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    Zuversichtlich in die Zukunft Fußballprofi hautnah

    Warum schlank alleine nicht gesund ist

    Viele Menschen stressen sich mit dem Wunsch, schlank zu werden. Dabei ist den meisten nicht bewusst, dass schlank nicht automatisch gesund bedeutet.

    Becker Joest Volkk
    Dr. Anne Fleck
    Die Ernährungsexpertin
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    Dr. Anne Fleck wurde in Saarlouis geboren. Seit Jahren ist die Internistin eine international anerkannte Expertin für innovative Präventiv- und Ernährungsmedizin. Als "Gesundheitsscout", wie sie sich selbst sieht, betreut und berät sie Menschen und Unternehmen aus dem In- und Ausland. Vor allem die Themen Krankheitsprävention, ganzheitliche Heilung und dauerhafte Gewichtsreduktion liegen ihr am Herzen. Einem breiten Publikum bekannt ist sie unter anderem aus dem Fernsehen (NDR:  "Die Ernährungsdocs", ARD, arte) und als auf der deutschen Buchmesse mit der Goldmedaille im Segment Gesundheit ausgezeichnete Bestseller-Autorin.

    Mit ihrem Vortrag - unter anderem in den EWE ServicePunkten - und ihrem neuesten Buch „Schlank und gesund“ möchte Dr. Anne Fleck Menschen dazu ermutigen, ihre Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen und Wissen zum aktuellen Stand der Forschung und Vorsorge vermitteln. Viele Menschen sind verunsichert - jeden Tag gibt es neue Schlagzeilen zum Thema Ernährung. Dr. Anne Fleck geht es um einfache und ganzheitliche Lösungsansätze, die jeder umsetzen kann. Dabei spielt nicht nur das sogenannte clevere Essen eine entscheidende Rolle, sondern auch das Verhalten und das Sich-Befreien aus schädlichen Denkmustern. Ihr ist wichtig: Nicht schlank allein ist das Ziel, sondern gesund!

     

    Frau Dr. Fleck, in Ihrer Vortragsreihe geht es um das Thema, warum schlank alleine nicht gesund ist. Es gibt also auch schlank und krank?

    Ja. Ca. 40 Prozent der äußerlich Schlanken, die von vielen um die schmale Linie beneidet werden, sind sogenannte TOFIS. Das kommt aus dem Englischen und bedeutet: „Thin outside, fat inside“, ich nenne sie "dünne Dicke". Diese haben, genauso wie die klassischen Übergewichtigen, durch das bei ihnen in der Bauchhöhle verborgene „viszerale“ Bauchfett, und die davon ausgehenden Entzündungen, ein erhöhtes Risiko für Arterienverkalkung, Herzinfarkt, Schlaganfall, Insulinresistenz, Diabetes, Demenz und Unfruchtbarkeit oder Krebs. Diese TOFIs fliegen bisher unter dem Radar des Gesundheitssystems.

    Heißt das im Umkehrschluss, ein paar Kilo zu viel sind in Ordnung?

    Problematisch bei den Kilos ist vor allem das versteckte viszerale Bauchfett. Dort sammeln sich kleine Fabriken der Entzündung. Diese sind Dünger für chronische Krankheiten. Diese immense Gefahr gilt es zu erkennen und zu bannen. Ein Übergewichtiger, der sich bewegt, kann sogar gesünder sein, als ein TOFI, der wenig Muskulatur hat, aber viel verstecktes Bauchfett mit gesundheitlichem Risiko. Denn aktive Muskulatur bildet sogenannte Myokine (hormonähnliche Botenstoffe), die uns vor niedriggradigen Entzündungen als Krankmacher schützen. In Kombination mit einer modernen Ernährung, die dem neuesten Stand der Forschung entspricht, die Entzündungen hemmt und eine gesunde Darmflora aufbaut, gelingt ein gutes Stück Gesundheit. Und der Genuss darf selbstverständlich nie zu kurz kommen. Genuss und besser essen schließen sich nicht aus.

    Was muss man denn alles anstellen, um sich gesund zu ernähren?

    "Muss" ist der falsche Begriff. Es geht mir um das Ablegen der Denkweisen in "Richtig-oder-Falsch“ und das ständige Bewerten der Dinge. Und um eine liebevolle, achtsame Änderung der Lebensgewohnheiten: Ernährung, Bewegung und Schlaf. Dabei sollten Freude und Genuss nicht zu kurz kommen. Gesundheit muss, in diesem Fall nehme ich das Wort gerne in den Mund, meiner Meinung nach ganzheitlich betrachtet werden. Dazu gehört nicht nur Ernährung, sondern auch das Aufspüren von oft versteckten Gefühlen, die etwa durch Stress-Essen kompensiert werden, wie Leere, Langeweile, Ärger, Frust. Gesundheit beginnt für mich im Kopf, im Herzen und im Kochtopf. Das sind die besten Zutaten für ein gesundes SCHLANK – Ziel.

    Viele Menschen haben ja gerade am Anfang des Jahres gute Vorsätze. Sie wollen abnehmen und sich gesünder ernähren. Warum scheitern so viele?

