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    Elektromobilität: Ab wann fahren alle mit Strom und Wasserstoff?

    Das Auto der Zukunft ist längst in der Gegenwart angekommen. hallo nachbar erklärt, welcher Antrieb sich in welchen Bereichen durchsetzen wird.

    BenneOchs

    Nicht nur Wissenschaftler und Mobilitätsforscher, sondern vermutlich auch viele gewöhnliche Autofahrer haben schon einmal darüber nachgedacht, wie sich die Menschheit wohl in naher Zukunft fortbewegen wird. Per fliegenden Autos wie in „Zurück in die Zukunft“ und „Blade Runner“? Eher unwahrscheinlich. Viel naheliegender ist folgendes Szenario: Autonom fahrende Fahrzeuge gleiten in einem smarten Verkehrssystem über die Straßen und transportieren die Passagiere zum gewünschten Ort. Der Shuttle-Service wird per Smartphone-App gebucht, die vorher auch ermittelt, welche Antriebsform für die ­gewünschte Strecke die effizientere und nachhaltigere ist – Batterie oder Brennstoffzelle? Alle Experten sind sich einig, dass beide Varianten in Zukunft koexistieren werden, genauso wie heutzutage Diesel und Super für Verbrennungsmotoren.

    Zwei Männer, die bereits jetzt die Zukunft in die Gegenwart holen, sind Jonas Kossendey und Paul Schneider. Kossendey arbeitet im Vertrieb bei der EWE-Tochterfirma WAYDO in Oldenburg, die in ganz Deutschland verschiedene Lösungen für Elektromobilität anbietet. „Wir unterstützen Unternehmen bei der Umrüstung ihrer Fuhrparks auf Elektro­mobilität, bieten Konzepte fürs Laden am Arbeitsplatz, unterwegs und zu Hause und beraten Autohäuser zu Elektromobilitätsfragen ihrer Kunden. Vor allem in der Region wird das Interesse an Elektromobilität immer größer: Wir betreiben jetzt bereits 800 Ladepunkte“, sagt Jonas Kossendey.

    Deutsche Autofahrer fahren täglich 40 Kilometer

    Die Vorurteile gegenüber Elektroautos halten sich nach wie vor hartnäckig: zu niedrige Reichweite, eine mangelnde Infrastruktur, zu lange Ladezeiten. Doch der Trend zeigt längst eine andere Richtung auf. Aktuell sind knapp 225.000 Elektro- und Plug-in-Hybridautos auf deutschen Straßen unterwegs, Tendenz stark steigend. Im staatlichen Fördertopf sind seit drei Jahren 1,2 Milliarden Euro hinterlegt, von denen jeder Käufer eines E-Autos immerhin 4.000 Euro bekommt. Die Anzahl der bundesweit öffentlichen Ladepunkte hat sich im vergangenen Jahr sogar verdoppelt (20.650). „Die technische Entwicklung ist enorm. Die Deutschen legen im Schnitt etwa 40 Kilometer pro Tag zurück, was bereits heute jedes Elektrofahrzeug auf dem Markt locker schafft. Trotzdem gibt es noch sehr viel Aufklärungsbedarf. Man könnte den Fahrern etwa verdeutlichen, dass man mit einem Elektroauto keine Tankstelle mehr ansteuern muss, weil die meisten Fahrer ohnehin zu Hause oder bei der Arbeit laden. Auch die Ladezeiten werden sich in naher Zukunft rasant verkürzen“, berichtet Jonas Kossendey.

    Wann fallen die Preise für E-Autos?

