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    So werden Garten und Balkon wirklich „grün“

    Ökologischer Gartenbau schont das Klima, ist gut für Böden und den Erhalt der Artenvielfalt. hallonachbar.de erklärt, was biologisches Gärtnern bedeutet, was man dafür benötigt und was nicht – und wie Garten oder Balkon wirklich „grün“ werden.

    Katja Hildebrandt
    Die Gartenzauberin
    Mehr erfahren
    Katja Hildebrandt gärtnert mit Leidenschaft. Auf Hof Bissenbrook bei Neumünster veranstaltet sie regelmäßig Norddeutschlands größtes Gartenfestival, den „Gartenzauber“.

    Je schöner das Wetter, desto öfter halten wir uns im Freien auf, arbeiten im Garten oder freuen uns über einen Balkon, der uns ein bisschen das Wohnzimmer an die frische Luft verlängert. Für immer mehr Garten- und Balkonnutzer wird es dabei wichtiger, das Grün um sie herum auch „grün“ zu bewirtschaften. „Grün“ im Sinne von biologisch. Sie wünschen sich also einen Garten, in dem keine Monokultur herrscht und keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutz- oder Schädlingsbekämpfungsmittel zum Einsatz kommen.

    Die Kräfte der Natur nutzen: Der Biogarten

    Vater und Sohn im Ökogarten hinter ihrem Haus Ein Garten, in dem sich Nützlinge wohl fühlen und eifrig gegen Schädlinge vorgehen. Wo leichtes Unkraut sprießen darf und sich die unterschiedlichsten Blumen, Nutzpflanzen wie Obst und Gemüse sowie Bienen und Hummeln wohlfühlen. Wo der Rasen nicht mit der Nagelschere millimetergenau geschnitten wird und in der wilden Hecke auch Vögel nisten. Das ist ein Biogarten. (Foto: © GettyImages)

    In unserem Glossar „Biologische Gartenpflege“ erklären wir die wichtigsten Aspekte und geben Tipps rund um die Pflege:

    Boden
    Die Grundvoraussetzung für einen Biogarten ist ein guter Boden. Bevor es also mit dem ökologischen Gartenbau losgeht, ist Bodenkunde angesagt und die Qualität geprüft. Ist der Boden sandig, humusreich oder lehmig? Dabei gilt: Lehmige und sandige Böden sollten mit Humus und Kompost angereichert werden, um dem Boden Nährstoffe zuzuführen. In der Gartenpflege dann sollte man sich mit dem Umgraben der Beete zurückhalten, das zerstört nur den von Mikroorganismen aufgebauten mürben Boden. Der Boden sollte nur schonend gelockert werden, um ihn zu belüften. Weitere Tipps für einen guten Boden lesen Sie unten im Interview.

    Aussaat & Pflanzen
    Wer ökologische Gartenpflege betreiben will, sollte schon bei der Auswahl der Pflanzen darauf achten, was gesät und gepflanzt wird. Im Vordergrund sollten dabei besonders widerstandsfähige Arten stehen, die auf natürliche Weise vermehrt werden können. Wo es geht, sollte zudem Bio-Saatgut zum Einsatz kommen, das nicht gentechnisch verändert ist. Wildpflanzen, sowie alte Obst- und Gemüsesorten gehören ebenfalls dazu. Am besten aber nur heimische Bäume, Blumen, und Hecken. Invasive Arten können sich ansonsten ausbreiten und lokale Arten verdrängen. Ein weiterer Vorteil heimischer, alter und widerstandsfähiger Sorten ist oft auch der Geschmack, der deutlich intensiver ist als bei neuen Züchtungen.

    Schädlingsbekämpfung
    Schädlinge werden im Bio-Garten nicht mit chemisch-synthetischen Mitteln bekämpft. Stattdessen wird ein Umfeld erzeugt, in dem sich sogenannte Nützlinge wohlfühlen. Durch den Anbau heimischer Pflanzen, die eine natürliche Lebensumgebung für Wildbienen, andere Insekten und Tiere bilden, schafft man die Grundlage für eine natürliche Schädlingsbekämpfung. Zudem sollten Hecken, Blumenwiesen, Trockenmauern und Nisthilfen (z. B. für Vögel) bereitstehen. Wer einen Igel im Garten hat, kann sich freuen: Er frisst täglich viele Schnecken, Raupen und Larven und hält so ebenfalls natürliche Feinde fern. Um Igel, Spitzmaus und Vögel im Garten zu halten, sollte der Heckenschnitt nur vorsichtig vorgenommen werden. So schafft man auch für den Winter einen Zufluchtsort für die Tiere.

    Mischkultur
    Spaziert man durch die Natur, an wilden Wiesen und Feldern vorbei und durch einen Wald, entdeckt man meist eine Vielzahl unterschiedlicher Pflanzen, Bäume und Kräuter. Verschiedenste Sorten, die einander guttun, wachsen oft beieinander. Die Natur kennt keine Monokultur. Dieses Prinzip der Mischkultur kann man auch leicht zuhause umsetzen. Statt Jahr für Jahr die gleiche Gemüsesorte im Beet anzupflanzen, sollte man lieber wechseln und verschiedene Arten in Nachbarschaft zueinander säen. Pflanzen mit langen Wurzeln etwa wachsen gut neben Flachwurzlern, so kommen sich die Pflanzen bei der Nährstoffentnahme nicht in die Quere. Schnell wachsendes Gemüse wie etwa Radieschen oder Salat fühlen sich neben langsam wachsenden Sorten wie Tomaten oder Gurken wohl.

