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    #machbarschaft: Oldenburg zeigt Maske!

    Zu Beginn der Corona-Einschränkungen im März 2020 herrschte vielerorts noch große Knappheit: Wie sollten alle Bewohner im Oldenburger Stadtteil Etzhorn auf die Schnelle an einen Mundschutz kommen? Wie so oft machte die Not erfinderisch. Über eine lokale Sammelstelle in der Garageneinfahrt verteilte Anwohner Klemens Ehret gemeinsam mit seiner Ehefrau Denise über 600 selbstgenähte Masken in der Nachbarschaft. Für die Online-Serie #machbarschaft traf hallo nachbar ihn zum Interview.

    Klemens Ehret Unser Machbar Klemens
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    Klemens Ehret arbeitet als Marineoffizier bei der Bundeswehr. Seit 2016 lebt er mit seiner Frau Denise und der gemeinsamen Tochter im Oldenburger Stadtteil Etzhorn.

    Hallo Klemens, wie viele Menschen warten noch in deiner Einfahrt auf ihre Maske?

    Mir ist heute noch niemand aufgefallen. (lacht) Nein, der große Ansturm auf die Sammelstelle ist natürlich mittlerweile vorbei. Gerade kam noch eine Bestellung von sechs Masken rein, aber die Anrufe nehmen deutlich ab. Mittlerweile hat sich hier sogar ein kleiner Lagerbestand gebildet.

    Das war vor ein paar Wochen sicher noch anders. Aber beginnen wir von vorn: Wie ist die Idee der Sammelstelle für Masken geboren?

    Alles fing damit an, dass meine Schwester mir Mitte März eine Einladung zu #WirVsVirus, dem Hackathon der Bundesregierung, weitergeleitet hat. Ziel der Veranstaltung war es, gleich zu Beginn der Krise Ideen zu sammeln, wie wir den Herausforderungen der kommenden Wochen und Monate begegnen können. Also habe ich mich einfach mal angemeldet und bin in einer Arbeitsgruppe gelandet, die sich mit der Herstellung, der Verteilung und der Akzeptanz von Atemschutzmasken beschäftigt hat.

    Und wie genau ging es dann weiter?

    In einer Gruppe aus rund 40 völlig fremden Personen mussten wir innerhalb von 48 Stunden ein Konzept entwickeln. Heraus kam die Initiative MaskeZeigen. Unsere Idee war es, die Menschen zu animieren, sich ihre eigenen Masken zu nähen – auch um sicherzustellen, dass zum Beispiel Krankenhäuser Vorrang bei der Versorgung mit medizinischen Masken haben. Also haben wir viele verschiedene Nähanleitungen und andere Tipps und Tricks auf einer eigenen Website bereitgestellt.

    Jemand arbeitet an einer Nähmaschine.

    Wie kam es schließlich zur Initiative in Etzhorn?

    Der Hackathon hat gezeigt, dass oftmals digitale Lösungen im Mittelpunkt stehen – was ja in vielen Fällen auch sinnvoll ist. Auch auf unserer Website führen wir eine Liste von Projekten, die über Online-Plattformen selbstgenähte Masken vermitteln. Aber was ist mit den Menschen, die nicht unbedingt online sind? Ich denke da vor allem an die älteren Generationen, die nutzen keine Online-Portale. So bin ich schließlich auf die Idee gekommen, eine lokale Initiative für die Nachbarschaft zu starten.

    Mit der Sammelstelle, bei der jeder vorbeikommen kann…

    Genau. Zunächst habe ich überlegt, wie ich die Menschen am besten erreiche. Mein Nachbar gab mir schließlich den Tipp, den Bürgerverein Etzhorn zu kontaktieren. Über deren Newsletter und Zeitungsinserate ist es uns schließlich gelungen, sowohl genug ehrenamtliche Näherinnen zu finden, als auch Menschen, die die Masken am Ende gebrauchen konnten. Ich war überrascht, wie gut das geklappt hat – eine wirklich sehr schöne Sache!

    Wie viele Masken sind schließlich über deine Theke gegangen?

    Die Näherinnen haben insgesamt um die 600 Masken bei mir abgegeben. 500 von ihnen wurden bislang erfolgreich vermittelt – in der Nachbarschaft, aber beispielsweise auch an sonderpädagogische Einrichtungen und Arztpraxen. Für mich persönlich war die Aktion eine wertvolle Erfahrung, da ich meine beruflichen Fähigkeiten gut auf das Projekt übertragen konnte. Als Marineoffizier bin ich darin ausgebildet, in Krisensituationen schnell handeln zu müssen. Darüber hinaus war die Sammelstelle für meine Familie eine schöne Gelegenheit, viele nette Menschen aus der Nachbarschaft kennenzulernen.

    Wie lautet dein erstes Fazit?

    Mittlerweile dürfte jeder mit einer Maske versorgt sein. Ich bin froh, mit der Sammelstelle etwas dazu beigetragen zu haben. Ich fand‘s toll, wie die Leute in der schwierigen Zeit zusammengestanden haben und auch immer noch stehen. Ich danke allen Näherinnen und dem Nachbarschaftsverein für die Werbung. Alleine hätte ich das natürlich nicht hingekriegt.

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