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    Einfach erklärt: Das Umspannwerk

    Wie funktioniert ein Umspannwerk? EWE NETZ-Experte Jens Wildenhain erklärt im Interview mit hallonachbar.de, warum hohe Spannungen beim Stromtransport wichtig sind und wie Strom aus einem Kraftwerk oder einer Windkraftanlage in den eigenen Haushalt kommt.

    Porträtbild Jens Wildenhain Der Experte
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    Jens Wildenhain ist studierter Ingenieur und arbeitet bei EWE NETZ In Oldenburg im Geschäftsfeld Energienetze. In der Vergangenheit hat er zudem die Stromversorgung verschiedener Windparks betreut.

    Herr Wildenhain, ganz einfach erklärt: Was ist ein Umspannwerk?

    Ein Umspannwerk ist ein technisches Verbindungsglied zwischen elektrischen Energienetzen mit verschieden hohen Spannungen. Dort wird über den Transformator die sehr hohe Spannung herunter transformiert. Auch werden dort Schaltmaßnahmen durchgeführt, um stets die Versorgung sicherzustellen z.B. wenn Instandhaltungsmaßnahmen an Leitungen oder Anlagenteilen vorgenommen werden müssen.

    Es gibt ja Netze mit verschiedenen Spannungen. Können Sie die erklären?

    Die Netze transportieren die Energie von verschiedenen konventionellen Kraftwerken, also Kohlekraftwerken oder von Anlagen der erneuerbaren Energien, etwa großen Windparks zu den Verbrauchern. Auf dem Weg zum Verbraucher wird die Spannung auf niedrigere Spannungsebenen herunter transformiert. Zwischen dem Mittel- und Niederspannungsnetz übernehmen dann sogenannte Ortsnetzstationen mit kleinen Transformatoren diese Funktion.

    Wozu wird der Aufwand mit den verschiedenen Spannungen betrieben?

    Für den überregionalen Energietransport arbeitet man mit sehr hohen Spannungen, je nach Netz zwischen 110 und 400 Kilovolt. Das wird gemacht, weil der Strom von den Widerständen der Leitungen, sagen wir „ausgebremst wird“ und dadurch Energie verloren geht. Je höher die Spannung ist, desto geringer der Strom und damit auch die Verluste. Ein Netz mit nur einer Spannungsebene wäre somit sehr teuer und nicht leistungsfähig genug.

    Wie kommt der produzierte Strom etwa in den Fön, den man morgens nach der Dusche benutzt?

    Über die Ortsnetzstation und das Niederspannungskabel in der Straße. In dieser Station stellt ein Transformator die Spannung von 400/230 Volt für die Haushalte zur Verfügung. Sie ist etwa so groß wie ein Kleinwagen und steht nur wenige 100 Meter von jedem Haus entfernt. Suchen Sie ruhig mal in ihrer Umgebung, vielleicht finden sie die Ortsnetzstation, an die ihr Zuhause angeschlossen ist.

    Wozu wird ein Umspannwerk benötigt und was ist noch wichtig?

    Es wird zum Anschluss großer Erzeuger oder Verbraucher, etwa Kraftwerke, und zur Verbindung der Energienetze mit verschiedenen Spannungen benötigt. Es gibt aber auch nicht das Umspannwerk. Die Netze der EWE NETZ liegen überwiegend im ländlichen Raum. Deshalb stehen wichtige Komponenten der etwa 150 Umspannwerke der EWE NETZ unter freiem Himmel. Es gibt aber auch die Bauweisen im städtischen Bereich bei der die Umspannwerke komplett im Gebäude verbaut integriert oder sogar unterirdisch sind. Diese sind dann von außen gar nicht als solches zu erkennen.

    Welcher Strom kommt bei mir zu Hause aus der 230-Volt-Steckdose?

    Das lässt sich aus technischer Sicht nicht so einfach beantworten. Der Energiefluss wird nicht kontrolliert oder beeinflusst, er ergibt sich aus Einspeisung und Verbrauch. Stellen Sie sich eine gefüllte Badewanne vor, bei der von Erzeugern Wasser hineingekippt und an vielen anderen Stellen wieder Wasser von Verbrauchern entnommen wird. Wenn ich aber einen Vertrag mit Ökostrom abgeschlossen habe, stellt mein Energielieferant sicher, dass diese Energiemenge in dem Zeitraum irgendwann erzeugt und ins große Stromnetz eingespeist wird.

    Wenn ich einem Stromausfall bei mir zu Hause habe – woran liegt das?

    Das kann verschiedene Gründe haben: Oft liegt der Grund an nicht einwandfreien Geräten oder sonstigen Maßnahmen im Haus. Vielleicht habe ich beim Hämmern mit dem Nagel eine Leitung getroffen? Oder es sind zu viele Geräte im Einsatz, die zusammen einen zu hohen Strom ziehen. Zum Schutz der Leitungen im Haus löst dann die Sicherung aus. Und die ist sehr wichtig, weil es bei zu hohen Strömen im schlimmsten Fall zu einem Kabelbrand kommen kann.

    Und wenn ich bei einem Stromausfall bemerke, dass am Sicherungskasten gar keine Sicherungen ausgelöst hat?

    Dann steht das versorgende Netz nicht zur Verfügung. Hier wurde entweder eine Kabelstrecke oder ein Trafo abgeschaltet, weil es dort einen Defekt gegeben hat. Die gute Nachricht: Bei EWE NETZ sind solche Fehler sehr selten. Das liegt daran, dass das Mittel- und Niederspannungsnetz zu fast 100 Prozent als unterirdisches witterungsunabhängiges Kabelnetz gebaut ist. Für ein solch großes Netz ist das schon eine Besonderheit. Statistisch gesehenen wird jeder EWE NETZ Stromkunde nur 3,2 Minuten1 pro Jahr nicht versorgt.

    1 Kennzahl SAIDIENWG siehe Erklärung der Bundesnetzagentur unter diesem Link.

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