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    #machbarschaft: Kruddigkeits Online-Konzerte in der Corona-Zeit

    Foto: privat

    Eigentlich war schon alles angerichtet. Das Bühnen-Outfit zurechtgelegt, die Gitarre gestimmt, Verstärker und sämtliches Equipment poliert und auf Vordermann gebracht. Anfang März wollte Kruddigkeit alias Karsten Ruddigkeit ein „Schaufensterkonzert“ im Kaalia spielen, einem winzigen Restaurant im Hamburger Uni-Viertel, nur einen Steinwurf von seiner Wohnung entfernt. Karsten ist Stammgast dort. Er schätzt nicht nur das indische Curry, sondern auch die persönliche und intime Atmosphäre des Lokals, das gerade einmal fünf kleine Tische hat. Die Betreiber, Ulf und Wiebke, sind nicht nur Nachbarn, sondern auch längst Freunde geworden. Doch aus dem Schaufensterkonzert wurde nichts, Corona hatte etwas dagegen. Das Kaalia musste vorübergehend schließen.

    Charity-Konzerte für das Restaurant in der Nachbarschaft

    „Dass mein Konzert ausfallen musste, war natürlich schade, aber mir tat es viel mehr für Ulf Wiebke leid. Bei Schaufensterkonzerten in der Vergangenheit kamen stets und Freunde und Nachbarn, die gegessen und getrunken haben, während ich meine Lieder spielte“, sagt Karsten. Keiner wusste genau, wie es mit dem Kaalia und vielen anderen Gastronomen weitergehen würde, von ersten Lockerungen war im März noch lange nicht die Rede. Die Idee: Eine Charity-Konzertreihe, bei der Karsten seine Songs zuhause spielen würde. „Anfangs habe ich Freunden aus meiner WhatsApp-Gruppe jeden Abend um 19 Uhr einen Song geschickt. Das Feedback war überwältigend und hat mich überrascht. Kurz darauf habe ich zwei Konzerte aus meinem Wohnzimmer gespielt, die per Instagram Live übertragen wurden. Dort habe ich dazu aufgerufen, dass Freunde und Nachbarn bitte für das Kaalia spenden sollen“, sagt Karsten.

    Freunde und Nachbarn waren begeistert und spendeten

    Ein überraschend üppiger Spendenberg kam nach den ersten beiden Konzerten zusammen – eine Summe, mit der auch Ulf und Wiebke nicht gerechnet hätten: „Wir haben uns sehr darüber gefreut. Vor allem in den ersten Wochen der Corona-Einschränkungen war das eine Finanzspritze, mit der wir die schwierige Zeit gut überbrücken konnten. Viel mehr haben wir uns aber über die moralische Unterstützung gefreut, die uns gezeigt hat, dass wir für die Leute im Viertel wichtig sind. Mittlerweile haben wir, mit drei Tischen und genügend Abstand, wieder geöffnet – auch dank Karsten.“ Den Musiker hält das nicht davon ab, weiterhin seine Songs zu spielen und diese etwa auf seinem YouTube-Kanal zu veröffentlichen.

    Die Planungen für nächste Schaufensterkonzert „in echt“ laufen bereits. Wenn es weitere Lockerungen gibt, werden Freunde und Nachbarn wieder zusammenkommen, um die Songs von Kruddigkeit live und in Farbe zu erleben. In einem seiner Songs heißt es: „Pläne sind wie Schwäne, manche fliegen.“ Seine Fans begleiten ihn gerne noch etwas länger bei seinem Höhenflug.

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