Ein Smartphone nutzen, bis der Akku schwächelt oder das Display kaputtgeht – und dann ein neues kaufen? Fairphone verfolgt einen anderen Ansatz. Der niederländische Hersteller entwickelt Smartphones so, dass sich verschiedene Komponenten austauschen lassen. Daneben beschäftigt sich das Unternehmen mit der Beschaffung ausgewählter Rohstoffe und den Arbeitsbedingungen in Teilen seiner Lieferkette. Wir schauen uns an, was hinter dem Konzept steckt.
Was ist ein Fairphone?
Fairphone ist ein niederländischer Smartphone-Hersteller. Ein wesentliches Merkmal seiner Geräte ist die modulare Bauweise: Bestimmte Komponenten können bei einem Defekt einzeln ausgetauscht werden. Beim aktuellen Fairphone (Gen. 6) sind nach Herstellerangaben zwölf Ersatzteile für den Austausch durch Nutzerinnen und Nutzer vorgesehen. Dazu gehören unter anderem Akku, Display und USB-C-Anschluss.
Für einige Reparaturen stellt Fairphone Schritt-für-Schritt-Anleitungen bereit. Die benötigten Ersatzteile können direkt beim Hersteller bezogen werden. Für das aktuelle Modell kündigt Fairphone die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Software-Support bis mindestens 2033 an.
Warum ist Reparierbarkeit bei Smartphones interessant?
Ist nur ein einzelnes Bauteil eines Smartphones defekt oder verschlissen, kann ein Austausch dieses Bauteils die weitere Nutzung des Geräts ermöglichen. Ein typisches Beispiel ist der Akku: Verliert er im Laufe der Zeit deutlich an Leistung, kann er bei entsprechend konstruierten Geräten ersetzt werden, ohne dass dafür das gesamte Smartphone ausgetauscht werden muss.
Beim Fairphone gehört diese Reparierbarkeit zum Produktkonzept. Beim aktuellen Modell lassen sich nach Angaben des Herstellers beispielsweise Akku, Display, Kameramodule, Lautsprecher und USB-C-Anschluss austauschen.
Was bedeutet das „fair“ bei Fairphone?
Der Name Fairphone geht über das Thema Reparierbarkeit hinaus. Das Unternehmen beschäftigt sich nach eigenen Angaben auch mit der Herkunft ausgewählter Rohstoffe sowie mit Arbeitsbedingungen in Teilen seiner Lieferkette. Fairphone veröffentlicht dazu Informationen über seine Material- und Lieferkettenprogramme sowie einen jährlichen Impact Report.
Wichtig ist dabei die Abgrenzung: Daraus lässt sich nicht ableiten, dass sämtliche Rohstoffe, Bauteile oder Produktionsschritte eines Fairphones nach einheitlichen Kriterien „fair“ sind. Aussagen des Unternehmens zu Beschaffung, Recyclinganteilen oder Arbeitsbedingungen beziehen sich auf jeweils näher bezeichnete Materialien, Programme oder Bereiche der Lieferkette.
Wer genauer wissen möchte, welche Maßnahmen Fairphone aktuell verfolgt, findet die Angaben und den aktuellen Impact Report direkt beim Hersteller.
Kann ein reparierbares Smartphone länger genutzt werden?
Austauschbare Komponenten schaffen die Möglichkeit, ein Smartphone trotz einzelner Defekte weiterzuverwenden. Ob das Gerät tatsächlich länger genutzt wird, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab – beispielsweise davon, ob passende Ersatzteile erhältlich sind, wie lange die Software unterstützt wird und ob sich eine Reparatur im konkreten Fall lohnt.
Fairphone verbindet deshalb die Reparierbarkeit seiner aktuellen Geräte mit einem vergleichsweise langen angekündigten Zeitraum für Ersatzteile und Software-Support. Für das Fairphone (Gen. 6) nennt der Hersteller dafür derzeit das Jahr 2033.
Wo liegen die Grenzen des Konzepts?
Auch ein reparierbares Smartphone benötigt Rohstoffe und Energie für Herstellung und Transport und wird irgendwann zum Elektroaltgerät. Die Möglichkeit, einzelne Bauteile auszutauschen, sagt deshalb für sich genommen noch nichts über die gesamte Umweltwirkung eines Smartphones aus.
Ähnliches gilt für die Rohstoffbeschaffung: Maßnahmen bei einzelnen Materialien oder Lieferketten lassen sich nicht ohne Weiteres auf das gesamte Gerät übertragen. Wer Smartphones unter solchen Gesichtspunkten vergleichen möchte, sollte deshalb auf konkrete Kriterien achten: Welche Bauteile lassen sich austauschen? Wie lange sollen Ersatzteile erhältlich sein? Wie lange gibt es Software- und Sicherheitsupdates? Und welche Angaben macht ein Hersteller zur Herkunft einzelner Rohstoffe und zu seinen Lieferketten?
Fazit: Reparierbarkeit konkret betrachten
Fairphone zeigt mit seiner modularen Bauweise, wie sich bestimmte Smartphone-Komponenten austauschbar konstruieren lassen. Beim aktuellen Modell können Nutzerinnen und Nutzer nach Herstellerangaben zwölf Ersatzteile selbst wechseln; Ersatzteile und Software-Support sind aktuell bis mindestens 2033 verfügbar.
Ob ein Smartphone deshalb insgesamt „nachhaltig“ oder „fair“ ist, lässt sich daraus nicht ableiten. Aussagekräftiger ist der Blick auf konkrete und überprüfbare Eigenschaften – etwa Reparierbarkeit, Ersatzteilverfügbarkeit und Dauer der Software-Unterstützung.