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    Kolumne#46:Wilde Wesen im Wohnzimmer

    In der neuen Ausgabe von „Die lieben Nachbarn“ schreibt Kolumnist David Siems über die Tücken im Homeoffice, wenn der heimische Schreibtisch von wilden Kindern umlagert wird.

    Autor David Siems Der Kolumnist
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    In unserer Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt David Siems im Wechsel mit Klaus Werle die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unterhaltsam unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen im Mietshaus zwischen Studenten-WG, Briefkasten und Fahrradkeller. Wenn Sie die beiden gutnachbarschaftlich mit Erlebnissen oder Anekdoten unterstützen möchten, schreiben Sie eine Mail an hallonachbar@ewe.de.

    Kennen Sie noch den alten TV-Werbespot für „Toffifee“? Diese herrlich klebrigen Karamellbatzen, die Oma und Opa früher regelmäßig die Plomben rausgezogen haben? Wo der Papa mit den Kindern auf „Dschungel-Safari“ im Wohnzimmer geht und die Mutter aus dem Off sagt: „… aber wenn ich Toffifee ins Spiel bringe, was meinen Sie, was dann passiert? Dann kommen sie ganz schnell wieder nach Hause!“ Dieser Spot beschreibt ganz gut, wie es momentan bei mir zu Hause täglich zugeht. Diese Safari sieht allerdings etwas anders aus. Es gibt deutlich mehr Raubtiere. Und Gefahren, die hinter jeder Ecke lauern.

    Meine sechsjährige Tochter baut im Wohnzimmer jeden Tag aus Kissen, Stühlen und Decken eine große Höhle. Davor wird fein säuberlich ihre Pferde-Ranch positioniert, gepaart mit einer Anzahl Kuscheltieren im unteren dreistelligen Bereich. Der weitere Nachwuchs (beide bereits Teenies) verfällt in kindliche Nostalgie und bereichert das Szenario mit Springseilen, Hula-Hoop-Reifen und weiteren erwachsenfeindlichen Stolperfallen. Gibt es Streit – und ja, den gibt es täglich – verwandelt sich das Wohnzimmer im Handumdrehen in einen Saloon aus einem Bud-Spencer-Film, wo tapsige Schurken zu ulkiger Musik durch die Luft geschleudert und krachende Handkantenschläge verteilt werden. Ich übernehme dabei die Rolle des Barkeepers, der sich unter den Tresen flüchtet.

    Das wäre an sich ja alles ganz putzig anzuschauen, wenn ich nicht in der einen Wohnzimmerecke meinen Homeoffice-Schreibtisch stehen hätte, wo ich genau in diesem Moment auch diesen Text hier schreibe. Würde ich jetzt zu ihnen sprechen, statt zu schreiben, würden Sie wahrscheinlich kein Wort verstehen, weil die „Dschungelgeräusche“ um mich herum zu laut wären: Getrappel, Gequängel, Gejammere, Gekeife. Ich könnte jetzt zum Großwildjäger werden und alle wilden Tiere mit harter Konsequenz „erlegen“. Ich habe mir aber eine viel bessere Taktik überlegt, bin ja überzeugter Pazifist. Ich gehe jetzt in die Küche und öffne eine Packung Toffifee. Meinen Kindern werde ich aber keine abgeben, das wird ein Spaß. Eine angemessene Strafe. Oder wir treten in Verhandlungen: Ein Toffifee für zwei Stunden Ruhe. Safari-Nervennahrung für Fortgeschrittene.

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