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    Behaglich in den Herbst Das sind die Siegerbilder vom E-Bike-Fotowettbewerb

    Im Keller - Kyra Sanders ermittelt

    Künftig wird es im Gebiet von EWE NETZ ein anderes Erdgas geben. Das heißt H-Gas (high calorific gas) und hat einen höheren Energiegehalt als das bisherige L-Gas (low calorific gas). Damit alle Geräte mit der neuen Gassorte funktionieren, müssen einige mit neuen Düsen ausgestattet werden, bei anderen werden die Einstellungen geändert. Um zu prüfen, was nötig ist, kommen schon jetzt Monteure von EWE NETZ ins Haus. Sie ermitteln und dokumentieren, ob und wie Geräte später verändert werden müssen, damit der Übergang reibungslos funktioniert. Eine Monteurin ist Kyra Sanders. Sie arbeitet beim Fachunternehmen TBD GmbH & Co. KG im Landkreis Wittmund – einer der regionalen Partner, mit denen EWE NETZ die Erdgasumstellung im Nordwesten umsetzt.

    Wingst. 8 Uhr: Bepackt mit Messgerät und Werkzeug klingelt die Monteurin an einem gelben Backsteinhaus. Es dauert. Und dauert. „Vielleicht schlafen sie noch“, sagt Sanders und bleibt noch einen Moment länger vor der Tür stehen. Offenbar ist wirklich keiner zu Hause. „Nun gut, dann gibt’s halt eine Karte“, verkündet die 37-Jährige, fischt eine aus ihrem Koffer und wirft sie in den Briefkasten. Dann schaut sie auf ihr Tablet. „Wen haben wir denn als nächsten? Ah, das Haus da drüben.“

    8.11.Uhr: Ding-Dong. Der Mann wirkt überrascht. „Äh…Wir sind gerade erst eingezogen.“ Kyra Sanders erklärt, warum sie da ist und zeigt ihren Ausweis und seine Kundennummer. Da fällt es ihm ein. „Ja, wir haben einen Brief bekommen.“ Er lächelt entschuldigend. „Kommen Sie rein und verzeihen Sie die Kartons.“
    Es sieht gar nicht schlimm aus. Umzug eben. Sanders hat schon ganz anderes gesehen. „Schlimme Messie-Haushalte mit Töpfen voller Kippen oder einmal hat jemand leere Shampooflaschen gehortet. Nun ja.“ Sanders schmunzelt und geht in den Keller.

    Dort erfasst sie zuerst den Gaszähler und dann die Geräte, die am Gasnetz hängen. Zudem macht sie ein Foto mit dem Tablet. Was das soll? „Wir dokumentieren den Ist-Stand und prüfen, ob alle Rohrleitungen in Ordnung und ausreichend befestigt sind.“ Nun riecht sie aufmerksam. Die olfaktorische Prüfung. „Das ist wichtig, denn wenn ich Gas rieche, nehme ich das Gasspürgerät und untersuche alles genau.“ Sollte wirklich Gas austreten, würde sie eine Hotline anrufen, so dass schnell jemand rauskommt und alles instand setzt. Hier ist aber alles in Ordnung.

    Kyra Sanders vor einer Heizungsanlage im Keller Im Keller des Kunden erfasst Kyra Sanders den Gaszähler und die Geräte, die am Gasnetz hängen. (Bild: David Hecker)

    Sie öffnet die Heizungsanlage und macht ein Foto davon. Und vom Typenschild. „Dort stehen die Daten drauf, die für die Erfassung sehr wichtig sind, um das Gerät genau zuzuordnen.“ Sie prüft das Innere der Heizungsanlage, guckt sich den Brenner an und dann die Kabel. Nichts korrodiert. Wunderbar, das könnte sonst die Umstellung auf das neue H-Gas erschweren.

    Dann nimmt sie eine Abgasmessung vor und führt dazu die Mess-Sonde des Messgeräts in eine Öffnung des Abgasrohrs. Die Werte sind positiv. Also kann Sanders alles wieder zusammenbauen und einpacken. „Prima, nur 20 Minuten, da bin ich gut in der Zeit“. Nur schade, dass sie wieder aus dem kühlen Keller raus muss. Draußen sind dreißig Grad und Sanders befürchtet, dass gleich ein Dachboden kommt. „Gestern waren auf einem 54 Grad, das war echt anstrengend.“
    Die Monteurin hat Glück. „Da sind Sie ja schon“, sagt Hausmeister Frank Popp. „Ich war hier gerade noch im Vorgarten, aber dann kommen Sie mal mit in den Keller.“ Der Weg nach unten führt Sanders an großen, haarigen Spinnen vorbei. Sie zuckt nicht einmal. „Die Angst vor Viechern muss man sich in dem Job abgewöhnen“, lacht sie, „ich bekomme ständig Besuch von Mäusen, Ratten, Spinnen und Fröschen.“

    Sanders ist gelernte Schornsteinfegermeisterin und erst seit Februar in diesem Job. Ihr Fachwissen aus dem alten Beruf kann sie gut nutzen. Mittlerweile steht sie vor dem Gasherd des Hauses. Auch der muss erfasst werden, damit er nach der Gasumstellung weiterhin rund läuft. „Dieser Gasherd hat ein sehr schönes Flammenbild“, stellt sie fest. „Eine kurze, straffe, blaue Flamme, so ist es perfekt.“ Auch Frank Popp ist zufrieden, die Monteurin hat keine Mängel gefunden.

