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    Netz-Experte: "Wir geben den Elektroautos passende Stromnetze"

    Elektromobilität ist stark im Kommen: Peter Helms-Lundborg von EWE NETZ kümmert sich darum, dass das Stromnetz versorgungssicher funktioniert, wenn mancherorts der Bedarf sehr hoch ist. Im Interview erklärt er, wie man Netze intelligent machen kann und warum man seit 2019 eine private Wallbox offiziell melden muss.

    Willing-Holtz
    Peter Helms-Lundborg Der Netz-Experte
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    Peter Helms-Lundborg (46) arbeitet bei EWE NETZ in Oldenburg und kümmert sich um die Infrastruktur von Versorgungsnetzen. Ein Schwerpunkt ist der Bereich "Elektromobilität", in dem er als Projektleiter tätig ist.

    Herr Helms-Lundborg, eine Wallbox ist eine private Ladeeinrichtung für das Elektroauto. Wie funktioniert die genau?

    Je nach Leistungsmöglichkeit und Steckertyps des E-Fahrzeugs sowie des benötigten Zeitbedarfs des Ladens gibt es unterschiedliche Wallbox-Modelle. Die meisten funktionieren mit Wechselstrom (AC), sind wartungsarm, werden an der Wand montiert und besitzen ein Ladekabel. Nach aktuellem Stand ist eine Wallbox mit 11 kW Ladeleistung völlig ausreichend. Eine gewöhnliche Haushaltsteckdose ist für das Aufladen nicht geeignet, weil sie nicht für langes Laden unter hoher Last ausgelegt ist und ein Risiko darstellen kann und im schlimmsten Fall einen Schwelbrand auslösen kann. Eine Wallbox ist hier extra abgesichert und neuere Modell geben sogar den Stromverbrauch an.

    Wo kann man eine Wallbox kaufen? Und lässt die sich selbst anschließen?

    Man kann sie im Einzelhandel, im Internet oder beim spezialisierten Energieversorger bestellen. Wer sich eine Wallbox anschafft, sollte die Montage einem Installateur überlassen, der parallel auch ein Auge auf die komplette Hauselektrik wirft, damit alles im Zusammenspiel funktioniert. Optimale Steuerungsmöglichkeiten für die Ladeenergie bekommt man durch einen separaten Ladestromkreis mit eigenem Zähler. Auch die Verlegung eines Leerrohres kann sinnvoll sein, so dass man für die intelligenten Energiemanagementsysteme der Zukunft gut gerüstet ist. Ein Tipp von mir: Man sollte die Hausinstallation bereits vor dem Autokauf prüfen lassen. Dann kann der Installateur auch schon mal für die Anmeldung der Wallbox beim zuständigen Netzbetreiber vornehmen.

    Seit März 2019 gilt die gesetzliche Anmeldepflicht für Wallbox-Besitzer. Warum eigentlich?

    Die Netzbetreiber benötigen einen Einblick, wo überall Ladeeinrichtungen im Einsatz sind. Dazu zählen Wallboxen und auch das Laden über „mobile Lademöglichkeiten“ wie etwa spezielle Kabel oder CEE-Stecker. Wir müssen wissen, wo der Ladebedarf an einem Ort besonders hoch ist, vor allem wenn etwa in einer Straße viele Menschen gleichzeitig ihr E-Auto laden würden. Im ungünstigsten Fall könnte es zu Schwankungen in der Netzstabilität kommen. Derzeit ist im Verteilnetz kaum Sensorik oder Messtechnik verbaut, woran wir Netzbetreiber jedoch arbeiten, so dass wir theoretisch die potenziell kritischen Stellen kennen und dort bereits vorsorglich Ausbaumaßnahmen ergreifen. Wir benötigen momentan jedoch die praktischen Informationen, wo Ladeeinrichtungen vorherrschen, um gezielt handeln zu können. Daher die Meldepflicht.

    Welche Möglichkeiten haben Sie denn, um das Netz zu stabilisieren, wenn solche Ausnahmesituationen auftreten?

    Es gibt verschiedene Szenarien: Wir können unter der Erde etwa weitere oder „dickere“ Kupferkabel verlegen und leistungsfähigere Trafos verbauen. Das ist allerdings aufwändig und meistens mit hohen Kosten verbunden. Im Zusammenspiel mit der Bunderegierung haben wir das Ziel, die Netze so effizient und kostengünstige wie möglich zu halten, was ja dem Kunden zu Gute kommt. Das heißt, dass wir sie nicht zwangsläufig weiter ausbauen müssen, sondern eher dafür sorgen, die Netzauslastung passend zu prognostizieren, die Planungsgrundsätze anzupassen und das Netz intelligent zu nutzen. Dabei kommen moderne Sensoriken, smarte Trafos und intelligente Steuerungstechnik zum Einsatz.

    Sind denn Netze und Infrastruktur im Winter eigentlich besonders kälteanfällig?

    Für EWE NETZ ist das Klima kaum ein Faktor, denn mittlerweile verlaufen fast alle Leitungen bei uns unterirdisch. Auch Ladesäulen und Wallboxen sind so konzipiert, dass sie wetterunabhängig funktionieren.

    Wallbox-Besitzer sind ja insgeheim Pioniere der Elektromobilität: Nur knapp zwei Prozent der deutschen Autofahrer fahren bislang elektrisch. Wann wird sich das ändern?

    Ich persönlich glaube, spätestens 2030 wird das Thema Mobilität für Elektroautos und Plug-in-Hybride endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein. Pflege- und Stadtdienste, Öffentliche Verkehrsmittel, (Kurzstrecken-) Berufspendler sowie immer mehr Arbeitgeber werden ihre Flotten auf alternative Antriebe umstellen und Lademöglichkeiten zur Verfügung stellen. Angekurbelt wird die Entwicklung durch das Klimapaket seitens der Bundesregierung und dem „Green Deal“ der EU, also finanziellen und steuerlichen Vorteilen. Die deutsche Autoindustrie reagiert und wird neben den asiatischen Autobauern preisgünstigere und leistungsfähigere Modelle auf den Markt bringen. Ergänzend kommt der Elektroantrieb auf Basis von Wasserstoff dazu. In Zukunft sollen sieben bis zehn Millionen Elektro-Pkws auf deutschen Straßen fahren und insgesamt eine Million öffentliche Ladesäulen vorhanden sein. Es ist spannend zu sehen, wohin „die Reise der Mobilität“ geht.

    Im Video: Drei Fragen zur Wallbox

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    Peter Helms-Lundborg erklärt, worauf man bei der Auswahl einer Wallbox achten sollte und warum man immer einen Installateur dazuholen sollte.

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