hallo nachbar Navigation
Suche

    "Ich habe Spaß an Digitalisierung!“

    Petra Dekker nimmt gern andere Perspektiven ein und begeistert sich für digitale Technik. In der Jury zum neuen Helene-Lange-Preis kommt sie als einzige aus dem Handwerk. hallo nachbar hat mit ihr über zielstrebige Frauen, Innovationen und Praxisnähe gesprochen.

    Petra Dekker Die Jurorin
    Mehr erfahren

    Petra Dekker (55) arbeitet als Prokuristin bei der R. Dekker Dachdecker GmbH in Wildeshausen. Sie ist erste stellvertretende Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung Wildeshausen und engagiert sich im Vorstand der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFiH) in Oldenburg.

    Ein dicker Ordner voll kreativer Ideen rund um Digitalisierung: Petra Dekker, Jurorin für den neuen Helene-Lange-Preis der EWE Stiftung, hat sich bereits im Frühjahr wochenlang durch die vielen Einsendungen gelesen. Nun endlich wird am 8. Oktober der mit 15.000 Euro dotierte Preis in Oldenburg verliehen. Er richtet sich an junge Wissenschaftlerinnen, die zu alltagsrelevanten Aspekten der Digitalisierung forschen. „Superspannend!“, sagt Petra Dekker. Auch in ihrem Beruf – der nebenbei perfekt zu ihrem Namen passt – spielt Digitalisierung eine wichtige Rolle. Für den familieneigenen Dachdecker-Betrieb managt Petra Dekker die Aufträge und behält im Büro den Überblick.

    Frau Dekker, welche Rolle spielt Digitalisierung im Dachdecker-Handwerk?

    Bei uns ist das ein sehr großes Thema. Viele Arbeitsschritte, die früher von Hand erledigt wurden, laufen heute maschinell. Ein Beispiel sind Blechfassaden für Lagerhallen: Die vom Mitarbeiter erstellte Zeichnung wird digital an die Maschine übermittelt, die dann das Bauteil fertigt. Für uns als Handwerksbetrieb ist es wichtig, technisch immer auf der Höhe der Zeit zu sein.

    Sie arbeiten in einem mittelständischen Handwerksbetrieb, die übrigen Jurorinnen kommen aus Wissenschaft, Bildung oder Politik. Schauen Sie aus einer anderen Perspektive auf die Bewerbungen?

    Ja, ich glaube schon. Vielleicht gehe ich persönlicher an die Auswahl heran, bringe keinen universitären Hintergrund, dafür aber meine Lebenserfahrung und mein Gefühl für gesellschaftliche Verantwortung ein. Ich schaue mit dem Blick der Praktikerin auf die Projekte. Auch im Handwerk sind digitale Innovationen wichtig, um wirtschaftlich bestehen zu können. Besonders haben mich zum Beispiel die Quereinsteigerinnen interessiert, die erst nach ihrer Ausbildung studiert und dann den Weg in die Forschung gegangen sind. Die können schon etwas vom Leben erzählen und vieles vielleicht auch besser umsetzen. Aber auch die sehr jungen Frauen, die schon mit 25 Jahren tief in der Forschung stecken, haben mich beeindruckt. Auch davor kann ich nur den Hut ziehen.

    Der Helene-Lange-Preis richtet sich ausschließlich an Frauen. Warum?

    Das hängt mit der Namensgeberin zusammen. Helene Lange war eine Kämpferin, die sich für die Frauenrechte stark gemacht hat. Allein, dass sie ihr eigenes Studium durchboxt hat, war damals eine Leistung. Später hat sie sich für die Bildung von Mädchen und Frauen eingesetzt. Es gibt so viele Preise, bei denen nur Männer in der Jury sitzen und die vor allem an Männer vergeben werden. Da finde ich es gut, wenn sich ein Preis mal nur an Frauen richtet und auch die Jury von Frauen besetzt ist.

    Hatten Sie sofort eine Favoritin oder fiel Ihnen die Auswahl bei den vielen Bewerbungen schwer?

    Unter den Einsendungen gibt es eine unheimlich große Bandbreite an Themen und Ideen. Eigentlich hätten alle einen Preis verdient. Ich habe mich wochenlang mit den Bewerbungen beschäftigt, alles ausgedruckt, gelesen, mehrere Stapel gebildet. Da ist es mir öfter passiert, dass eine Bewerbung schon auf dem Stapel der nicht ganz so tollen lag und am nächsten Tag doch wieder auf den der Favoritinnen gewandert ist. Das sind alles so engagierte, junge Frauen. Die wissen, was sie persönlich erreichen wollen, aber setzen sich mit ihrer Forschung auch für die Gesellschaft ein. Das finde ich einfach toll!

    nach oben