    Es ist genau dieses "Alles-oder-Nichts" Denkmuster, das zum Scheitern verleitet. Das Feststecken in Gedankenkreisen und in Heißhungerfallen. Wir nehmen uns oft zu große und unrealistische Dinge vor, scheitern am versteckten Perfektionismus. Bereits ein winziger Schritt ist wertvoll. Ich rate meinen Patienten in der Praxis, die Veränderung leicht und unverkrampft zu beginnen, langfristig zu denken. Dazu gebe ich den Menschen einfache Hilfen für den Alltag. Beispielsweise alltägliche Gewohnheiten mit neuen Ritualen zu verbinden: "Wenn das Telefon klingelt, trinke ich etwas Wasser." Oder: "Wenn der Aufzug nicht da ist, nehme ich ab jetzt die Treppe". Diese wirkungsvollen, fast schon unmerklichen positiven Veränderungen unterschätzt man leicht. Auch Heißhungerattacken können gute Vorsätze zunichte machen. Dafür gibt es einfache wertvolle und wirkungsvolle Tricks, mit denen man diese Krisen leicht überwinden kann.

    Womit könnte man anfangen, wenn man seine Ernährung umstellen möchte? Hätten Sie ein paar Tipps?

    In meiner Praxis erkläre ich den Patienten das Thema mit den drei „W-Fragen“. WAS esse ich? WIE esse ich? Und WANN esse ich? Wir verzetteln uns so sehr im WAS wir essen, dass wir das WIE wir essen stark verkümmern lassen. Gutes Kauen, bis im Mund ein Brei entsteht, achtsameres Essen, ist bereits ein Meilenstein zu besserer Gesundheit. Auch WANN wir essen, spielt eine Rolle: längere Pausen zwischen den Mahlzeiten und eine mindestens 12 Stunden lange Pause zwischen Abendessen und Frühstück stärkt das Immunsystem Darm, genauso wie der Verzicht auf Rohkost aus Salat und Obst am Abend. Denn unser Darm will nachts keine Hochleistungen vollbringen. Oft provoziert der Berg Salat am Abend Einschlafstörungen. So kann man bereits mit sehr wenig Aufwand vieles erreichen.

    Und was ist mit Schokolade und Kaffee? Alles verboten?

    Nein! Eben nicht – bitte keine rigiden Verbote! Sklavisches, dogmatisches Verhalten bringt niemanden weiter, macht niemanden gesund. Und für Kaffee und Schokolade gibt es sogar erfreuliche Fakten: Kaffee schwarz getrunken, ohne Kuhmilch oder stattdessen mit Milcherersatz wie Hafer,- Mandelmilch hat einen gesunden Effekt auf die schlankmachende Darmflora dank wertvoller Ballaststoffe. Es gilt jedoch, nicht mehr als drei normal stark gebrühte Tassen pro Tag zu trinken, sonst fördert Kaffee eine Insulinresistenz. Dunkle Schokolade mit über 70% Kakaoanteil liefert wertvolles Magnesium für eine bessere Stresstoleranz und außerdem Antioxidantien, die niedrig-gradige Entzündungen im Körper hemmen. Ein fingergroßes Stück nach der Hauptmahlzeit ist somit ausgesprochen gesund.

    Über Ernährung gibt es ständig neue Theorien. Superfoods, Clean Eating, Vegan. Woher weiß ich denn, wonach ich mich richten kann?

    Viele Menschen sind total überfordert. Zu Recht. Damit will ich mit meinem Vortrag und mit dem Buch „SCHLANK!“, das den neuesten Stand der Forschung wiedergibt, aufräumen. Die mediterrane Ernährung hat sich nach Studien als hervorragend im wahrsten Sinne des Wortes qualifiziert. Die Grundregel für gesunde Ernährung lautet: saisonale ausgewogene Kost mit reichlich ballaststoffreichem Gemüse, gesunden Fetten und abwechslungsreichen Eiweißquellen aus Nüssen, Mandeln, Pilzen, Eiern, fettem Fisch und etwas Fleisch und Geflügel aus nachhaltigen Quellen. Ich empfehle ausdrücklich einfache, unverfälschte Lebensmittel ohne Zusätze und viel Abwechslung auf dem Teller. Superfoods sind gerade im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Dabei muss man nicht in die Ferne schweifen und teure Exoten wählen. Zum Beispiel hat Rotkohl sogar mehr Vitamin C als die Acai-Beere. Kohl im Allgemeinen, Zwiebeln, Knoblauch, grünes Blattgemüse, Äpfel, Haselnüsse und Walnüsse sind kostengünstige, heimische Helden, die den Begriff Superfood absolut verdienen.

    Wenn man mit Kollegen in die Kantine oder ins Restaurant geht, was könnte man für sich auswählen?

    Meine Methode bietet genau dort Hilfe, im Alltag, auf der täglichen „Jagd“ auf Lebensmittel. Das Prinzip des gesunden, SCHLANK! Tellers hilft jedem nach persönlichen Vorlieben und Verträglichkeiten in Kantine, Restaurant oder unterwegs, besser zu essen. Mein Tipp: folgen Sie nicht der Herde in der Kantine, sondern wählen Sie sich Ihren persönlichen Teller aus einer großen Portion sättigendem „Grünzeug“, Gemüse, mittags gerne Salat, einer handtellergroßen Portion Eiweiß aus Fisch, Fleisch, Eiern oder Pilzen et cetera. Lassen Sie Saucen eher weg, salzen Sie weniger, setzen Sie auf geschmackvolles Olivenöl als Topping für das Gemüse und seien Sie achtsam im Umgang mit Beilagen. So einfach ist es!

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