    Düngen
    Wer einen naturnahen Garten betreibt, sollte auf chemische Mittel sowie Torf zur Düngung verzichten. Stattdessen wird mit Kompost, hergestellt aus Garten- und Küchenabfällen, gedüngt. Dieser Bio-Dünger ist enthält wichtige Pflanzennährstoffe und belebt den Boden. Darüber hinaus kann auch mit Mist oder Hornmehl gedüngt werden. Auch das Mulchen, also das Abdecken des Bodens mit Stroh, Grasschnitt und Laub, führt dem Boden wieder Nährstoffe zu und gibt „Unkraut“ keine Chance.

    Katja Hildebrandt betreibt das Online-Magazin Gartenzauber. Auf hallonachbar.de erklärt sie das Wichtigste in Sachen Ökologischer Gartenbau für den eigenen Garten

    Gartenpflege, aber bio – was genau heißt das eigentlich und wo liegt der Unterschied zum konventionell bewirtschafteten Garten?
    Ökologische Gärten sind vielfältiger und werden nicht so sehr „kontrolliert“ wie ein konventioneller Garten. Es wird auf chemische Pflanzenschutzmittel, mineralische Dünger und natürlich auch Gentechnik verzichtet. Im Biogarten wird außerdem darauf geachtet, dass die Natur und ihre biochemischen Prozesse gefördert werden.
    Wer naturnah gärtnern möchte, muss seinen Garten als Ökosystem betrachten, also einen Lebensraum, in dem sich die Tier- und Pflanzenwelt selber reguliert. Man sollte den Garten wenigstens ein bisschen sich selbst überlassen und auch nichts dagegen haben, wenn sich Neuankömmlinge etablieren. Dabei sollte die Bodenpflege mit Beachtung der Fruchtfolge und Pflanzgemeinschaften beachtet werden. Ganz wichtig: Es wird mit der Natur gearbeitet, nicht gegen sie und natürlich umweltverträglich! Ein Biogärtner gestaltet seine Eingriffe in das natürliche Gefüge so, dass dort keine Störungen entstehen und – in Übereinstimmung mit der Natur – ein Gleichgewicht im Garten geschaffen wird. Es gibt kein Eingreifen ohne zu überlegen.

    Wie lauten die Grundsätze bei der ökologischen Gartenpflege?
    So wenig wie möglich in die Natur eingreifen! Das heißt, dass man also auch mal Unkräuter stehen und abgestorbenes Material liegen lassen sollte. Am besten überlässt man einige Winkel des Gartens ganz sich selber. Pestizide, auch biologische und synthetische Dünger, nur so wenig wie möglich, am besten aber gar nicht einsetzten. Facettenreiche, einheimische Arten im Garten locken viele Kleintiere an, was erwünscht ist. Empfindliche Gewächse sollte man nicht anpflanzen, stattdessen lieber zu alten Sorten greifen, so vermeidet man viele Probleme von vornherein. Wasser kann man sparen, indem man in Regentonnen Wasser sammelt und damit gießt oder auch Gewächse wählt, die kein Wasser benötigen, sondern sich alles selber aus der Erde ziehen.

    Vom „normalen“ Garten zum naturnahen Garten und zur Mischkultur – was ist wichtig für die Planung und was für Geräte brauche ich?
    Zunächst sollte man seinen eigenen Gartenboden kennen. Man kann ihn „erfühlen“: dazu etwas Erde in die Hand nehmen und zwischen den Fingern zerreiben. Während Sandboden sehr leicht ist und einfach durch die Finger rieselt, kann man aus Lehmböden knetartige kleine Klumpen formen. Humusreicher Boden enthält besonders viele Nährstoffe und ist krümelig-locker in der Konsistenz. Für das biologische Gartenprojekt eignet sich humusreicher Boden besonders gut. Um bessere Ergebnisse zu erzielen und Mängel des Bodens auszugleichen, sollten lehmige und sandige Böden also mit Humus und Kompost angereichert werden. Eine Schicht Mulch bildet zudem eine schützende Decke für den Boden. Der Boden im Biogarten wird nur schonend gelockert um ihn zu belüften und die natürliche Bodenschichtung nicht zu beschädigen. Ideale Gartengeräte dafür sind der Sauzahn und die Grabegabel. Ansonsten greift der Biogärtner natürlich auch zu den klassischen Gartengeräten, die auch ein konventioneller Gärtner nutzt.

    Blattläuse & Co: Was brauche ich für die Bekämpfung von Schädlingen im Bio-Garten?
    Im Biogarten gilt: erst beobachten, dann handeln. Außerdem dürfen keine Insektizide eingesetzt werden, die z. B. Bienen gefährden. Vorbeugen ist ein guter Schutz: Es sollten nur gesunde Pflanzen gekauft werden. Dazu sind natürlich der richtige Standort und Mischkulturen hilfreich gegen Schädlingsbefall. Gemüsefliegen und Kohlweißlinge können mit engmaschigen Netzen und Vlies abgehalten werden. Zur Schädlingsbekämpfung können Insekten eingesetzt werden, die von Biogärtnern gezielt gefördert und angesiedelt werden können: Marienkäfer und Florfliegen dezimieren z. B. Blattläuse. Daher lohnt es sich die Nützlinge mit Tagetes-Pflanzen in den eigenen Garten zu locken. Eine Brühe aus Brennnesseln oder Schachtelhalm hat sich ebenfalls bewährt. Auch Igel und Spitzmäuse sind gern gesehene Gäste im Biogarten: Sie vertilgen täglich so viele Schnecken, Larven, Insekten und Raupen wie sie selber wiegen. Schnecken werden am besten bei abendlichen Spaziergängen abgesammelt.

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