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    "EWE will bis 2035 klimaneutral sein"

    EWE-Vorstand Stefan Dohler erklärt im Interview mit hallonachbar.de, warum die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Jahr 2021 oberste Priorität haben und gibt Tipps, wie jeder im Alltag dabei mitmachen kann.

    EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler

    „WirHierJetzt 2035“ – was bedeutet der Slogan in Ihren Worten?

    Stefan Dohler: Der Kern ist: EWE will im Jahr 2035 klimaneutral sein. Alle Entscheidungen, die wir heute treffen, wollen wir an diesem Ziel ausrichten. Das heißt auch, dass wir selber vor Ort handeln wollen. Für unsere Infrastruktur ist 2035 gefühlt schon morgen, ein Wimpernschlag. Dafür werden wir hier und jetzt die Weichen stellen.

    Wie kann mich EWE dabei unterstützen, wenn ich meinen CO2-Fußabdruck verkleinern möchte?

    Wir versuchen, unseren Kundinnen und Kunden passende Angebote zu machen. Bei der Stromversorgung wollen wir möglichst viele grüne Produkte anbieten, das gleiche gilt für die Gas- und Wärmeversorgung. In der Mobilität wollen wir grüne Elektromobilität fördern oder Kommunen dabei helfen, noch grüner zu werden. Mit unserer Codyo-App kann man auf dem Smartphone prüfen, wie es um den persönlichen CO2-Fußabdruck bestellt ist. Jeder soll für seine eigenen Klimaschutzaktivitäten eine individuelle Wahlmöglichkeit haben. Die einen wollen eine umfassende Haussanierung mit Wärmepumpe, Photovoltaikanlage und Stromspeicher, die anderen wollen nur grünen Strom. Wir wollen niemanden zwingen, aber jedem eine ökologisch gute und preislich attraktive Alternative bieten.

    Was sagen Sie Menschen, die sich aus Kostengründen kaum an dem Thema Nachhaltigkeit beteiligen können? Stichwort regionale Lebensmittel, Elektromobilität, PV-Anlage.

    Klimaschutz ist nicht nur eine Frage des Portemonnaies, sondern erst einmal eine Grundeinstellung. Jeder kann im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten das Nötige tun. Auch wenn es nur Kleinigkeiten sind, bringen die uns in Summe einen großen Schritt weiter. Als Unternehmen müssen wir größer denken und die Themen Nachhaltigkeit, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit im Blick behalten. Es ist nie so, dass wir uns nur für einen Schwerpunkt entscheiden, sondern wir wollen in allen drei Bereichen besser werden. Wenn wir den Bereich Nachhaltigkeit aber jetzt vernachlässigen, bauen wir eine riesige Hypothek für die nächsten Generationen auf, die diese dann bezahlen müssen. Und dieser Preis wäre richtig hoch. Wir haben jetzt die Verantwortung, dass dies nicht passiert.

    Geraten die aktuellen Klimaziele durch die Coronakrise ins Wanken?

    Ich habe nicht den Eindruck, dass es in der breiten Bevölkerung den Wunsch gibt, das Thema Klimaschutz deswegen zurückzustellen. Im Gegenteil, viele besinnen sich darauf und stellen sich die Frage: Was ist wichtig in meinem Leben? Was zählt für die Zukunft? Junge Menschen nehmen durch die Krise gerade sehr viel in Kauf, weil sie in den eigenen vier Wänden bleiben und somit die ältere Generation vor Ansteckungen schützt. Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass sich ältere Menschen noch mehr für Klimaschutz interessieren. Es entsteht so etwas wie ein Generationenvertrag.

    In unserem letzten Gespräch sagten Sie: „Wir sind in einem Prozess der Veränderung – und den wollen wir so nachhaltig wie möglich gestalten.“ Mit Veränderung tun wir Deutschen uns ja bekanntlich etwas schwer. Was stimmt Sie dennoch positiv?

    Wir haben eine gesellschaftliche Grundstimmung, die sich klar für Klimaneutralität ausspricht. Viele Menschen tun sich aktuell noch schwer, wenn Veränderungen direkt vor ihrer Haustür passieren, etwa wenn in unmittelbarer Nähe ein Windkraftwerk gebaut wird. Das Thema der Akzeptanz und des gemeinsamen Verständnisses ist noch nicht gelöst. Mit der fossil getriebenen Industrialisierung, die im 19. Jahrhundert begann, haben wir längst ein sehr hohes Wohlstandsniveau erreicht. Jetzt kippen wir das gerade um und sagen: Wir gehen unter Beibehaltung einer hochtechnisierten, digitalen Gesellschaft komplett raus aus der fossilen Nutzung und setzen auf erneuerbare Energien. Das ist vom Aufwand und von den Dimensionen mit der damaligen Industrialisierung vergleichbar, muss aber in 30 statt 150 Jahren passieren. Das Verständnis dafür muss uns allen noch klarer werden. Und klar sein muss auch, dass wir für diese Umstellung auch einen Preis zahlen müssen.

    Wie lange wird es dauern, bis Nachhaltigkeit und Klimaschutz fest im Alltag integriert sind? Momentan scheint es so, dass allerorts explizit darauf hingewiesen werden muss, damit es sich in den Köpfen implementiert.

    Nicht mehr lange, denn wir sind auf einem sehr guten Weg. In den vergangenen zehn Jahren hat sich richtig viel getan. In der Unternehmerschaft ist das Thema breit gesetzt. Keiner investiert mehr langfristig in etwas, was nicht irgendwie mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Früher dachten die meisten beim Thema Nachhaltigkeit an Verzicht und verschrumpelte Äpfel. Dieses Stigma gibt es nicht mehr. Es macht Spaß nachhaltig zu arbeiten, es ist gut für die Zukunft und es ist bezahlbar. Die gesamte Wirtschaft hat verstanden, dass dies der einzige Weg ist, um langfristig erfolgreich zu sein.

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