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    Kolumne #51: Das aktuelle Sportstudio

    Foto: shutterstock
    Autor David Siems Der Kolumnist
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    In unserer Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt David Siems im Wechsel mit Klaus Werle die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unterhaltsam unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen im Mietshaus zwischen Studenten-WG, Briefkasten und Fahrradkeller. Wenn Sie die beiden gutnachbarschaftlich mit Erlebnissen oder Anekdoten unterstützen möchten, schreiben Sie eine Mail an hallonachbar@ewe.de.

    In Zeiten der geschlossenen Fitnessstudios und Sportvereine gibt es ja die unterschiedlichsten Methoden, um einigermaßen fit zu bleiben. Die meisten gehen Joggen, wundern sich aber dabei, dass der geliebte Parcours neuerdings von den maximal unbeliebten Nachbarn und anderen Nervensägen in spannendem Lycra-Outfit frequentiert wird. Andere entdecken Trendsportarten wie „Plogging“ oder „Flingo“ für sich. Bei der ersten Variante geht man Joggen und sammelt Müll dabei, bei Letzterer handelt es sich um eine Art Federball, bei der man sich ein Geschirr zwischen Händen und Hals spannt, um damit das Spielgerät zurückzuspielen (sieht maximal bekloppt aus). Die dritte und wohl beliebteste Art der Leibesübungen ist der Zuhause-Sport: Yoga auf dem Wohnzimmerteppich, schwitzen vor dem Bücherschrank, Sie wissen schon.

    Online-Fitness: Sportkurs aus dem Wohnzimmer

    Mein Nachbar Gabriel ist ebenfalls ein passionierter Zuhauseschwitzer. Mehr noch: Nachdem er im vergangenen Jahr aus Coronagründen das geliebte Fitnessstudio nicht mehr besuchen durfte, hat er seine 70-Quadratmeter-Wohnung in eine veritable Muckibude verwandelt. Neulich klingelte ich bei ihm, um mir eine Backform auszuleihen, als er mich hineinwinkte und fragte: „Na? Was sagst du? Ich nenne es: Das aktuelle Sportstudio!“ Überall lag das übliche Folterwerkzeug verstreut: Medizinbälle, Hanteln, Therabänder, Sandsack und sogar ein Rudergerät. Ich schlug ihm spontan vor, dass wir daraus eine Geschäftsidee machen sollten: „Neighbour Fitness – das private Sportprogramm für die Nachbarn“. Wir lachten drüber und ich widmete mich wieder meiner Backform.

    Ganz so bekloppt schien die Idee dann aber doch nicht gewesen zu sein. Vergangene Woche hörte ich laute Kommandos aus Gabriels Wohnung, während ich den Müll runterbrachte: „Super Tanja, noch 60 Sekunden, push it, let’s goooooo!“ Unten an der Biotonne rief mir mein Nachbar Karsten aus seinem Fenster zu: „Hey David, hast du auch schon deinen Online-Kurs bei Gabriel gebucht? Morgen 17 Uhr: Bauch-Beine-Po, hahaha!“ Der Schuft hatte doch tatsächlich Nägel mit Köpfen gemacht und sich kurzerhand zum Fitnesstrainer erklärt. So ein Fuchs! Nächste Woche werde ich mich mit einem falschen Namen anmelden und mal schauen, was er für Fitness-Folter anbietet. Vorher gehe ich aber lieber noch eine Runde Joggen.

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