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    #machbarschaft: Auf ins Microadventure!

    Willkommen in der #machbarschaft! Der Sommer ist die perfekte Jahreszeit um ins Microadventure aufzubrechen. Ins Micro … was? Das selbstorganisierte Mini-Abenteuer hat viele Gesichter: Ob eine Nacht im Garten schlafen, ein Waldspaziergang bei Mondschein oder ein Trip ins Grüne. hallonachbar.de-Redakteur David Siems verschlug es für einen Tag in die Wälder vor den Toren Hamburgs.

    © willing-holtz

    Verflixt, hätte ich doch mal besser Mückenschutz eingepackt. Das Gehölz ist ein bisschen sumpfig, die Luft recht feucht – und abends gegen halb sieben werden meine staksigen Beine, die aus einer Short ragen, zur abendlichen Hauptspeise für allerhand bluthungrige Insekten. Die paar Stiche verderben mir aber heute nicht die Laune, denn ich habe es geschafft, mich aufzuraffen. Naturschutzgebiet, statt Netflix. Runter vom Sofa und rein die Natur. Ein echter Wildnis-Experte bin ich nicht, muss ich aber auch nicht sein. Es geht ja nicht um einen Survival-Trip durch den Amazonas-Dschungel, sondern lediglich um einen Tag im Grünen. Mein persönliches Microadventure.

    Zurück in die Natur – zumindest für einen Tag

    Den Begriff „Microadventure“ hat der Brite Alastair Humphreys erfunden. Der ist früher durch die Sahara gejoggt, hat den Atlantik mit einem Ruderboot überquert oder einen Schlitten durch die Antarktis gezogen. Bis es ihm irgendwann zu gefährlich wurde und er das „Abenteuer vor der Haustür suchte“. Er wanderte also einmal um London herum, durchquerte kleine Dörfer, schwamm in Flüssen und begriff, dass man nicht die Welt umsegeln muss, um Aufregendes zu erleben. Der Ansatz gefällt mir, vor allem in Zeiten von Corona, wo viele Menschen (so wie ich) ihre Heimat neu entdecken.

    Mikroabenteuer? Auf die Powerbank kann ich nicht verzichten

    Für einen Tag erkundschafte ich heute den Wohldorfer Wald und den Duvenstedter Brook nordöstlich von Hamburg. 780 Hektar Naturschutzgebiet mit über 600 Pflanzenarten, zahlreichen Insekten und sogar „12 Amphibien- und Reptilienarten“ (laut NABU-Website). Das klingt gefährlich, gefällt mir. Ich bin einfach mit der U-Bahn bis zur Endhaltestelle gefahren, noch 15 Minuten gelaufen und schon war ich drin im Wald. Als Gepäck habe ich ein aufblasbares Stand-up-Paddling-Board und einen Wanderrucksack dabei. Natürlich mit Proviant, ausreichend Trinkwasser, einem kleinen Erste-Hilfe-Set und einer Powerbank, falls mein Handy-Akku irgendwann schlapp machen sollte. Nur den Mückenschutz habe ich leider vergessen.

    Mann balanciert im Wald über einen Baumstamm Festes Schuhwerk ist ein Muss beim Microadventure im Wald.

    Trip ins Grüne: Auf den Spuren der Biene Maja

    Auf dem SUP gleite ich den Alsterlauf entlang und lasse mich sprichwörtlich treiben. Das Wasser ist viel klarer als ich gedacht hätte, während in Ufernähe blaue Libellen surren. Wenige Kilometer von hier entfernt liegt der Bredenbeker Teich, wo der Autor Waldemar Bonsels lebte und das Buch „Biene Maja und ihre Abenteuer“ erdachte. Kein Wunder, dass sich hier Insekten wohl fühlen. Nach zwei Stunden lege ich am Ufer an und entdecke einen verlassenen Jägersitz. In dem kleinen Häuschen deponiere ich für ein Weilchen mein Stand-up-Paddling-Board und gehe zu Fuß weiter quer durch den Wald. Auf einer Lichtung breite ich die Picknickdecke aus, esse eine Kleinigkeit und schließe die Augen. Der Wind streicht durch die Bäume und von irgendwo höre ich Vogelstimmen. War das nicht ein Eichelhäher?

    Könnte man nicht ewig so weitermachen?

    Mann sitzt am Lagerfeuer Feuerabend! Der perfekte Ausklang eines tollen Tages.

    Die nächste Abgabe? Die nächste Telefonkonferenz mit meinen Kollegen? Ist plötzlich ganz weit weg. Ich schlummere ein wenig im Gras und freue mich, dass gerade überhaupt nichts passiert. Darum geht es nämlich beim Microadventure: einfach mal loslaufen, ohne strengen Zeitplan und Routen, offen sein für Neues. Nach einem weiteren Gang durch den Wald und ein paar mehr Mückenstichen, hole ich mein SUP wieder beim Jägersitz ab und schlendere zurück zur U-Bahn. Eigentlich könnte ich tagelang so weitermachen, wäre da nicht der Gedanke, dass es im eigenen Bett leider am gemütlichsten ist. Zu Hause im Garten mache ich noch ein kleines Feuer – und bin in Gedanken schon bei den Planungen für mein nächstes Microadventure.

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