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    Unterwegs auf der "wilden Wiese" mit dem Vogelflüsterer

    Im Windpark südlich von Oldenburg hat EWE wilde Naturwiesen angelegt, um Lebensräume für Tiere zu schaffen. hallo nachbar war mit dem Biologen Volker Moritz vor Ort auf Erkundungstour.

    BenneOchs
    Volker Moritz Der Biologe
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    Volker Moritz (66) arbeitet als freiberuflicher Biologe und Ornithologe in Oldenburg und beobachtet seit mehr als 40 Jahren die Flora und Fauna in norddeutschen Gebieten. Für EWE betreut er eine angelegte Grünfläche im Windpark Hatten und prüft mehrmals im Jahr, wie sich die Pflanzen- und Tierwelt hier entwickelt.

    Ganz kurz hält er inne. Volker Moritz hört mitten im Satz auf zu sprechen, die Augen weiten sich, und er reckt den Hals, wie es auf so sympathische Weise wohl nur neugierige Tier- und Natur­forscher tun: „Hören Sie! Da ist sie ja, die Feldlerche. Man erkennt sie immer gut an ihren komischen Zwerpelgeräuschen.“ Zwerpel­geräusche? Die klingen ungefähr so: Tschipi-tschipi-tschöööpi-tschipi-tschipi-tschööö …Wir stehen auf einer Wiese im Windpark Hatten, südlich von Oldenburg. EWE hat hier insgesamt acht Anlagen vom Typ Vestas V112 mit je 3,3 Megawatt Leistung gebaut. Und – weil Umweltschutz und Umweltverträglichkeit bei EWE großgeschrieben werden – eine Ausgleichsfläche eingerichtet, in der die Natur geschützt wird. Während Gegner neuer Windkraftanlagen argumentieren, dass durch sie
    die Natur zerstört wird, sieht Volker Moritz das deshalb ein bisschen anders.

    Ein grünes Vorzeige-Biotop in unmittelbarer Nähe zum Windpark

    „Viele Vögel zeigen kein Meideverhalten gegenüber den Windkraftanlagen. Das gilt etwa für die Feldlerche, aber auch für Mäusebussarde, die hier in unmittelbarer Nähe brüten“, sagt Moritz, der seit 40 Jahren Vögel in freier Wildbahn beobachtet. Er setzt das Fernglas an, blickt einmal quer über das Wiesengras und erklärt: „Aktuell leben hier acht Feldlerchenpaare, für die wir seit 2016 hervorragende Lebensbedingungen geschaffen haben.“ Die „wilde Wiese“ ist etwa 60 Meter breit und 400 Meter lang, das entspricht etwa der Fläche von vier Fußballfeldern. Bei der Begrünung hat Volker Moritz darauf geachtet, dass die Biodiversität in buchstäblich voller Blüte aufgeht. Neben meterhohem Sauerampfer, Schafgarbe und verschiedenen Gräsern wie Honiggras, Wiesenfuchsschwanz oder Weiche Trespe gedeihen hier auch Heidenelken, Kornblumen oder Habichtskräuter. Alles Pflanzen, die man nicht unbedingt aus dem heimischen Kleingarten kennt, die dafür aber genügend Schutz für Feldlerchen bieten, um zwischen dem Wildwuchs ihre Nester zu bauen.

    Mäusebussarde und weitere Vögel brüten in der Nähe der Windkraftanlagen

    Mittendrin gibt es auch eine Sandbadestelle („Die Feldlerche liebt es, sich mit Sand einzureiben. Wenn sie ihre Federn einstaubt, schützt sie sich damit etwa vor Milben, die sich gerne in ihrem Gefieder einnisten“), drei größere Kuhlen und ein Wasserbecken. Sechsmal im Jahr ist Volker Moritz vor Ort und beobachtet, wie sich das Biotop entwickelt. Zwischen März und Juni kommen nicht nur Feldlerchen und Mäusebussarde. Auch Wachteln und Kiebitze zieht es dann zum Brüten auf die Wiese. Zu ihnen gesellen sich auch trächtige Feldhasen. „Alles, was die Biodiversität erhöht, darf hier vorkommen. Manchmal muss man der Natur auch mal freien Lauf lassen“, sagt Volker Moritz. Beim Gang über die Wiese erfährt man das am besten, wenn man sich hinkniet oder einfach mal den Kopf in die Gräser hält. Hier wimmelt es nur so von Heuschrecken, Schmetterlingen und kleinen Faltern. Damit das so bleibt, tritt demnächst ein neues Gesetz in Kraft: Ab 2020 darf, so wie auf der „wilden Wiese“ in Hatten, nur noch regional gezüchtetes Saatgut verwendet werden. Darüber freuen sich mit Volker Moritz bestimmt auch sämtliche Feldlerchen des Landes.

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