    Kyra Sanders fotografiert einen Gasherd. Auch Gasherde müssen erfasst werden, damit sie auch nach der Umstellung reibungslos funktionieren. (Bild: David Hecker)

    Einige Häuser folgen. Sanders hinkt mittlerweile etwas hinter ihrem Zeitplan hinterher, weil es Häuser mit mehreren Anlagen gab. Es ist schon 14 Uhr und keine Zeit zum Essen. Eins muss ich noch, sagt sie. Da stürmt ein Mann zu ihrem Auto. „Hallo, Sie waren heute Morgen bei mir, bzw. beim Haus meiner Mutter und ich war nicht da. Können Sie jetzt noch kommen?“ Leider nicht. „Wenn es geht, schiebe ich es am Nachmittag ein“, verspricht sie.

    14.35 Uhr: Endlich Pause. Kyra Sanders hat heute wenig Zeit und kein Brot dabei. Dann muss es halt ein Stück Kuchen tun. „Auch lecker.“

    Um 15.05 Uhr steht sie bei einem älteren Mann mit einer Therme im Wohnzimmer. Auch hier ist alles in Ordnung. „Schwierig wird es, wenn ich eine Gastherme wirklich stilllegen muss“, erklärt Sanders, „aber wenn irgendwo Kohlenmonoxid austritt, kann es richtig gefährlich werden.“

    Im Winter bei Minusgraden ist so eine Stilllegung für alle Beteiligten unschön. Besonders, wenn pflegebedürftige Personen im Haus sind. Zum Glück hat EWE NETZ dafür die Malteser an der Seite. „Ja, das ist super. Die kümmern sich um alles – gegebenenfalls auch um eine Übernachtung.“

    17.00 Uhr: Im Zeitplan ist eine kleine Lücke entstanden, zurück zum Backsteinhaus. Wie versprochen. Dieses Mal öffnet Ingrid Meier. „Würden Sie mir Ihren Ausweis zeigen“, bittet sie. Kyra Sanders hält ihn sowieso in der Hand und dazu die Kundennummer, die auch Frau Meier auf ihrem Brief hat. Meier lächelt: „Nichts gegen Sie, aber ich möchte schon gern wissen, wer in unser Haus kommt.“ Natürlich. Kyra Sanders hat Verständnis. „Wenn wir kommen, haben wir immer Ihre Kundennummer dabei, so können Sie das überprüfen. Und außerdem ist unser Besuch kostenlos, sollte sich jemand als EWE NETZ-Mitarbeiter ausgeben und Geld wollen, ist das ein Betrüger.“

    Kyra Sanders zeigt der Kundin ihren Ausweis. Die Monteure, die für EWE NETZ im Einsatz sind, können sich ausweisen und kennen die Kundennummer. (Bild: David Hecker)

    In Meiers Küche steht die Heizungsanlage. Sanders erläutert die Arbeitsschritte und Ingrid Meier hat eine Frage: „Warum stellen Sie denn überhaupt auf dieses neue Gas um?“ Sanders erklärt, dass die Niederlande als bisheriger Gaslieferant ab 2030 kein Erdgas mehr nach Deutschland liefern können. Die alternativen Gaslieferanten können Deutschland jedoch nur H-Gas liefern. Das habe einen höheren Brennwert und darauf müssten die Geräte eingestellt werden. Ingrid Meier nickt. „Also benötigt man von dem neuen H-Gas weniger und meine Kosten sinken?“

    Sanders vermutet, dass die Kosten eher gleich bleiben, da das H-Gas teurer im Einkauf sei. „Und wenn ich neue Düsen oder sowas brauche, wer bezahlt das?“, fragt Meier. „Das übernehmen wir. Und ob Sie neue Düsen brauchen, schreiben wir Ihnen.“ Die 66-Jährige ist zufrieden. „Danke, dass Sie mir alles so genau erklärt haben.“ Kyra Sanders streicht die langen braunen Haare hinters Ohr. „Gern. Ich selbst hasse nichts mehr, als beim Arzt mit Fremdwörtern bombardiert zu werden und nichts zu verstehen.“

    Sie verabschieden sich herzlich. Ingrid Meier winkt und auch ihr neugieriger Hund guckt noch einmal um die Ecke. Für Kyra Sanders folgen noch zwei Termine. In Bremervörde. 40 Minuten Fahrt. Ein langer Tag, doch das ist sie gewohnt. „Dafür habe ich oft lange Wochenenden, weil wir eine Vier- Tage-Woche haben, und das ist auch toll!“

    Umstellung auf H-Gas

    Bis 2027 soll das komplette Netzgebiet mit H-Gas versorgt werden. Die Umstellung erfolgt schrittweise. Deshalb müssen in jedem Haushalt, in allen Gewerbebetrieben und in der Industrie sämtliche gasverbrauchende Geräte auf höhere Brenntemperaturen angepasst werden. Insgesamt sind rund 600.000 Kunden zwischen Ems, Weser und Elbe davon betroffen. Für Kunden sind sämtliche Arbeiten zunächst kostenlos. Über ihre Gasrechnung bezahlen alle Bundesbürger pro Jahr einige Euro für die notwendige Umstellung.

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