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    Drei Dimensionen für alle

    3D-Druck revolutioniert die gesamte Wertschöpfungskette – von der Produktion bis zur Logistik. Aber wie ausgereift ist die Technik? Und was davon können Verbraucher heute schon sinnvoll nutzen? Eine kleine Einführung in eine Welt voller großer Möglichkeiten.

    3D Pionier Tobias Redlin
    Der 3D-Pionier
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    Als Bankkaufmann hatte Tobias Redlin keinen speziellen Technikbezug. Trotzdem gründete er 2013 parallel zu seinem BWL-Studium das Unternehmen „iGo3D“, mit dem er erfolgreich 3D-Drucker und Zubehör vertreibt. Allein 2017 machte seine Firma 16 Millionen Euro Umsatz.

    Mal eben ein Ersatzteil fürs Auto drucken? Oder spontan ein fehlendes Werkzeug fertigen lassen? Was klingt wie aus einem Science-Fiction-Roman, ist für manche bereits Realität. 3D-Drucker machen es möglich, funktionale Objekte jenseits des zweidimensionalen DIN-A4-Blattes zu Hause herzustellen. Neben dem speziellen Drucker braucht es dafür in der Regel einen oder mehrere Werkstoffe, typischerweise Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle, sowie eine Datei, in der ein virtuelles 3D-Modell hinterlegt ist. Das gibt die Maße und Formen für das Werkstück vor, funktioniert also als eine Art 3D-Schablone. Und das Verfahren an sich? „Kann man gut mit einer Heißklebepistole vergleichen. Da wird etwas geschmolzen, das in anderer Form wieder rauskommt. So ist es auch bei einem 3D-Drucker – nur dass der Schmelzprozess präzise geführt wird“, weiß Tobias Redlin und erklärt weiter: „Beim 3D-Druck legt sich eine Schicht nach der anderen aufeinander. Am Ende hat man sozusagen eine Skulptur aus vielen einzelnen, feinen Schichten.“ 

    Ein Experte fürs Dreidimensionale

    Redlin ist Experte fürs Dreidimensionale. Mit seinem 2013 gegründeten Unternehmen „iGo3D“ vertreibt er seit 2013 online und offline 3D-Drucker samt Zubehör. Gleichzeitig bietet er Beratung für all jene, die mehr drucken wollen als Texte und Bilder auf Papier. Das Geschäftsmodell ist erfolgreich: 37 Angestellte haben Redlin und sein Geschäftspartner Michael Sorkin am Standort Hannover, daneben gibt es acht weitere Mitarbeiter in Moskau. 2017 lag der Umsatz ihres Unternehmens laut eigener Aussage bei 16 Millionen Euro, für 2018 rechnen sie mit einem 25%-igen Wachstum. Zahlen, die erahnen lassen, wie sehr 3D-Druck boomt. Anfangs schlug den beiden Pionieren allerdings viel Skepsis entgegen – mit gutem Grund: „Als wir mit unserem Unternehmen starteten, waren die 3D-Drucker noch nicht so weit wie heute“, erzählt Redlin. Vor allem bei der Zuverlässigkeit hakte es. „Von fünf Drucken gelangen vielleicht zwei. Das Prinzip brauchte damals noch sehr viel Geduld.“ Inzwischen sind die 3D-Drucker besser geworden – für alle geeignet sind sie trotzdem nicht. „Um zum Beispiel ein seltenes Ersatzteil mit einem 3D-Drucker produzieren zu können, müsste man es erst mal mit einem 3D-Scanner einscannen – oder es am Computer selbst modellieren. Das dafür nötige Equipment beziehungsweise das Können haben im Privatbereich die wenigsten“, erklärt Redlin. Wer etwas Zeit mitbringt, kann sich seiner Einschätzung nach jedoch einarbeiten – und dann kleine Erfolgsgeschichten schreiben. Davon kennt Tobias Redlin mehr als eine. „Wir hatten beispielsweise mal einen Mitarbeiter, dem der Klickmechanismus an der Waschmaschine kaputtgegangen ist – sie schloss nicht mehr“, erzählt er. Bei dem Teil, das er ersetzen wollte, handelte es sich um ein kleines Plastikstück, nicht größer als eine 1-Euro-Münze. „Innerhalb von 20 Minuten hatte er es am Computer modelliert, in weiteren 20-30 Minuten gedruckt – und musste am Ende keine neue Maschine kaufen oder sie teuer reparieren lassen. Wenn man ein paar solcher Fälle hat, bekommt man einen 3D-Drucker recht schnell wieder reinerwirtschaftet.“

    Frau an 3D Drucker "Ich druck' mir die Welt, wie sie mir gefällt ..." (Foto: © Stocksy)

    Das Beispiel zeigt, wie 3D-Druck die Wertschöpfungskette von hinten aufrollt. Dank der Technologie kann theoretisch jede Einzelperson zum Produzenten werden. Revolutionär ist außerdem das Fertigungsverfahren, das nach einem additiven Prinzip funktioniert. Der große Vorteil: „Beim 3D-Druck wird wirklich nur Material für das entstehende Produkt verbraucht. Es bleibt kein Rest, der – wie zum Beispiel beim Fräsen – der oft nur noch Abfallprodukt ist“, so Redlin. Auch die Logistik werde revolutioniert: „Unternehmen können ihre Prototypen mit einem 3D-Drucker direkt vor Ort drucken und müssen sie nicht mehr um die Welt schicken.“ Seiner Einschätzung nach sei 3D-Druck abseits der Firmen, die visuelle oder funktionelle Prototypen herstellen wollen, vor allem in der Medizin, speziell dem Dentalbereich interessant, in der Raumfahrt, für Modellbauer, Bastler und Handwerker. „Und definitiv für Dronenpiloten. Da kann schnell etwas kaputtgehen, dass sich mit einem 3D-Drucker günstig und schnell nachproduzieren lässt.“ Doch auch für Privatpersonen, da ist sich Tobias Redlin sicher, wird das Potenzial der Drucker zukünftig steigen – allein dadurch, dass künftige Generationen immer mehr mit 3D-Druckern aufwachsen werden. „Sie lernen das Modellieren am Computer in Fächern wie Informatik oder Technik. Dadurch wird es einfacher, einen 3D-Drucker für sich zu nutzen“, meint er. Gleichzeitig hätten die Maschinen in den vergangenen Jahren einen Riesensprung gemacht, was ihre Bedienbarkeit angeht. Manche wären bereits mit einem integrierten 3D-Scanner ausgestattet. „In fünf bis zehn Jahren ist es vielleicht möglich, dass man ein kaputtes Teil in den Drucker stellt, er den Mangel selbst heraus rechnet und ein neues, intaktes Teil wieder ausspuckt.“ Frei nach Pippi Langstrumpf hieße es dann: „Ich druck' mir die Welt, wie sie mir gefällt …“

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