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    Kolumne #50: Neues Jahr, neue Nachbarn

    Foto: GettyImages
    Porträtbild Klaus Werle Der Kolumnist
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    Zwischen Balkongrill und Hecke: In der Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im Wechsel mit David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen heute vorm Gemeinschaftsfahrstuhl oder dem Gartenzaun.

    Gegenüber zogen neulich neue Nachbarn ein, und zwar „zum Jahreswechsel“, hatte meine Frau gehört. „Was heißt das genau“, fragte ich zurück: „Stehen hier an Silvester Umzugswagen? Oder kommen sie erst irgendwann in der ersten Januarwoche?“ „Sie heißen Mareike und John“, sagte meine Frau, als ob das eine Antwort wäre. „Wow. Neues Jahr, neues Haus, Umzug mit Restalkohol – also wenn sie wirklich am 1. Januar auf der Matte stehen, sind Mareike und John ziemlich coole Hunde“, antwortete ich.

    Gretchenfrage unter Nachbarn: Was schenkt man zum Einzug?

    Anschließend hatten wir noch eine kleine Diskussion darüber, ob wir den neuen Nachbarn Brot und Salz (der Einzugsklassiker) oder eine süße Hefebrezel (der Neujahrsklassiker) schenken sollten. Natürlich konnten wir uns nicht einigen, weshalb wir am 1. Januar gegen Mittag mit einer zauberhaft verpackten Brot&Salz-Kombi (ich) und einer betörend duftenden Brezel (meine Frau) vor der Tür standen. Was wir uns hätten sparen können, denn niemand öffnete, das Haus war dunkel.

    Am nächsten Morgen rollte gegen 10 Uhr tatsächlich ein Umzugslaster in unsere Straße. Wir gaben den Neuen vier Stunden, um alles auszupacken und die wichtigsten Möbel aufzubauen. Dann packten wir unsere jeweiligen Willkommensgeschenke und stiefelten rüber, denn jetzt waren wir wirklich neugierig. John öffnete die Tür. „Herzlich willkommen, wir sind Eure neuen Nachbarn!“, krähten wir unbeholfen im Chor. „Oh, okay, vielen Dank, kommt doch kurz rein“, nuschelte John. Er wirkte sehr nett, aber recht müde. „So ein Umzug schlaucht ganz schön“, sagte ich zu Mareike, die sich in der Küche müde am Herd abstützte, auf dem ein rötliches Gebräu köchelte. „Hm? Ach so, ja“, antwortete sie, „aber vor allem sind wir immer noch verkatert von Silvester. Deshalb koche ich auch Chili.“ Im Haus herrschte das typische Umzugsdurcheinander, aber Mareike und John wirkten nicht so, als würde sie das großartig stören. Sehr sympathischer Zug, dachte ich.

    Katerfrühstück schweißt zusammen

    Wir halfen, ein paar Umzugskisten zu Tisch und Stühlen zu kombinieren und aßen gemeinsam das Chili con Carne. Das Brot konnte man super reintunken, und die Brezel war ein guter Nachtisch. Dann holte ich noch zwei Flaschen Wein von drüben, und es wurde ein sehr angenehmer Nachmittag. „Die sind ja angenehm entspannt“, sagte meine Frau auf dem Nachhauseweg. „Ja, passt schon, die zwei sind in Ordnung“, entgegnete ich. „Aber wenn sie richtig cool wären, wären sie trotzdem gestern schon eingezogen.“

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