hallo nachbar
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    Jetzt lesen: Die neue hallo nachbar-Kolumne

    Porträtbild Klaus Werle
    Der Kolumnist
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    In unserer neuen Kolumne "Die lieben Nachbarn" nimmt Klaus Werle im Wechsel mit Autor David Siems die Höhen und Tiefen der Nachbarschaft unterhaltsam unter die Lupe. Denn die wahren Dramen spielen sich heute vorm Gemeinschaftsfahrstuhl oder am Jägerzaun ab. Wenn Sie die beiden gutnachbarschaftlich mit Erlebnissen oder Anekdoten unterstützen möchten, schreiben Sie eine Mail an hallonachbar@ewe.de

    Mein Freund Paul ist kürzlich aus seiner Wohnung in Kreuzberg in ein zauberhaftes Dorf in Brandenburg gezogen. Neulich luden er und seine Familie ihre Nachbarn und Freunde zur Einweihungsparty. Das Motto: Flamingos. Paul besorgte eine Flamingo-Hüpfburg für den Garten, dazu Flamingo-Klobürsten, Flamingo-Toilettenpapier und Unmengen von Pappflamingos zum Dekorieren. Auf den Tischen warteten rosafarbene Rhabarberschorle und Pink-Flamingo-Bowle auf Durstige. In der Ecke neben dem Trampolin war eine Selfie-Station mit einem gigantischen Plüschflamingo aufgebaut.

    Illustration eines Alpacas mit Flamingoschnabel

    In Anbetracht von Pauls ambitionierter Vorbereitung ließen wir uns nicht lumpen. Meine Frau kombinierte rosa Shorts mit ebensolchen Frottee-Armbändern, unserer Tochter verpassten wir pinke Stirnbänder und Federn. Sie maulte ein wenig, weil sie ihr Alpaka-T-Shirt nicht anziehen durfte, aber Motto ist nun mal Motto. Ich trug pinke Sneaker, Magnum-Schnurrbart und ein „Miami Vice“-T-Shirt. Vor uns lagen, buchstäblich, rosige Aussichten. In Pauls Einfamilienhaus im Neubaugebiet angekommen,
    erwartete uns allerdings eine peinliche Überraschung: Außer Pauls Familie und uns glänzte keiner der zahlreichen Gäste im Rosa-Look. Ein Paar aus der  Nachbarschaft immerhin zeigte zu Beginn Partnersocken mit aufgedruckten Flamingos – welche die Eheleute jedoch nach wenigen Minuten wieder unter beigen Funktionshosen versteckten.

    Nachdem ich meine anfängliche Irritation überwunden hatte, sprach ich einen von Pauls Nachbarn an: ob man denn hier hinterm Mond lebe und nicht mitkriege, was
    angesagt ist? Und was das überhaupt für ein Verständnis von Nachbarschaft sei, völlig unverkleidet auf einer Motto-Party aufzukreuzen? Trotz meiner Tirade antwortete der Nachbar überaus freundlich. Doch, doch, gute Nachbarschaft sei hier enorm wichtig. Und was angesagt ist, darüber sei man sich durchaus im Klaren. Gerade deshalb habe sich ja keiner als Flamingo verkleidet – um Paul in der Siedlung nicht gleich als Hinterwäldler dastehen zu lassen. „Hinterwäldler?“, fragte ich verblüfft.

    „Wie meinen Sie das?“ „Na ja, Flamingos, ernsthaft?“, erwiderte mein Gegenüber schmunzelnd. „Weiß doch jeder, dass Alpakas gerade das große Ding sind.“

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