hallo nachbar Navigation
Suche

    Teilen

    

    Rufus Beck liest bei KIBUM Oldenburg aus Harry Potter

    Vorhang auf für große Geschichten: Vom 9.-19. November 2019 findet die Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse KIBUM statt. Mit dabei ist auch Schauspieler Rufus Beck, einer der berühmtesten Hörbuchsprecher Deutschlands. Am 10. November liest er aus „Harry Potter und der Feuerkelch“. hallo nachbar hat ihn vorab zum Interview getroffen.

    Wie sind Sie mit Harry Potter in Berührung gekommen?

    Ich wurde 1999 vom Hörbuch-Verlag aus München angesprochen, ob ich nicht „Harry Potter und der Stein der Weisen“ sprechen möchte. Zu dem Zeitpunkt war die Figur hierzulande noch ziemlich unbekannt. Ich arbeitete damals am Bayerischen Staatsschauspiel in München und hatte viele Rundfunk-Produktionen gemacht, unter anderem auch für den Kinderfunk. Als Vater von drei Kindern fand ich es toll, die Freiheit zu genießen, auch mal für ein junges Publikum zu sprechen. Und dann hat Joanne K. Rowling fast jedes Jahr einen neuen Harry-Potter-Band veröffentlicht – und als der letzte Band erschien, hatte mich Harry Potter etwa zehn Jahre lang beruflich begleitet.

    Haben Sie gespürt, was für ein Potenzial in dem Buch schlummerte?

    Außergewöhnlich war, dass die Hörbücher parallel zum ersten Buch erscheinen sollten, was bis dahin nicht üblich war. Auch der erste Film war noch in weiter Ferne, und ich hatte alle Freiheiten, die Charaktere so anzulegen, wie sie in meiner Fantasie lebten. Ich wusste nicht, dass noch sechs weitere Bände folgen sollten, damals war davon noch nicht die Rede. Schon den ersten Band „Harry Potter und der Stein des Weisen“ fand ich auf Anhieb außergewöhnlich, denn Joanne K. Rowling schuf zwei parallele Welten, die der Muggel und die der Zauberer. Der Hype an Harry Potter und insbesondere dem Hörbuch ist mir erst viele Jahre später bewusst geworden, nachdem längst der letzte Teil erschienen war: Auf einmal kamen 30-Jährige auf mich zu und sagten: „Mit ihrem Hörbuch bin ich groß geworden“. Erst da wurde mir klar, was für einen Einfluss diese Produktion sogar auf mehrere Generationen hatte.

    Sie sind damals mit einer Harry-Potter-Show durch Deutschland getourt…

    … was mir großen Spaß gemacht hat. Leider gingen dann die Rechte an Warner Brothers und ich durfte mit dem Programm nicht mehr öffentlich auftreten. Der Fokus sollte auf die bevorstehenden Filme gelenkt werden. Man wollte keine kleinen Störgeräusche von Interpreten haben, die mit einer Show durchs Land tingeln.

    Wie kommt es, dass Sie jetzt trotzdem in Oldenburg auftreten?

    Das ist etwas ganz Besonderes! Nach 20 Jahren hat es der Hörverlag zusammen mit dem Carlsen Verlag geschafft, die Erlaubnis für zwei Veranstaltungen zu bekommen. Die eine war in Berlin, die andere in München. Als Zugabe ist jetzt auch Oldenburg dazugekommen.

    Waren Sie ursprünglich auch ein bisschen Harry-Potter-Fan?

    Meine Bedingung damals war: Ich möchte dieses Hörbuch interpretieren, wie es mir gefällt. Da soll mir keiner reinreden, ich will einfach Spaß haben. Etwa so wie Franck Ribéry auf dem Fußballplatz: Wenn man ihm Freiheiten lässt, dann kann er etwas Wunderbares erschaffen! Ich habe nicht im Entferntesten geahnt, dass dies so eine gewaltige Wirkung haben würde. So einen Erfolg wie Harry Potter wird es im Hörbuch-Markt nie wieder geben. Es wurden vier Millionen Hörbücher verkauft. Vier Millionen! Wenn man heute einen Riesenerfolg feiert, dann verkauft man vielleicht 30.000 Stück. Ich habe Harry viel zu verdanken, wir beide haben einiges gemeinsam.

    Inwiefern?

    Ich bin auch im Internat groß geworden und weiß, wie Harry sich fühlt. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum die Story so viele Menschen begeistert hat. Harry ist ein Junge, der trotz seiner Begabung, seines Anders-seins und dieser unfassbaren Mission, die er zu meistern hat, sehr bescheiden bleibt. Eigentlich ist es ihm unangenehm, dass er so eine Wirkung auf andere hat. Er ist ein Held wider Willen, und das macht ihn so charmant. Außerdem ist da die Frage, die sich Harry durch die ganze Saga hindurch stellt: Warum sind meine Eltern getötet worden? Ein klassisches Waisenkind-Motiv, das man bereits von den Gebrüdern Grimm kennt. Selbst bei Aschenputtel geht es schon um eine ganz frühe Form der Patchwork-Familie.

    Haben Sie Ihren Kindern damals aus Harry Potter vorgelesen?

    Natürlich, den ganzen Stoff. Das war für die ganz normal. Wie jeder Vater habe ich ihnen alles Mögliche vorgelesen. Mein Sohn ist damals in München sogar mal an meiner Seite als Harry Potter aufgetreten.

    Und die Harry-Potter-Filme?

    Ich habe sie bis heute nicht gesehen! Ein Film muss seine visuelle Kraft ausnutzen, das ist etwas ganz anderes als ein Roman oder ein Hörbuch. Ich wollte mich nicht beeinflussen lassen. Trotzdem muss ich mich manchmal kneifen, was Harry Potter auch nach 20 Jahren noch für eine Wirkung auf die Fans hat. Es ist einfach unglaublich.

    Wie fanden Sie diesen Artikel?

    ( 0 Bewertungen )
    0
    0
    nach oben