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    Kolumne #45: Wenn Männer angeln

    Porträtbild Klaus Werle Der Kolumnist
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    Zwischen Balkongrill und Hecke: In der Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im Wechsel mit David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen heute vorm Gemeinschaftsfahrstuhl oder dem Gartenzaun.

    Wenn sich meine Frau entspannen will, setzt sie sich mit Angela zu einem Gläschen Prosecco zusammen. Angela und Hubert wohnen schräg gegenüber, ein nettes Paar, auch wenn Hubert und ich uns eher weniger zu sagen haben. Das war lange ein kleines Problem. „Warum triffst Du Dich nicht auch mal mit Hubert“, fragte meine Frau regelmäßig, wenn sie in den Keller ging, um den Prosecco zu holen.

    Seit drei Wochen hat Hubert ein neues Hobby: Fliegenfischen. „Das ist doch eine tolle Sache“, sagte meine Frau. „Da könnt Ihr Jungs doch mal zusammen angeln.“ Und so wurde aus dem kleinen Problem ein großes.

    Angeln an sich ist ja bereits nicht unbedingt der Adrenalin-König unter den Sportarten. Und beim Fliegenfischen werden Wasserinsekten als Köder nachgebaut. Das Anfertigen dieser Köder kostet viel Zeit und ist für viele Fliegenfischer ihr ganzer Stolz. Auch für Hubert. „Schau mal, hab ich gestern gemacht“, sagte er und präsentierte eine schier endlose Reihe unappetitlicher Knäuel aus irgendwelchen kruden Materialien. Ich schreckte aus meinem Dösen hoch und nickte teilnahmslos. Was Hubert in seiner Euphorie aber nicht im Mindesten bremste. Er war wild entschlossen, mit mir am kommenden Samstag zum Fliegenfischen zu gehen. Wohingegen ich meinerseits ebenso wild entschlossen war, genau das zu verhindern.

    Also bat ich Hubert um eine Reihe Zutaten, die er für seine Köder brauchte. Fellstücke, Federn, Haken, solche Sachen. Als am nächsten Abend wieder Prosecco serviert wurde, setzte ich mich mit meinen Utensilien mit an den Tisch und begann, Köder zu basteln. Angela, die das natürlich schon kannte, verzog keine Miene. Meine Frau dagegen, die Insekten nicht ausstehen kann, schaute angewidert: „Muss das ausgerechnet jetzt sein?“, fragte sie genervt. „Entschuldige, Schatz, aber wenn ich mit Hubert übermorgen angeln will, brauche ich wohl ein paar Köder, oder nicht?“, antwortete ich.

    Es kam, wie es kommen musste. Der Proseccoabend fiel drastisch kürzer aus als sonst und meine Teilnahme am Angelausflug wurde abgesagt. Stattdessen kamen Angela und Hubert am Sonntag rüber, um mit uns die Fische zu grillen, die Hubert gefangen hatte. Sehr schmackhaft. Vielleicht doch nicht so schlecht, Huberts Hobby. Zumindest vom Ergebnis her betrachtet.

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