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    Kolumne #11: Der Kreislauf der Filly-Pferde

    Porträtbild Klaus Werle
    Der Kolumnist
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    Zwischen Balkongrill und Thujahecke: In der Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im Wechsel mit David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen heute vorm Gemeinschaftsfahrstuhl oder am Gartenzaun.

    Filly-Pferde (Illustration)

    Einmal im Jahr haben die Erwachsenen in unserem Haushalt die Nase voll von herumliegenden Playmobil-Piraten und zugestaubten Conni-CDs. Dann heißt es nicht mehr „Alles klar zum Entern“ oder „Ja, hier kommt Conni“, sondern „Alle Mann von Bord!“ und „Jetzt geht Conni!“. Kistenweise schleppen wir Spielzeug zum Flohmarkt, verbringen einige Stunden hinter unserem Stand und setzen den dabei erzielten mittleren zweistelligen Betrag postwendend in alkoholhaltige Erfrischungsgetränke um.

    Schöne Sache, bloß: Neulich waren die Kinder dabei. Die waren begeistert von der Idee, auf so leichte Weise selbst „echtes Erwachsenengeld“ zu verdienen. Der lahme Hinweis, in den kommenden Wochen sei „leider“ kein Flohmarkt geplant, wurde mit einem achselzuckenden „Dann machen wir halt unseren eigenen“ quittiert. Und schon am nächsten Samstag saßen der Vierjährige und die Sechsjährige stolz wie Bolle am Straßenrand. Vor sich eine umgedrehte Holzkiste, auf der eine beeindruckende Parade von Filly-Pferden, ein Holzschwert, ein Barbie-Schminkset und ein Dutzend Matchbox-Autos drapiert waren. Es war zum Herzzerreißen süß. Und ein bisschen traurig, denn potenzielle Kunden waren nicht in Sicht. Als liebevoller Vater wollte ich den Kindern natürlich etwas abkaufen. Aber dann wäre der Krempel wieder im Haus gewesen, und das Geld wäre auch futsch. Also mussten die Nachbarn ran.

    Ich klingelte ein paar Häuser durch und konnte rasch Erfolge erzielen. Melitta kaufte für fünf Euro das Schminkset für ihre Tochter, der kleine Luca trabte glücklich mit einem fast neuen Holzschwert für zwei Euro davon. Er war kaum um die Ecke, als Bernd vorbeikam und die Filly-Pferde sah. „Oh, meine Tochter Mathilda liebt die“, sagte er. „Was sollen die kosten?“ Die Kinder machten ihm einen „Sonderpreis“ von zehn Euro. Alle waren glücklich. Dann tauchte seine Tochter auf. „Was macht ihr da?“, fragte Mathilda neugierig. Hoch konzentriert lauschte sie meinen Kindern, die ihr das Flohmarkt-Business in allen Details schilderten. „Papa, ich will auch einen Stand machen!“, rief Mathilda. „Am nächsten Wochenende! Bitte, bitte!“Ich legte schon mal zehn Euro beiseite. Denn eins war sicher: Kommenden Samstag würden die Filly-Pferde in den Schoß der Familie zurückkehren. Kreislaufwirtschaft nennt sich das wohl.

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