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    Hallo Smartgeber: "On the road" mit Börni Rasta Vechta-Coach Pedro Calles im Interview

    Kolumne #12: You're my heart, you're my bowl

    Porträtbild Klaus Werle
    Der Kolumnist
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    In unserer Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im
    Wechsel mit Autor David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft
    unterhaltsam unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen im Mietshaus
    zwischen Studenten-WG, Briefkasten und Fahrradkeller. Wenn Sie die
    beiden gutnachbarschaftlich mit Erlebnissen und Anekdoten unterstützen
    möchten, schreiben Sie eine Mail an hallonachbar@ewe.de.

    Gläser mit Erdbeerbowle

    Marlene hat wirklich versucht, die Contenance zu wahren. Aber genug ist genug. „Zu viele Erdbeeren und zu wenig Alkohol?“, brüllt sie Hubert an. „Falls Du Doofmann es noch nicht wusstest: Der meiste Alkohol ist IN DEN FRÜCHTEN!“ Marlenes Stimme ist vor Empörung so schrill, dass um ein Haar die Bowle-Schüssel zerspringt. Doch Doofmann Hubert lässt das kalt. Seit Jahren streitet er mit Marlene über zu lautes Rasenmähen, Grillgestank und die unzureichend gefegte Einfahrt. Da wird er bei Erdbeeren sicher nicht einknicken. „Blödsinn, gib doch zu, dass Du alles selbst getrunken hast“, brüllt er zurück.

    Die meisten Menschen ziehen ins Grüne, weil sie mehr Platz brauchen. Sehr viel weniger Menschen ziehen aus einer Wohnung in ein Haus, weil sie endlich ihre Ruhe vor dem ganzen Nachbarschaftsgedöns haben wollen. Einige von denen stellen nach einem halben Jahr fest, dass das Nachbarschaftsgedöns eigentlich ganz schön war und dass sie es total vermissen. Und dann organisieren sie ein „Siedlungsfest“.

    Eine prima Idee, denn wo sonst könnte man sich mit Menschen, denen man am nächsten Tag kaum aus dem Weg gehen kann, so schnell und bis aufs Messer über eine Erdbeer-Bowle streiten? Apropos. Marlenes Mann Markus fuchtelt jetzt mit einem Messer vor Hubert herum, denn in Sachen Ritterlichkeit neigt er zur Übertreibung. Da greift Sandra ein und schubst Markus zur Seite. Aber nicht, weil sie Hubert mag, sondern weil sie eine Affäre mit Markus hat und nicht will, dass er etwas Dummes anstellt. Das wiederum interpretiert Sandras Mann Torsten falsch. Er hat schon länger etwas geahnt, hätte aber nie gedacht, dass seine Frau ausgerechnet mit Hubert etwas anfängt. Und wenn er verwirrt ist, wird Torsten ausfällig: „Was mischst Du Dich da ein?“, fährt er seine Frau an. „Du weißt noch nicht mal, wie eine Bowle geht. Geschweige denn ein Abendessen.“

    Im Handumdrehen schreit sich die gesamte Nachbarschaft an, Obstspieße werden gezückt, Gläser splittern. Nur Sandras Tochter Lea, acht Jahre alt, verhindert Schlimmeres, weil sie plötzlich mit einem halbvollen Bowle-Glas wedelt und ruft: „Also, ich find‘ die sehr lecker.“ Erschrocken reißt Sandra ihr das Glas aus der Hand. Dann legen alle ihre improvisierten Waffen zur Seite, räuspern sich verlegen und verabschieden sich wenig später.

    „Ich weiß gar nicht, warum Sandra so mit Lea geschimpft hat“, sagt Hubert im Rausgehen und schaut Marlene gehässig an. „In der Bowle war schließlich kaum Alkohol.“ Geschickt weicht er Marlenes Wurf aus, und die leere Bowleschüssel zerschellt auf der Einfahrt. Da hat Marlene morgen gleich was zu fegen. Soll schließlich ordentlich aussehen hier, Siedlungsfest hin oder her.

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