    Die Gründe für ein E-Auto im Vergleich zu einem Auto mit Verbrennungsmotor liegen eigentlich auf der Hand: Geringere Wartungs- und Betriebskosten, geräuscharmes Fahren, für zehn Jahre entfällt die Kfz-Steuer. Im Schnitt liegt der Stromverbrauch pro 100 Kilometer bei 15 bis 28 Kilowattstunden, was etwa 4,90 Euro entspricht. Ladekarten lassen sich sogar europaweit nutzen. Insgeheim schielt die gesamte Branche aber gen Norden nach Norwegen, wo Elektroautos boomen: Fast die Hälfte der letztjährigen Neuzulassungen haben E-Antrieb, die staatliche Förderung ist deutlich höher, Kfz- und Abgassteuer entfallen, man kann an vielen kommunalen Parkplätzen sogar gratis aufladen. „Der Knackpunkt für viele ist noch der Preis. Sobald die Autoindustrie den Preis für Elektroautos senkt, wird das Thema hierzulande noch mehr Fahrt aufnehmen“, prophezeit Kossendey.

    Wasserstoffautos: Bereits 76 Tankstellen in Deutschland

    Das Bewusstsein für Wasserstoffautos steckt vergleichsweise noch in den Kinderschuhen. Paul Schneider und seine beiden Teamkollegen Tobias Moldenhauer und Thomas Götze bei EWE nennen sich „Wasserstoff-Botschafter“. Ihr Job besteht zu gleichen Teilen aus ­politischer Arbeit, der Entwicklung von Ingenieurs-Know-how und dem Marketing für Wasserstoff. Um der Technologie zum Durchbruch zu verhelfen, ist insbesondere die Kombination von innerstädtischem Schwerlastverkehr (Müllfahrzeuge, Busse, Lkw, Nutzfahrzeuge) mit öffentlich zugänglichen oder betrieblichen Wasserstofftankstellen in der EWE-Region spannend. Am Stahlwerk in Bremen plant man zudem die Umsetzung für eine emissionsfreie und grüne Wasserstofferzeugung. „Die Infrastruktur ist noch recht überschaubar im Vergleich zu anderen alternativen ­Technologien. Aktuell gibt es in Deutschland 76 Wasserstofftankstellen“, erklärt Paul Schneider. „Das Spannende ist aber: Bei der Diskussion um Wasserstoffautos geht es gar nicht um die Technologie – die ist bereits sehr ausgereift. Es geht primär um das Thema Veränderung. Nur wenn wir bereit sind, uns auf diese sinnvollen Technologien einzulassen, lösen wir das Henne-Ei-Problem zwischen Brennstoffzellenfahrzeugen und den dazugehörigen Wasserstofftankstellen. Gleichzeitig senden wir ein Signal Richtung Hersteller.“

    Ein Wasserstoffauto lädt schneller

    Während bei vielen älteren Elektroautos die mitunter lange Ladedauer aktuell noch bemängelt wird, dauert der Vorgang bei Wasserstoffautos gerade einmal vier Minuten. Eine Tankfüllung kostet 60 Euro, die Reichweiten (bis knapp 666 Kilometer) sind ähnlich. Wasserstoff ist vor allem nachhaltig und im Vergleich zu Benzin weder selbstentzündlich noch brandfördernd, geschweige denn giftig oder krebserzeugend. Ist das Wasserstoffauto nicht dadurch die bessere Alternative zum E-Auto? „Bei kurzen Strecken im Pkw sind Elektroautos immer noch deutlich sinnvoller. Bei längeren Distanzen über 200 Kilometer und vor allem im Schwertransport sind Wasserstofffahrzeuge aber die bessere Lösung, weil Wasserstoff die höchste Energiedichte auf das Gewicht hat und in dem Fall mehr leisten kann als eine Batterie“, sagt Paul Schneider. Vor allem im Schwerlastbereich und in der Schifffahrtsindustrie kommen immer mehr Wasserstoffmodelle zum Einsatz. Bislang bleibt es so, dass sich Wasserstoffautos vor allem für diejenigen lohnen, die mittlere und sehr weite Distanzen mit dem Pkw zurücklegen.

    In knapp 9.000 Kilometern Entfernung von Oldenburg wird im nächsten Jahr das Thema auf ganz großer Bühne praktiziert: Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio werden alle Fahrzeuge im olympischen Dorf und an den Wettkampfstätten mit Wasserstoffantrieb fahren. Die Zukunft ist näher als gedacht – wer braucht da noch fliegende Autos?

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