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    8 Mythen: Fahrradreparatur und Inspektion

    Hätte, hätte, Fahrradkette ... Vielleicht sollte man sich besser rechtzeitig um das Zweirad kümmern, bevor das Wetter zu Ausflügen oder Touren auffordert? Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den Drahtesel auf Vordermann zu bringen oder in die Inspektion zu geben. hallonachbar.de und die „Fahrraddoktoren“ Andreas Kohrs und André Paap klären acht typische Mythen auf und helfen, typische Fehler bei Inspektion und Selbsthilfe am Rad zu vermeiden.

    Foto: shutterstock

    1. „Mit dem Hochdruckreiniger von der Tankstelle bekomme ich mein Fahrrad nach dem Winter schnell richtig sauber.“

    SCHLECHTE IDEE!
    Fahrraddoktor“ Andreas Kohrs: „Die Dichtringe am Tretlager sind für diesen Druck nicht ausgelegt. Wasser tritt in die Lager ein, und dort rostet alles unerkannt vor sich hin. Außerdem spritzt ein Hochdruckreiniger wichtige Fette und Öle heraus, so dass Schaltzüge und Schrauben Rost ansetzen oder porös werden.“ Zum Frühjahrsputz also tatsächlich besser althergebracht mit Wassereimer und Lappen oder ausrangierten Socken arbeiten.

    2. „Wenn die Kettenglieder zu weit auseinander stehen, muss die Fahrradkette sofort erneuert werden.“

    FALSCH!
    „Fahrraddoktor“ André Paap (55): „Es gibt die sogenannte Kettenmesslehre, ein kleines Metallprüfwerkzeug, mit dem die korrekten Abstände der Kettenglieder gemessen werden. Wenn man dieses Gerät zur Anwendung bringt, müsste nahezu jede Kette sofort getauscht werden. Wir aber sagen unseren Kunden: ‚Fahre die Kette durch, dann wechseln wir.’ Deshalb ist Vorsicht geboten, wenn der Händler bei der Inspektion mit der Kettenmesslehre kommt und sofort die Kette erneuern will... Früher hieß es, nach 2000 bis 2500 Kilometern sollte man Kette und Ritzel wechseln. Aber es ist schwierig, so etwas an einer Kilometerzahl festzumachen. Wer viel über Schotter und Sand fährt, braucht sicher eher eine neue Kette und ein neues Ritzel, weil Schotter wie Schleifpapier wirkt. Und dann kommt es noch darauf an, ob jemand seine Kette pflegt und ölt. Oder ob er schaltfaul ist und immer auf denselben Ritzeln fährt, die dann logischerweise schneller runtergefahren sind. Deshalb gehen wir so vor, dass wir den Kettenwechsel vom Zustand des Ritzels abhängig machen – nicht davon, wie viele Kilometer jemand gefahren ist oder wie alt die Kette ist." Ritzel und Kette, so Paap, sollten zusammen erneuert werden. Aber manchmal reicht es auch aus, die Gangschaltung bzw. den Schaltzug nachzustellen, wenn es beim Anfahren zum „Durchtreten“ kommt.

    3. „Öl ist Öl – Hauptsache die Fahrradkette ist geschmiert.“

    FALSCH!
    Andreas Kohrs: „Klar, die Kette muss regelmäßig gereinigt und gefettet werden – sie ist das Herzstück des Antriebs. Aber man sollte schon genau hinsehen, was man dafür verwendet. Ein Multifunktionsspray, etwa WD-40, ist eher ein Rostlöser, der aber auch bei hartnäckig festsitzenden Schrauben hilft, um diese zu lösen. Der Kette tut das Spray aber nicht gut und ist dafür ungeeignet. Hier sollte es unbedingt ein spezielles Kettenfließfett oder Kettenöl sein.“ Auf Wachs, Vaseline, Diesel, Petroleum oder viel zu flüssiges Nähmaschinenöl sollte man nur im Notfall zurückgreifen, sagt Kohrs. Aber auch mit Kettenfließfett oder Kettenspray sollte nicht zu großzügig umgegangen werden. Trieft die Kette, zieht sie deutlich schneller Dreck wieder an – und ruiniert zudem die Hosenbeine.

