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    Kolumne #48: Brettspiele sind Kampfsport

    Foto: shutterstock
    Porträtbild Klaus Werle Der Kolumnist
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    Zwischen Balkongrill und Hecke: In der Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im Wechsel mit David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen heute vorm Gemeinschaftsfahrstuhl oder dem Gartenzaun.

    Kennen Sie diese grauen Wintersonntagnachmittage, an denen wirklich GAR NICHTS los ist? Die Kinder sind verabredet, die Wohnung geputzt und aufgeräumt. Draußen ist es kalt und nass, aber nicht auf diese romantisch-verschneite Art, sondern auf die fies-trübe Art. Wenn dann Ihre Nachbarn an der Tür klopfen und fragen, wie es mit einer spontanen Runde „Trivial Pursuit“ und dazu Eierpunsch wäre, dann habe ich einen Tipp für Sie: Tür zu, ganz schnell und ganz fest.

    Brettspiele: Kampfsport des kleinen Mannes

    Leider kannte meine Frau diesen Tipp noch nicht, als neulich Alex und Mila spontan klopften. Hätte auch nichts genutzt, denn Alex hatte das Spiel schon auf den Esstisch geknallt und Mila durchwühlte die Schränke nach passenden Punsch-Gläsern. Und dann ging es los.
    „Trivial Pursuit“ ist eines dieser Spiele, bei denen sich jeder für den Champion hält, „weil „schließlich jeder in IRGENDETWAS gut ist“, wie Mila leutselig sagte. Spätestens da war klar, dass Alex und sie ein paar Stunden mit Wissen-Googeln verbracht hatten, bevor sie klopften.

    Die beiden wollten nicht einfach einen unterhaltsamen Nachmittag, sie wollten gewinnen.
    Was schlecht war, denn zufällig ist meine Frau ein „Trivial Pursuit“-Champion und obendrein schaffte sie es auch noch, mich irgendwie durchzuschleppen. Der Nachmittag zog sich, die gewonnen Fragen stapelten sich auf unserer Seite, und Alex und Mila griffen immer häufiger und mit immer schlechterer Laune zum Eierpunsch.

    Mau-Mau: Versöhnung unter Nachbarn

    Irgendwann warf Alex entnervt die Hände in die Luft. „Ihr nehmt das viel zu ernst“, maulte er, „das soll doch Spaß machen!“ „Also, MIR macht es Spaß“, entgegnete meine Frau. „Ja, weil Du immer gewinnst“, giftete Mila und verschüttete „aus Versehen“ etwas Punsch auf der Bluse meiner Frau. Der Rest des Nachmittags ging unter in einem ziemlich heftigen Streit, in dem es nach kurzer Zeit nur noch am Rande um „Trivial Pursuit“ ging. Wir hörten erst auf zu schreien, als der Punsch alle war und Mila plötzlich rief „Schaut mal, die Sonne kommt raus!“

    Wir machten einen langen Spaziergang, vertrugen uns wieder und spielten dann noch ein paar Runden Mau-Mau. Das ist übrigens noch ein Tipp: Wenn Sie die Tür nicht schnell genug schließen können, schlagen Sie ein anderes Spiel vor. Möglichst eines mit einer Altersangabe ab 4 Jahren.

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