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    Kolumne #29: Neue Nachbarn, neue Probleme

    Drei Häuser weiter sind Simone und Bernhard eingezogen und wirkten anfangs ganz nett. Gut gekleidet, grüßen auf der Straße, solche Sachen. Doch dann luden sie uns vergangenes Wochenende zu sich nach Hause ein – und entpuppten sich als Monster.

    Foto: © shutterstock
    Porträtbild Klaus Werle Der Kolumnist
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    Zwischen Balkongrill und Thujahecke: In der Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im Wechsel mit David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen heute vorm Gemeinschaftsfahrstuhl oder dem Gartenzaun.

    Bernhard hatte den Esstisch neben dem Kamin gedeckt, Simone war noch in der Küche mit dem Rindercarpaccio beschäftigt. Wir plauderten über Urlaubsziele, und die neuen Nachbarn erzählten begeistert von ihren zwei Wochen in „Down Under“, wie sie es nannten. 

    Auf dem Nachhauseweg konnte meine Frau dann nicht mehr an sich halten: „Die haben einen Kamin, essen feinstes Rindfleisch und fliegen nach Australien! Ja, spinnen die, oder was?“ Ich selbst stand noch so unter Schock, dass ich nur traurig beipflichten konnte: „Wie recht Du hast, Schatz. Als ob es den Klimawandel nie gegeben hätte und Greta Thunberg eine Figur aus einem Astrid-Lindgren-Buch wäre. Unglaublich, diese Leute!“

    Schwierige Nachbarn erfordern viel Fingerspitzengefühl

    Misstrauisches Beäugen und abfällige Bemerkungen haben Tradition unter Nachbarn. Früher machte man sich lustig, wenn der Rasen nicht ordentlich gestutzt war, die Frau ein Verhältnis hatte und überhaupt, die Kinder könnten auch mal wieder zum Friseur, oder? Heute kann der Rasen gerne meterhoch wuchern und das Wort „Verhältnis“ lockt keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Stattdessen wird über regelmäßige Flugreisen oder das SUV in der Einfahrt getuschelt.

    Mit solchen Situationen umzugehen erfordert Fingerspitzengefühl. Einsicht braucht Zeit, zu viel Druck schadet da nur. Und selbst will man ja nicht als verspießerter Tugendpolizist gelten. Also erzählten wir Simone und Bernhard bei ihrem Gegenbesuch begeistert von unserem Urlaub in Dänemark und vor allem der bezaubernden Anreise mit der Bahn. Zum Essen gab es Salate, und wir vergaßen auch nicht, auf die besondere Dämmung unseres Hauses hinzuweisen, die zusätzliches Heizen nahezu unnötig macht. 

    Simone und Bernhard hörten geduldig, wenn auch wenig enthusiastisch zu. Als sie aus der Tür raus waren, hörten wir Bernhard sagen. „Ich hab‘ Hunger. Ich dachte, es gäbe noch eine Hauptspeise nach dem Salat.“ Simone antwortete: „Ja, und Dänemark, ernsthaft? Vielleicht haben die beiden gerade einen finanziellen Engpass?“

    Wie gesagt: Es braucht Zeit.

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