    4. „Wenn der Lenker nach einem Sturz heil geblieben ist, brauche ich ihn nicht auszutauschen.“

    GEFÄHRLICH!
    André Paap: „Wer mit dem Fahrrad gestürzt ist – auch wenn es scheinbar unerheblich war – sollte seinen Lenker kontrollieren lassen. Leichte Risse merkt und sieht man nicht, das kann später zu einem Lenkerbruch mit schweren Folgen führen.“ Lenker (ca. 15 Euro) und Montage (ca. 10 Euro) sind nicht besonders teuer, aber hier empfiehlt der Experte unbedingt Exemplare mit einem Safety-Level ab 4 aufwärts zu kaufen. Es gibt Lenkerstärken von 1 bis 6.

    5. „Durch die Gummi-Ummantelung kann den Schaltzügen nichts passieren.“

    FALSCH!
    Andreas Kohrs: „Die Gangschaltung funktioniert heutzutage mit einem durchgehenden Zug, und oft dringt an bestimmten Stellen Feuchtigkeit ein. Insbesondere bei Nabenschaltungen sammelt sich leicht Wasser darin. Das führt zu Rost oder dazu, dass bei plötzlichen Temperatureinbrüchen die Gangschaltung sogar einfrieren kann.“ Deshalb sollte man unbedingt darauf achten, dass Niro-Züge verwendet werden, also Züge aus rostfreiem Stahl. Gelegentlich kann nach einigen Jahren das Öl oder Fett in den Gummizügen verharzen. Sollten Bremsen oder Gangschaltung schwergängig sein trotz Niro-Stahlzügen, könnte es auch daran liegen. Dann müsste die Gummi-Ummantelung erneuert werden.

    6. „Dieses ewige Aufpumpen der Reifen ist übertrieben.“

    FALSCH!
    André Paap: „Wer ständig mit zu wenig Luft fährt, walkt auf Dauer die Manteldecke durch. Und verliert auch zirka zehn bis 15 Prozent Effizienz beim Fahren.“ Poröse Reifen, so Paap, könne man hinten sogar noch „durchfahren“, bis sie kaputt sind. Aber vorne müssen sie unbedingt ausgetauscht werden: „Sonst geht es über den Lenker, wenn der Reifen platzt!“ Ein neuer Mantel kostet ca. 22 bis 26 Euro, ein „unplattbarer“ Mantel (z.B. Schwalbe Marathon Plus) liegt bei ungefähr 40 Euro. Beim Luftdruck sollte man sich an die Vorgaben der Hersteller halten, bei Schwalbe stellt sich bei 4.0 bar der geringste Rollwiderstand ein. Das Schöne am Aufpumpen: Ein praller Reifen verbessert die Fahreigenschaften und die Effizienz, schont das Material, und der Fahrradbesitzer muss keinen Cent investieren – nur ein wenig Muskelkraft.

    7. „Wenn der Bremszug ein wenig ausgefranst ist, macht das nichts.“

    GEFÄHRLICH!
    Andreas Kohrs: „Auf dem Stück vor der Klemmschraube sollte ein Bremszug unbedingt vollständig in Ordnung sein und darf nicht ausfransen. Ist das der Fall wird der Bremszug über kurz oder lang reißen, was mit schlimmen Unfällen enden kann.“

    8. „Wenn ein Licht ausfällt, reicht das andere vollkommen aus.“

    FALSCH!
    André Paap: „Es ist nicht nur gefährlich, in der Dunkelheit ohne Licht vorne oder ohne Licht hinten zu fahren. Wer einen Nabendynamo hat und mit nur einem Licht fährt, ruiniert ganz schnell das andere Licht. Denn wenn eine Lampe ausfällt, kriegt die andere zu viel Strom und geht ebenfalls kaputt. Ein physikalisches Phänomen.“ Übrigens: Wer schon längst überlegt hat, vom Seitenlaufdynamo auf einen Nabendynamo zu wechseln, muss zirka 150 Euro einschließlich neuer Lampen investieren.

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