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    Garten für alle! Fahrt ins Blaue

    Die Plane fürs Business

    Aus gebrauchten Lkw-Planen fertigt „Freitag“ coole Messenger Bags und vieles mehr. Eine Erfolgsgeschichte.

    Die Taschenpioniere Markus und Daniel Freitag
    Die Taschenpioniere
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    Markus Freitag ist bislang in seinem Leben noch nie Auto gefahren. Er steigt stets aufs Velo. Sein Bruder Daniel, gelernter Grafiker, ist Mitgründer der eigenen Firma und ebenso Fahrrad begeistert. Schon als Kinder sammelten die Familienväter Fahrradschrott, um damit neue Räder zu bauen.

    Was den amerikanischen IT-Pionieren die Garage, war den schweizerischen Freitag-Brüdern 1993 die WG. In einer Wohnung in Zürich nähte sich Markus Freitag den allerersten Prototyp der „Freitag Messenger Bag“ aus einer alten Lkw-Plane. Ursprünglich hatte der Grafikdesigner damit nur seine Zeichnungen und Entwürfe vor Regen schützen wollen. Er war stets mit dem Fahrrad unterwegs und brauchte eine robuste Tasche, die er sich umhängen konnte.

    Reinigung in der WG-Badewanne

    Auf das Material ausgediente Lkw-Plane brachte ihn der Ausblick aus seinem WG-Zimmer: Direkt vor dem Haus verlief der Transitverkehr. Jeden Tag donnerten dort dicke Lkw vorbei. Mit bunten, robusten Planen, die die Fracht vor Wind und Wetter schützen. Also fragte Markus Freitag bei einer Spedition an, ob es ausgediente Planen gebe, die er haben könnte. Zurück in der Wohngemeinschaft machte er sich an die Arbeit. Breitete das stinkende Ungetüm in seinem Zimmer aus, zeichnete Schnittmuster auf, schnitt zurecht und legte die verdreckte Lkw-Plane dann in die WG-Badewanne, um sie von Straßenschmutz und Feinstaub zu reinigen.


    Von der Schweiz in die Welt

    Alte Fahrradschläuche und Autogurte vervollständigten das Design. Krumm und schief war die erste Umhängetasche geworden. Im Freundeskreis war man dennoch begeistert: „Wir wollten nie ein Business machen“, erklärt Markus‘ Bruder Daniel Freitag. Und vielleicht ist das eines der Geheimnisse des Erfolgs der „Freitag Taschen“. Der Upcycling-Taschen aus Lkw-Plane, die es von Zürich bis in die ganze Welt geschafft haben. Inzwischen gibt es „Freitag-Stores“ in Deutschland, Italien und Österreich sowie in Osaka und Tokyo, in Bangkok und Australien. Und überall haben die nachhaltigen Unikate Erfolg. Denn ein Massenprodukt sind sie nicht.
    Taschenpioniere Markus und Daniel Freitag
    Die Brüder Markus und Daniel Freitag lieben es, Lösungen für Probleme zu finden. Fotos: © Freitag PR

    Eine Umhängetasche im Museum

    Fünf Mitarbeiter sind inzwischen für „Freitag“ durchgehend damit beschäftigt, Lkw-Planen zu spotten: An Tank- und Raststätten sprechen sie mit Fahrern und Speditionen, um Planen zu ergattern. 350 Tonnen Lkw-Plane werden so jährlich zu Taschen verarbeitet. Jede ein Unikat. Die Designer prüfen jedes Stück genau und suchen dann die besten Ausschnitte heraus. Dann wird gewaschen, mit Regenwasser und einer geheimen Waschmittelformel. 150 Mitarbeiter beschäftigen die beiden Freitag-Brüder 25 Jahre nach der ersten Idee und dem Prototyp. Das erste Modell, die „F13 Top Cat Messenger Bag“ wird seit 1997 im Museum für Gestaltung Zürich ausgestellt. Seit 2003 steht zudem ein „Freitag-Modell“ im MoMa in New York.

    Upcycling mit Erfolg


    Dem ersten Modell, der „Messenger Bag“, folgten viele weitere. Heute gibt es 80 verschiedene: Smartphon-Hüllen, Taschen fürs Notebook, Geldbörsen, Rücksäcke, Weekender und Reisetaschen. „R.I.P.s“ nennen die Freitag-Brüder ihre Taschen: Rezyklierte individuelle Produkte. „Für mich bedeutet Erfolg sehr viel mehr als nur der Gewinn oder wie viele Taschen wir verkaufen. Es ist die Wirkung, die wir unseren Produkten erzielen“, erklärte Markus kürzlich in einem TV-Interview. Recycelt, robust, wasserdicht und fair hergestellt – die Taschen made in Schweiz begleiten heute nicht mehr nur Fahrradkurieren im Alltag.

    F-abric, die kompostierbare Faser

    Außerdem hat Freitag eine neue Faser entwickelt, fünf Jahre hat die Firma daran gearbeitet. „F-abric“, so deren Name, besteht aus Bastfasern wie Hanf und Leinen, sowie aus Modal. Die Stoffe werden in Europa gefertigt, ebenso die daraus genähten Textilien wie Hosen, Shirts, Kleider. Und das beste: Sie sind zu ist zu 100% kompostierbar, einzig die Knöpfe müssen zuvor abgeschraubt werden. Anlass für die Entwicklung war, mal wieder, ein Problem: Markus und Daniel Freitag suchten nachhaltige und robuste Workwear für ihre Arbeiter. Die Brüder lieben es, Lösungen für Probleme zu finden. Dafür brauchen sie heute keine WG mehr. 

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