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    Tiny Houses - viel Leben auf wenig Raum

    Ein Bett, ein Tisch, ein Schrank – das lässt sich doch alles auch im kleineren Maßstab organisieren, oder? Ja, finden die Vertreter der Tiny House-Bewegung. Sie bewohnen winzige Häuser mit originellem Design. hallonachbar.de erklärt das Phänomen und zeigt die schönsten Mini-Häuschen.

    Van Bo Le-Mentzel
    Der Minimalist
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    Van Bo Le-Mentzel wurde durch die Entwicklung von günstigen Designermöbeln zum Selberbauen bekannt. "Konstruieren statt konsumieren" lautet das Credo des Berliner Architekten. Übergeordnet beschäftigt sich Le-Mentzel mit dem Wohnen der Zukunft - zum Beispiel in Tiny Houses.

    Ein winziges Haus auf einer Fläche von 6,4 Quadratmetern: Wenn es nach Van Bo Le-Mentzel geht, ist das für eine Person völlig ausreichend. 2015 gründete der Berliner Architekt mit der „Tinyhouse University“ ein Kollektiv aus Gestaltern, Bildungsaktivisten und Geflüchteten. Zusammen konzipierten sie eine Wohneinheit, in der dank einer Deckenhöhe von 3,6 Metern Wohn- und Schlafzimmer, Küche, Büro und sogar ein Bad Platz finden. Damit hat ihr Haus funktional gesehen alles, was ihre Bewohner brauchen – und aus Sicht des Tiny House-Movements noch so viel mehr! Die Bewegung, die in den USA ihren Ursprung hat, setzt auf Minimalismus statt auf maximalen Konsum. Auf Downsizing anstatt darauf, sich immer weiter zu vergrößern. Ihre Vertreter wollen bewusster leben und vor allem wohnen. Anderen geht es primär um günstigen Wohnraum. Wenn das Geld in der Studentenzeit besonders knapp ist. Oder weil in vielen Metropolen weltweit inzwischen kaum mehr ein Durchschnittsgehalt reicht, um zentral leben zu können.

    Van Bo Le-Mentzel, der mit dem sozialen Designprojekt Hartz IV Möbel schon seit Längerem zur Diskussion über eine erschwingliche Wohnungseinrichtung beitrug, bewegt sich irgendwo zwischen den verschiedenen Positionen. Seinem eingangs genannten Tiny House-Modell liegt das Konzept der „100-Euro-Wohnung“ zugrunde. Mehr als 100 Euro Miete sollte eine solche Wohnung aufgrund ihrer geringen Größe nicht kosten, finden er und das Kollektiv. In Tiny Houses allgemein sieht Le-Mentzel jedoch noch ein anderes großes Potenzial: „Wer in der Stadt mit einem Tiny House lebt, denkt und lebt viel stärker in Netzwerken. Das könnte unsere Innenstädte nachhaltiger machen“, sagt er. Es gehe darum, individuell weniger zu besitzen und mehr infrastrukturell zu teilen – auch indem auf bereits bestehende Angebote zurückgegriffen wird. „In unseren Tiny Häusern habe viele Testbewohner Küchen, Kühlschränke, Duschen und WCs wieder verbannt, weil die Infrastruktur in der Stadt völlig ausreicht.“ In Fitnessstudios könne man zum Beispiel rund um die Uhr duschen. Im Rahmen einer Ausstellung der Cranach-Stiftung rund um das Wirken Le-Mentzels bildet sich in Lutherstadt-Wittenberg aktuell ein kleines Dorf von Tiny Houses. Dort kann in der „100-Euro-Wohnung“ sogar probeweise übernachtet werden – sie wurde kurzfristig zum Tiny Hotel umfunktioniert.

    Ein mobiles Tiny House
    Mehr als 100 Euro Miete sollte man für ein Tiny House nicht bezahlen müssen, findet Van Bo Le-Mentzel.

    Jemand, der den Traum vom Tiny House bereits aktiv lebt, ist Sylvia Dreyer. Auf einem Campingplatz in Brandenburg steht im Stil einer modernen Blockhütte ihr kleines Haus auf einem Anhänger. Theoretisch kann sie ihr Zuhause mit ausreichend viel PS immer wieder an einen anderen Ort verlagern – vorausgesetzt, sie findet legal Plätze, auf denen sie zumindest vorübergehend bleiben und leben darf. Tatsächlich ist die Rechtslage in Deutschland, was den Bau und Standtort der Tiny Houses angeht, kompliziert. Wer mit dem Gesetz nicht in Konflikt geraten will, holt sich am besten von Anfang an rechtliche Unterstützung. Madeleine Krenzlin aus Bonn ist über den Status Quo immer bestens informiert. Schon seit 2012 beschäftigt sie sich intensiv mit Tiny Houses. 2017 gab Krenzlin schließlich ihren vorherigen Job als Unternehmensberaterin auf, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen: Seit Februar 2018 baut sie an ihrem eigenen mobilen Heim. Die Fortschritte dokumentiert sie auf ihrem Blog „My Tiny House Project“, auf dem sie auch Bauworkshops für andere Interessierte anbietet. Minimalismus ist für Madeleine Krenzlin ein großes Thema. „Letztlich zwingt mich das Wohnen auf so kleinem Raum dazu, materiellen Ballast abzuwerfen und mich nur noch mit wirklich wichtigen und schönen Dingen zu umgeben", sagt sie. „Ich glaube das schenkt auch Freiheit im Kopf.“ Die Fixkosten fürs Wohnen könne sie durch ein Leben im Tiny House bedeutend eingrenzen. Dadurch müsse sie weniger arbeiten, habe gleichzeitig mehr Zeit fürs Reisen. Ein Tiny House kann insofern auch das Gehäuse für einen neuen Lebensstil bilden.

    Eine offizielle Definition für die Begrifflichkeit gab es lange Zeit übrigens nicht. Erst 2017 wurde in den USA gesetzlich verankert, dass mobile Wohnstätten mit bis zu 400 Square Foot (umgerechnet rund 37 Quadratmeter) zu den Tiny Houses zählen. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden häufig aber auch stationäre Modelle so bezeichnet. Diese heißen im Deutschen in der Regel Mikro- oder Mini-Haus, je nach Größe. Oft sind die Grenzen fließend.

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