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    Allein unter Frauen Kolumne #8: Casting-Show im Treppenhaus

    Immer schön neugierig bleiben

    „Frag Dich!“ war das Motto der diesjährigen Veranstaltung von „Jugend forscht und Schüler experimentieren“ am 28. Februar in Eberswalde. 80 Teilnehmer aus 16 Schulen haben die Herausforderung angenommen und sich auf diesen einen Tag im Hermann-Scheer-Haus monatelang vorbereitet. Die Beteiligung beim Regionalwettbewerb Brandenburg Ost war mit 56 Projekten noch nie so hoch wie in diesem Jahr. Hallonachbar.de war dabei und gibt einen kleinen Einblick in die Welt der jungen Tüftler.

    Foto: © Gerd Markert
    Dr. Hendrik Stiemer
    Der Koordinator
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    Hendrik Stiemer leitet seit 2017 den Regionalwettbewerb Brandenburg Ost von "Jugend forscht und Schüler experimentieren". Seine Devise: Einfach mitmachen und interessante Fragestellungen weiterverfolgen sind der Anfang aller Neuentwicklungen.

    So ein Gewusel im Zentrum für Erneuerbare Energien „Hermann Scheer“ – zwischen all den aufgeregten Schülern und Jugendlichen: umherirrende ferngesteuerte Modellautos, blubbernde Apparaturen, chemische Experimente, bunt leuchtende Frühblüher, koffeinsüchtige Regenwürmer, essbare Mobilmachknete und hochkomplexe Ableitungen. Das geschäftige Treiben der Jungforscher, ihr professionelles Auftreten und dekorative Stände hinterlassen mächtig Eindruck beim Besucher. 18 der insgesamt 56 Projekte haben es am Ende des Wettbewerbstages geschafft und die „Fahrkarte“ zum Brandenburger Landeswettbewerb am 2. und 3. April in Schwarzheide bekommen.

    Schnappschüsse vom Wettbewerb
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    Auf Kreativität und Lust an selbständiger Arbeit im naturwissenschaftlichen Bereich kommt es an. Oft sind es Themen, die die jungen Leute in ihrer Freizeit entwickelt haben. So lassen sich die zündenden Ideen auch mit Elan und Spaß neben dem Schulstress ausbauen.

    Jonas Gericke

    Jonas Gericke verbrachte freiwillig die ganzen Sommerferien mit dem Erstellen von Algorithmen. Weil er einfach „forschen musste“, saß der 18-jährige Gymnasiast bei schönem Wetter stets mit Laptop unter einem Baum im Garten und entwickelte bis in den Winter hinein Verschlüsselungscodes für Textnachrichten. Heute stellt der Wildauer Gymnasiast sein breites Grinsen und komplizierte Gleichungen zur Schau. Er ist sich ziemlich sicher, Hacker bräuchten jetzt Jahrtausende, um über sein Programm geschützte Passwörter zu entschlüsseln. Auf dem Gebiet der Physik will er sich später mit einem Studium verwirklichen. Seit Einsteins Relativitätstheorie und der Quantenphysik gäbe es nicht Neues, betont der Mathematikbegeisterte. Wie gut, dass Jonas weiter seinem Wissensdrang folgt und sich nach dem Abitur dem Studium der Theoretischen Physik verschreiben möchte.

    Je nach Einsatz und Stärken der Teams springen bunte Plakate, ausgearbeitete Versuchsreihen und Objekte zum Anfassen ins Auge. Von den Beiträgen der Konkurrenz soll sich aber niemand blenden oder gar entmutigen lassen. Tipps und Empfehlungen, ihre Ideen weiter auszubauen, bekommen die jungen Forscher vor Ort von der Jury: den beratenden Wirtschafts- und Wissenschaftsexperten.

