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    Kolumne #38: Urlaubszeit ist Neue-Nachbarn-Zeit!

    Foto: shutterstock
    Autor David Siems Der Kolumnist
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    In unserer Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt David Siems im Wechsel mit Autor Klaus Werle die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unterhaltsam unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spiele im Miethaus zwischen Studenten-WG, Briefkasten und Fahrradkeller. Wenn Sie die beiden gutnachbarschaftlich mit Erlebnissen oder Anekdoten unterstützen möchten, schreiben Sie eine Mail an hallonachbar@ewe.de.

    Urlaubszeit in der Nachbarschaft sah früher eigentlich immer so aus: Leere Mülltonnen, verwaiste Briefkästen im Treppenhaus und gestapelte Tageszeitungen vor den Wohnungstüren. Endlich (gespenstische) Ruhe im Haus, weil alle ausgeflogen waren! Hinzu kamen die kleinen nachbarschaftlichen Dienste, die ich gerne übernahm, etwa Blumengießen und Katze füttern bei Frau Kummernuss, während sie – wie jedes Jahr – für zwei Wochen am Gardasee weilte und Martini schlürfte.

    Sommerloch im Treppenhaus? Weit gefehlt.

    In diesem Jahr ist die Situation, Sie wissen schon, wegen dieser launischen Signorina Corona alles etwas anders. Statt meditativem Schweigekloster, gleicht unser Wohnhaus in diesem Sommer eher einer Jugendherberge für Abi-Fahrten. Okay, ich übertreibe etwas. Tatsächlich gibt es aber allerhand Tohuwabohu, denn statt wegzufahren und ihre Wohnung verwaist zurückzulassen, haben unsere Nachbarn a) entweder Feriengäste zu sich eingeladen oder b) in Airbnb-Manier ihre Wohnung während der Abwesenheit an fremde Leute vermietet. Finde ich super. Das sorgt für temporäre Abwechslung und frischen Wind in der Nachbarschaft. Eine Frischzellenkur für das angestaubte Wohnklima – mit lustigen Nebenwirkungen.

    Lost in translation an der Biotonne

    Da war etwa der freundlich dreinschauende Herr mit asiatisch anmutenden Gesichtszügen, der mir während unseres Smalltalks vor der Biotonne mehrmals freundlich zunickte, aber erst nach etwa drei Minuten zu verstehen gab, dass er gar kein Deutsch spricht. Oder das junge, mir unbekannte Pärchen (Typ „Maximaloptimierer“), das auf dem Balkon geschlagene 30 Minuten darüber diskutierte, wo es denn zu Abend essen wolle, während beide konsequent in die Untiefen ihres Smartphones schauten. Das konsequente „Nee, hat keine guten Bewertungen bei Trip Advisor …“ beendete ich einem forschen Gruß vom Balkon oben drüber und der Empfehlung für drei Restaurants in unmittelbarer Nachbarschaft.

    Insgeheim bin ich schon ein bisschen traurig, wenn die Ferienzeit zu Ende geht, die lieben Nachbarn alle zurück sind und die Routine wieder einkehrt. Bis dahin gehe ich mit offenen Augen und Ohren durchs Treppenhaus – und freue mich auf weitere kuriose Begegnungen im Kulturclash der Nachbarschaft.

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