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    Microadventure: Das kleine Abenteuer vor der Haustür

    Der Engländer Alastair Humphreys ist Abenteurer. Es muss aber nicht immer gleich eine Bergbesteigung sein. Im Interview verrät er, wie jeder ein kleines Abenteuer erleben kann. Ganz in der Nähe.

    Foto: Alastair Humphreys
    Portrait von einem Mann mit dem Namen Alastair Humphreys
    Der Mikro-Abenteurer
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    Alastair Humphreys längste Reise dauerte vier Jahre. Mit dem Fahrrad ist er vier Jahre um die Welt gefahren. Manchmal reicht es ihm aber auch, einfach eine Nacht unter freiem Himmel zu schlafen. Er hat zahlreiche Bücher geschrieben und ist regelmäßig in Deutschland als Motivation-Speaker zu Gast.

    Manchmal sehnen wir uns nach etwas Aufregendem, wollen mutig sein, den Blick auf etwas Neues richten und müssen raus aus dem Alltag und der Routine. Aber hat man Zeit und Geld für eine Rundreise durch Patagonien? Die große Bergbesteigung? Oder eine Safari, wo man wilde Tiere hautnah erleben kann? Leider nicht. Oder viel zu selten. Das muss auch gar nicht sein, sagt Alastair Humphreys. Er hat den Begriff „Microadventures“ geprägt. Selbst ausgezeichnet als Abenteurer des Jahres 2012, ist Humphreys fest davon überzeugt, dass es auch ausreicht, die eigene Umgebung zu erkunden und mal eine Nacht unter freiem Himmel zu schlafen.

    Herr Humphreys, was genau ist ein „Mikro-Abenteuer“?

    Den Begriff habe ich erfunden, weil ich finde, dass auch kleine und kurze Abenteuer ihre Berechtigung haben. Es muss nicht die Mount-Everest-Besteigung sein. Ein Mikro-Abenteuer ist etwa eine Übernachtung unter freiem Himmel, draußen, nahe Zuhause, die wirklich jeder umsetzen kann. Auch der eigene Garten, sofern vorhanden, bietet sich dafür an.

     

    Urbaner Lebensstil, Arbeit am Computer – was können Mikro-Abenteuer uns da bringen?

    Viele von uns träumen von einem Abenteuer. Wir verstehen die Vorteile, die uns die Wildnis, Natur, Sport und auch Einfachheit geben. Aber viele von uns sind einfach wahnsinnig beschäftigt. Oder zu bequem. Viele von uns leben in Städten und haben vielleicht nicht das Geld oder die Erfahrung, um gleich ein ganz großes Abenteuer zu starten. Also haben wir die Wahl: gar nichts unternehmen oder machen, was wir können. Ich glaube fest daran, dass zumindest ein kleines Abenteuer besser ist, als gar kein Abenteuer. Dass die Wildnis näher ist, als wir glauben, und dass abenteuerlich leben vielmehr eine Haltung ist. Und ich glaube auch, dass sich jeder die Zeit für fünf bis neun kleine Abenteuer im Jahr nehmen sollte. Und wenn man wirklich glaubt, dass man keine Zeit für eine Nacht unter den Sternen hat, dann schlage ich höflichst vor, dass man diese Pause sehr dringend benötigt! Vielleicht noch mehr als andere.

     

    Wie finde ich denn einen guten Ort für ein Mikro-Abenteuer?

    Alles, was man dafür benötigt, ist eine Karte, ein Fahrrad oder den Zugfahrplan und eine offene Herangehensweise. Ich habe einige schöne Spots durch Zufall entdeckt. Einfach, in dem ich mit offenen Augen eine Straße entlanggefahren bin. Man kann sich zum Beispiel eine bestimmte Zugstrecke raussuchen und die Haltestelle anvisieren, die besonders abgelegen und ländlich liegt. Nun muss man nur noch entscheiden, wie weit man von da an noch laufen oder mit dem Rad fahren will. Auf einer Landkarte sollte man nach Stellen mit Höhenunterschieden Ausschau halten. Und: Die Dunkelheit ist der Freund des Mikro-Abenteurers! Ein einfacher Waldspaziergang bei Vollmond ist auch schon ein Mikro-Abenteuer. 

     

    Zwei Menschen liegen im Gras in Schlafsächen mit Blick auf die Lichter einer Stadt
    Foto: Alastair Humphreys
    Gilt bereits als Mikro-Abenteuer: Eine Übernachtung unter freiem Himmel, einfach mal so.

    Welche Ausrüstung brauche ich?

    Isomatte, guter Schlafsack und einen wasserdichten Bivvy-Bag. Ein Zelt muss gar nicht unbedingt sein. Auch im Sommer empfiehlt sich nachts eine Wollmütze. Außerdem: Schichten zum Schlafen im Freien. Erst hautenge Klamotten, dann noch eine Jogginghose drüber und weite, warme Socken. Zahnbürste, mit Zahnpasta drauf, und Essen und Trinken. Die Empfehlung gilt übrigens nicht nur für die Sommermonate – auch im Winter kann und sollte man in der freien Natur schlafen. Im Fachhandel gibt es spezielle Schlafsäcke, die bis zu minus 10 Grad schön warmhalten. Glauben Sie mir, man friert tatsächlich nicht. Auch Zelten bei Schnee ist kein Problem.

     

    Ok, und wie fange ich jetzt an?

    Tragen Sie den Termin in den Kalender ein, rekrutieren Sie einen guten Freund und einigen Sie sich darauf, anzufangen. Das ist der schwierigste Teil – es wirklich werden lassen. Jeder ist viel beschäftigt und das wird in absehbarer Zeit auch nicht besser werden. Also: Fangt an! Ich empfehle, für den Start etwas nicht zu Ambitioniertes zu machen, damit die Wahrscheinlichkeit, dass man es auch in die Tat umsetzt, größer ist und ein Erfolg werden kann. Nach dem Abenteuer erfährt man zwei wesentliche Dinge, auch für das alltägliche Leben: Antrieb und Zufriedenheit. Der zweite Trip wird dann schon viel einfacher!

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