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    Kolumne #49: Mein Nachbar James Bond

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    Autor David Siems Der Kolumnist
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    In unserer Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt David Siems im Wechsel mit Klaus Werle die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unterhaltsam unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen im Mietshaus zwischen Studenten-WG, Briefkasten und Fahrradkeller. Wenn Sie die beiden gutnachbarschaftlich mit Erlebnissen oder Anekdoten unterstützen möchten, schreiben Sie eine Mail an hallonachbar@ewe.de.

    Dass so ein Lockdown auch seine angenehmen Seiten haben kann, erkennt man daran, dass es endlich Zeit für Dinge gibt, die man viel zu lange vor sich hergeschoben hat. Zum Beispiel alle James-Bond-Filme gucken. In chronologischer Reihenfolge. Natürlich nicht am Stück, sondern schön ritualisiert jeden Samstagabend. Mache ich grad mit meinen Kindern, letzten Samstag stand „Moonraker“ auf dem Programm. Sie wissen schon, Roger Moore im Weltall, Fiesling Drax, der dort eine neue Herrenrasse erschaffen will oder Vorzeigeschurke Beißer, der am Zuckerhut in Rio die Seilbahn-Tampen zerkaut. Dazu allerhand muffig-schlüpfrige Herrenwitze von 007, die man mit Verwunderung zur Kenntnis nimmt.

    Nicht jeder kann ein unwiderstehlicher Filmheld sein

    Womit wir bei meinem Nachbarn Jupp wären. Wie man am Namen erahnen kann, ist er bereits älteren Semesters, 74 Jahre alt, um genau zu sein. Als chronischer Junggeselle ist er nie um einen flotten Spruch verlegen, vor allem gutaussehenden Damen aus der Nachbarschaft gegenüber. „James Bond? DAS war noch ein echter Mann. Nicht so Waschlappen, wie die ganzen Kerle heutzutage, die nicht mal wissen, wie man einen Autoreifen wechselt!“, brach es neulich aus ihm heraus, als ich ihn beim Altpapier-Container traf. Angesprochen auf sein Liebesleben, sank er merkwürdig schlaff in sich zusammen. Naja, da hätte es dieses Treffen „mit dieser brünetten Schönheit, vom Typ her kaukasische Tiger-Lady“ gegeben. Der Abend startete gut, man trank Wein im Park, doch an der Haustür machte die Dame wider Erwarten auf dem hohen Absatz kehrt – und verkroch sich lieber im Hamburger Großstadtdschungel. Welch Blamage für den Geheimagenten der Liebe!

    Liebesgrüße aus Moskau? Mein Nachbar braucht ein Quantum Trost

    Jupp und ich standen vor der Mülltonne, vom Altpapier hatten wir uns entledigt, als ich (der selbsternannte Beziehungsexperte) in den Männerversteher-Modus schaltete: „Woran hat es denn gelegen, dass die feurige Dame plötzlich Reißaus genommen hat? Hast du irgendetwas … Dämliches gesagt? Warst du zu überstürzt? Falsches Eau de Toilette aufgetragen?“ Darauf zuckte er die Schultern und antwortete süffisant: „Ich habe Roger Moore zitiert, du weißt doch in ,Der Spion, der mich liebte’, wo er die russische Agentin Amasova ins Schlafzimmer bittet und sagt: Komm doch rein, ich finde, wir sollten jetzt unsere Geschäftsbeziehung vertiefen …“ Autsch.

    Vor meiner Haustür huschte ich schnell ins Wohnzimmer und gab ihm das jüngere Bond-Abenteuer „Ein Quantum Trost“ auf DVD mit auf den Weg. Mit Daniel Craig als Vorbild und modernen James Bond sollte beim nächsten Senioren-Date deutlich weniger schief gehen.

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