Mittwochabend ihre Freundinnen aus der freien Theatergruppe zu Besuch. Karl (78) lädt freitagabends zur musikalischen Jam-Session ein, wo nicht nur gejazzt, sondern auch fleißig Rotwein verhaftet wird.

    Jam-Session unter Rentnern: Einfach genial!

    Letzten Freitag war ich zum ersten Mal dabei und wurde vorher mit Spott bedacht: „Kaum hast du die 40 passiert, gehst du jetzt schon ins Altersheim, oder was?“, ulkte meine Partnerin. Ein Arbeitskollege kommentierte süffisant: „Senioren-Party? Echt clever von dir: Da kannst du dir den Eintritt für die Körperwelten-Ausstellung gleich sparen, haha!“

    Doch siehe da, ich sollte recht behalten. Zwar senkte ich den Altersschnitt der anwesenden Gäste um etwa die Hälfte, doch dank Rotwein und dutzender Beatles- und Bob-Dylan-Songs, hatte ich eine absolut geniale Zeit – und deutlich mehr Spaß, als mich mit anderen Eltern auf Stehpartys darüber zu unterhalten, auf welche Schule unsere Kinder denn jetzt kommen und welche neue Top-Serie gerade bei Netflix läuft. Für mich ist klar: Ich ziehe später auch in eine Senioren-WG.

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