    Jungen mit Jugend forscht Projekt

    Von nichts geringerem als dem „Rad der Zukunft“ träumen Hugo Frackowiak, Moritz Vogt und Richard Voß von der Musikbetonten Gesamtschule Zeuthen. Sie präsentieren ihren luftgelagerten Motor allen Interessierten bereits als Modell und liefern den Funktionsnachweis. Die Versuchsanordnung hat sie viel Mühe und Aufwand gekostet. Ihre Erfindung könnte Elektroautos mehr Platz für Batterien verschaffen, sagen sie. Das nächsthöhere Ziel wäre, die Karosserie mittels Magneten in den Autoreifen über der Fahrbahn schweben zu lassen. Laut bisherigen Wissensstands sei dies „eigentlich unmöglich“, resümieren die Jungforscher. „Wir versuchen es trotzdem“, sagen sie. Richtig so, von den Theorien anderer soll man sich bloß nicht ausbremsen lassen!

    Mädchen mit Jugend forscht Projekt

    Größter Ideengeber war schon immer der Zufall: Die Grundschülerinnen Amelie Sophie Ludwig und Pauline Pohland haben eine dämmende Schallschutzmatte für Türen entwickelt – damit die Kitakinder direkt neben ihren Räumlichkeiten im Zentrum für Begabungsförderung EinSteinchen in Ruhe ihren Mittagsschlaf halten können. Dem Lärm der Nachbarn musste irgendwie Einhalt geboten werden. Für kreative neunjährige Kids offenbar nichts leichter als das.

    Gymnasiastin mit Jugend forscht Projekt

    Eines der vielversprechendsten Projekte stammt von Annika Lehmann: Sie beschäftigt sich schon länger mit Nachhaltigkeit. Klimafreundlicher Lebensstil gehe alle etwas an, sagt sie nachdrücklich. Eine von sechs Milchtüten entsorgt der Handel regelmäßig oder sie kommt gar nicht erst in den Verkauf – ein Skandal und pure Verschwendung, findet Annika. Sie ist davon überzeugt, viele Umweltprobleme lassen sich eindämmen. Gesagt, getan: Für „Jugend forscht“ will die Schülerin einer 12. Klasse am Gauß-Gymnasium in Frankfurt (Oder) die Baustoffindustrie revolutionieren und wirbt mit natürlichem Isoliermaterial auf Casein-Basis. Dass ihre selbsthergestellten Milchprotein-Platten als alternative Verwendung gegenüber herkömmlichen Baustoffen wie Styropor taugen, hat sie bewiesen. Für eine Heftgroße Casein-Platte DIN A5 braucht es allerdings zwei Liter haltbare Vollmilch. Nicht auszudenken, ein ganzes Haus damit auszustatten. Doch für echte Umweltforscher kein Thema des Aufwands, sondern eine Frage der angemessenen Weiterentwicklung.

    Einfach mitmachen und interessante Fragestellungen weiterverfolgen, sind der Anfang aller Neuentwicklungen, bekräftigt Koordinator Hendrik Stiemer. Neugierde und Durchhaltevermögen seien da unverzichtbare Eigenschaften. Für den Chemie-Lehrer und Wettbewerbsleiter ist es deshalb eher eine Talent- statt Projektschau: „Ich sehe die Schüler hoch im Kurs stehen“. Bei allen Trends treffen Vielfalt und persönliche Vorträge den Nerv der Juroren. „Was jedes Mal so toll ist, ist die Begeisterung, die uns entgegenschwappt.“

    Wer sich mutig der Fachjury stellt, lernt außerdem viel über sich selbst. Ganz ohne Preis oder Qualifizierung bringt eine Teilnahme gestärkte Persönlichkeiten hervor, die selbstbewusst ihre Ziele verfolgen. Und es gibt die Möglichkeit zum Austausch mit anderen. Die beiden 15-jährigen Besucherinnen Maja und Lucy aus Schönow glauben ganz fest, Anregungen für eigene Seminararbeiten zu finden.

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