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    Kolumne #33: Gemüsekiste mit den Nachbarn? Besser nicht!

    Foto: © shutterstock
    Porträtbild Klaus Werle Der Kolumnist
    Mehr erfahren Zwischen Balkongrill und Thujahecke: In der Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im Wechsel mit David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen heute vorm Gemeinschaftsfahrstuhl oder dem Gartenzaun.

    Seit einigen Wochen teilen wir uns eine Gemüsekiste mit Irmgard und Werner. Zuvor war meine Frau zu dem Schluss gekommen, dass wir weitere gute Freunde unter den Nachbarn brauchen – außer Alex und Mila. Ich war nicht überzeugt, denn ich mag Alex und Mila. Warum sollte ich mehr Zeit mit Menschen verbringen, die ich gar nicht richtig kenne? „Das ist ja gerade der Punkt“, antwortete meine Frau, und fügte hinzu: „Wir starten auch ganz niedrigschwellig – wie wäre es mit einer Gemüsekiste?“

    Wenig später standen wir mit Irmgard und Werner auf der Straße und diskutierten die Vor- und Nachteile diverser Angebote: Sollten es nur regionale Sachen sein? Nur Klassiker wie Äpfel und Möhren oder auch etwas Spezielleres wie Austernpilze? Wie sich herausstellte, gibt es sehr unterschiedliche Definitionen von „speziell“. Während Porree für mich bereits die Avantgarde unter den Gemüsen ist, fand Irmgard selbst Topinambur „viel zu Mainstream“. Sie schlug eine Menge Dinge vor, die ich alle erst googeln musste – was ich mir auch hätte sparen können, da meine Frau sie alle wieder höflich abmoderierte und wir letzten Endes eine sehr konventionelle Kiste orderten. Allerdings, kleines Zugeständnis an Irmgard, mit fancy Namen: Die Karotten heißen Moormöhren und die Rote Beete nennen sich „Warftländer Beete (rot)“.

    Doch schicke Namen hin oder her, es kam, was kommen musste: Jede Woche gibt es endlose Diskussionen, wer was aus der Kiste kriegt. Es ist ein bisschen wie früher in der Schule beim Mannschaftswählen – nur dass am Ende nicht Britta und Andreas übrigbleiben, sondern der Wirsing und die Karotten (trotz ihres schicken Namens). Am liebsten würde ich mal ein kleines Video drehen, wie Irmgard und meine Frau mit Mundschutz und Handschuhen auf die Kiste zuhechten, um den Butternut-Kürbis zu ergattern, aber die Stimmung ist eh schon ziemlich gereizt.

    So sehr sogar, dass ich meine Frau neulich dabei erwischte, wie sie mit Mila über verschiedene Gemüsesorten diskutierte und welche man wohl so wöchentlich bräuchte. Zur Rede gestellt, meinte sie: „Ich bin mir einfach nicht sicher, ob das mit Irmgard und Werner so eine gute Idee war.“ Was ihre Art ist, zu sagen: „Irmgard und Werner müssen weg.“ Ich antwortete: „Wenn Du meinst, Schatz.“ Was meine Art ist zu sagen: „Hab‘ ich ja gleich gesagt.“

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