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    Kolumne#41: Die Pool-Party

    Die Einladung klang ziemlich verlockend: „Pool-Party bei Marc & Manu. Samstag, ab 18 Uhr“. „Wer sind Marc und Manu?“, fragte ich meinen Freund Klaus, der an dieser Stelle ebenfalls regelmäßig von den Vorkommnissen aus seiner Nachbarschaft erzählt. „Das ist das neue Pärchen, das bei uns in die Straße gezogen ist“, lautete seine knappe WhatsApp-Nachricht. Klaus wollte mich endlich mal zu sich ins Viertel einladen. In die beschauliche Gegend der Stadt, wo ich so gut wie nie bin und wo kleine Anwesen in einer verkehrsberuhigten Straße majestätisch einen gewissen Wohlstand markieren, aber nicht protzig wirken. Pool-Party? Beverly Hills, ich komme!

    Autor David Siems Der Kolumnist
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    In unserer Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt David Siems im Wechsel mit Klaus Werle die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unterhaltsam unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen im Mietshaus zwischen Studenten-WG, Briefkasten und Fahrradkeller. Wenn Sie die beiden gutnachbarschaftlich mit Erlebnissen oder Anekdoten unterstützen möchten, schreiben Sie eine Mail an hallonachbar@ewe.de.

    Filmreife Momente in Badehose

    Bei den Temperaturen ist eine Pool-Party natürlich genial. Ich legte mir meine blau-rot gestreifte Badeshort zurecht, packte ein Handtuch ein und fantasierte ein wenig vor mich hin. Vor meinem geistigen Auge sah ich ein zwölf mal vier Meter langes Schwimmbecken inklusive Ein-Meter-Brett und türkisfarbenem Wasser, wie man es aus US-amerikanischen Filmen und Serien kennt, wo wohlhabende Highschool-Kids ausschweifende Partys feiern und Alkohol aus weißen Pappbechern trinken. Wer sich einen eigenen Pool bauen kann, der hat es wirklich zu etwas gebracht im Leben. Ich war froh, dass ich auf meinem Minibalkon im 5. Stock immerhin eine schuhkartongroße Wanne hatte, wo ich zuletzt häufiger mal ein kaltes Fußbad genießen konnte.

    Zu Gast bei reichen Nachbarn: Why not?

    Als ich bei Marc und Manu ankam, stieg ich vom Rad und nahm meinen Rucksack ab. Mein T-Shirt war hinten komplett durchgeschwitzt. „Gleich ein kühles Bier und dann ab in den Pool“, japste ich, als ich hechelnd auf die Türklingel drückte. Mir öffnete die Gastgeberin: „Hach, hallo! Bist du David? Klaus hat dich bereits angekündigt. Komm rein, er ist hinten im Garten. Möchtest du was trinken? Bedien’ dich doch im Pool!“ Ich schritt triumphierend durch das turnhallengroße Wohnzimmer, trat wieder hinaus in den Garten und blickte mich um. Von einem Pool weit und breit keine Spur. Von links hörte ich Klaus: „Bonjour Monsieur! Darf ich dir ein französisches Craft Beer anbieten? ,Le Paradis Revolutión au Paradis’ – herrlich süffig!“

    Er saß auf einem Klappstuhl, die Füße in einem Babyplanschbecken, wo mehrere Dutzend Flaschen gekühlt wurden. Das war also der Pool. Ein Babyplanschbecken. „Na, wie gefällt die unsere ,Pool-Party’? Lustig, oder?“, fragte Gastgeber Marc, der mit Mittel- und Zeigefinger recht ungelenk die Gänsefüßchen symbolisieren wollte. Ich hasse es, wenn Mensch das tun. Was mich noch mehr ärgerte: Meine Fantasie hatte mir mal wieder ein Bein gestellt. „Prost“, sagte ich müde zu Klaus, der mir die Enttäuschung ansah. Er klopfte mir auf die Schulter und sagte: „Glaub mir: Man kann sich jeden Pool schön trinken. Ganz egal, wie klein er ist.“

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