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    Kolumne #7: WhatsApp statt Würstchen

    Porträtbild Klaus Werle
    Der Kolumnist
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    In unserer Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im
    Wechsel mit Autor David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft
    unterhaltsam unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen im Mietshaus
    zwischen Studenten-WG, Briefkasten und Fahrradkeller. Wenn Sie die
    beiden gutnachbarschaftlich mit Erlebnissen und Anekdoten unterstützen
    möchten, schreiben Sie eine Mail an hallonachbar@ewe.de.

    Ein Ehepaar schaut gemeinsam aufs Smartphone.

    Lange war ein Grillfest das Mittel der Wahl, um das Gemeinschaftsgefühl unter Nachbarn zu stärken. In unserem Viertel allerdings sind wir über derlei neandertalhaftes Gebaren längst hinaus. Halbrohe oder verkohlte Fleischstücke in den Mund schieben und mit ketchupverschmiertem Mund unverständliche Halbsätze nuscheln – nicht mehr unser Ding, sorry. Denn wir haben jetzt eine WhatsApp-Gruppe. Seit drei Tagen. Mit aktuell, Moment, 817 Nachrichten. Ach nee, jetzt schon 819. Ich schalte mal kurz das Pling-Geräusch ab, dann kann ich mich besser konzentrieren. So, jetzt. Wo war ich? Ach ja, 827 Nachrichten. Super Beteiligung also. Inhaltlich gibt es vielleicht noch Luft nach oben – aber spannend ist es jetzt schon!

    Über Liebschaften und heimliche Laster erfährt man hier binnen Sekunden soviel wie sonst an mindestens einem halben Dutzend Grillabenden. Der Sohn von Bethmanns gegenüber zum Beispiel ist bei „Call of Duty“ zwei Level unter der Tochter von Hörriges drei Häuser weiter. Oder Manfred: Bietet seine Fliegenfischer-Ausrüstung zum Verkauf – warum, fragt man sich. Vielleicht weil sein Techtelmechtel mit Sarah aus dem Nachbarhaus so zeitintensiv ist? Sowas schreibt natürlich keiner explizit, aber zwischen den Zeilen wissen alle Bescheid. Lag vielleicht auch an dem Bild, das Manfred versehentlich an alle, statt nur an Sarah geschickt hat. Zwinker-Smiley.

    Apropos: Würde man alle Nachrichten abziehen, die nur aus Emojis bestehen, wären es nur noch knapp 300. Wobei Gefühle ausdrücken ja ganz wichtig fürs Gemeinschaftsgefühl ist, meistens zumindest. Hinter Manfreds Frau Erika zum Beispiel steht jetzt anklagend „Hat die Gruppe verlassen“. Im Emoji-Eifer habe ich das voreilig mit „Daumen hoch“ markiert. Da war es in der Gruppe plötzlich nicht mehr ganz so harmonisch, ein wahrer Gefühlssticker-Sturm prasselte auf mich ein. Mit einigen Dutzend Verbeugungs-Smileys konnte ich die Wogen aber wieder glätten. Nur Manfred scheint weniger Glück zu haben; schon seit drei Stunden hat er nichts mehr gepostet. Vielleicht ist er noch ein letztes Mal zum Fliegenfischen gegangen. Oder er packt seine Sachen, weil Erika ihn rausgeworfen hat. Gibt es eigentlich den Status „Hat die Nachbarschaft verlassen“?

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