hallo nachbar
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    Kolumne #5:
    Der Päckchen-Pakt

    Porträtbild Klaus Werle
    Der Kolumnist
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    In unserer neuen Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im Wechsel mit Autor David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unterhaltsam unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen im Mietshaus zwischen Studenten-WG, Briefkasten und Fahrradkeller. Wenn Sie die beiden gutnachbarschaftlich mit Erlebnissen und Anekdoten unterstützen möchten, schreiben Sie eine Mail an hallonachbar@ewe.de.

    In ein neues Viertel zu ziehen ist eine sozial hochkomplexe Angelegenheit. Früher kredenzten die Nachbarn, kaum dass der Möbellaster weg war, der Reihe nach Brot und Salz als Willkommensgeschenk. Heute wird im besten Fall ignoriert, üblicherweise aber eher prophylaktisch gemeckert: „Sind das da Ihre Kinderfahrräder? Aber leise sein am Sonntag, bitte schön!“ Die Hecke ist nicht dicht genug, der Grill qualmt zu stark, und die Einfahrt könnte auch mal wieder gekehrt werden.
    Als wir unser neues Quartier bezogen hatten, überlegten wir deshalb fieberhaft, wie wir das Eis brechen könnten. Willkommensparty? Findet die eine Hälfte zu laut, die andere Hälfte hat schon was vor. Selbstgebastelte Geschenke? Zu aufdringlich und angesichts unserer kreativen Fähigkeiten ohnehin ausgeschlossen. Die klassische Vorstellungsrunde drehen? Zu Neunziger.

    Kind, Mutter und Vater stehen nebeneinander und haben einen Berg voll Pakete in den Händen die Köpfe sind nicht zu sehen

    Seufzend erinnerte sich meine Frau an die Zeit in unserer alten Wohnung. „Das war wirklich eine lebendige Nachbarschaft“, sagte sie. „Irgendjemand kam immer vorbei, und sei es auch nur, um sein Päckchen abzuholen, das wir für ihn entgegengenommen hatten.“ Das war er, der rettende Geistesblitz! Statt die Gaben von DHL & Co zunehmend genervt und mit einem leisen (aber hörbaren!) Stöhnen stellvertretend für andere in Empfang zu nehmen, würden wir aus der Not eine Tugend machen und uns aktiv als freiberufliche Paketverteilstation für die Nachbarschaft empfehlen. Und noch nicht mal meckern, wenn jemand um 23.53 Uhr endlich den lebensgroßen Plüschpinguin abholt, der schon den ganzen Tag den Flur versperrt.

    Gesagt, getan. Wir liefen alle Häuser der Umgebung ab und überbrachten unser großzügiges Angebot: Ein Pakt für Päckchen, gewissermaßen. Seit jenem Tag gleicht unser Haus frappierend dem Logistikzentrum von Amazon in Bad Hersfeld – nur deutlich weniger aufgeräumt. Über zu wenig Kontakt zur Nachbarschaft können wir uns allerdings wirklich nicht beklagen.

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