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    CSD Oldenburg 2019: Bilder von der bunten Demo 10 Dinge, die nicht im Festival-Gepäck fehlen sollten

    Kolumne #14: Darum bin ich absoluter Sommerdrink-Experte

    Porträtbild Klaus Werle
    Der Kolumnist
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    Zwischen Balkongrill und Thujahecke: In der Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im Wechsel mit David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen heute vorm Gemeinschaftsfahrstuhl oder am Gartenzaun.

    Lou Bega

    Der Sommer, in dem ich zum Propheten wurde, liegt genau zwanzig Jahre zurück. Meine zauberhafte Begleitung und ich fuhren durch Süddeutschland, Weinberge und Burgen zogen vorbei. Plötzlich wurde aus dem Radio unseres weißen Renault Clio eingezählt: „One, two, three, four, five / Everybody in the car, so come on, let’s ride“. Der Song war noch kaum bekannt, doch ich fuhr aus meiner wohligen Lethargie und stupste die Fahrerin begeistert an: „Das wird in dieses Jahr der Sommerhit, Du wirst sehen.“ Der zauberhaften Begleitung gelang das Kunststück, gleichzeitig liebevoll und gequält zu lächeln – doch die Geschichte gab mir Recht. Ladies and Gentlemen, it’s 1999 and this is Mambo No.5!

    Seither gelte ich als Prophet für Sommerthemen aller Art, musikalisch, ästhetisch, lifestylemäßig. Mein Spezialgebiet sind Sommer-Drinks. Ich habe den Aperol Spritz kommen gesehen und den Gin Tonic geliebt, bevor es die ganze Welt tat. Okay, den Hugo hatte ich nicht auf dem Zettel, aber mal ehrlich: Hugo, ernsthaft? Bei Port Tonic war ich dann wieder dabei, jedenfalls mehr als bei diesem Marketing-Gag namens Lillet Berry. Gin Basil Smash, Blaubeer-Mojito, Pears & Tears – alles geahnt, alles getrunken.

    Im Viertel macht mich mein Wissen zu einem begehrten Orakel. Neulich kam unser Nachbar zu einem „spontanen Plausch“ rüber, wie er sich ausdrückte. In Wahrheit aber hatte er ein sehr konkretes Ziel: Heimlich herauszufinden, mit welchem Drink er bei seiner geplanten Sommerparty am meisten Eindruck machen würde. „Hach, diese lauen Sommerabende“, schwärmte er und breitete theatralisch die Arme aus. „Was trinkt Ihr denn gerne bei so einem Wetterchen?“

    Ein äußerst billiges Manöver, doch ich spielte mit. Eine Viertelstunde lang erging ich mich in vagen Belanglosigkeiten. Dass Drinks mit Tee oder Kaffee im Trend lägen, Kräuterliköre im Kommen seien, die Feige unterschätzt werde (lecker mit Rum-Soda) und Gin seinen Zenit noch lange nicht überschritten habe, allerdings in gewagteren Kombinationen auftrete (Gin-Infusion mit Olivenöl und Gemüse). Der Nachbar nickte eifrig, sichtlich bemüht, möglichst viele Informationen zu speichern. Dann verabschiedete er sich abrupt. Kurze Zeit später sahen wir ihn in seiner Küchenschubalde nach einem Stift kramen und das Gehörte fieberhaft aufschreiben.

    Ich lächelte still. Soll er sein Glück doch mit einem Earl Grey Gin oder ähnlichem probieren. Denn den wahren Knüller, the one and only Sommer-Drink 2019, habe ich ihm natürlich nicht auf die Nase gebunden. Schließlich machen wir selbst auch eine Sommerparty, und da muss es krachen, getränkemäßig. Mehr kann ich nicht verraten. Nur eine Sache noch: Es wird retro. „Mambo No. 5“ habe ich schon in die Playlist gezogen.

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