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    EWE Baskets: Phil Pressey im Interview

    Sein Wechsel vor der Saison von Estudiantes Madrid nach Oldenburg war eine kleine Sensation: Der Amerikaner Phil Pressey (30) spielte bereits einige Jahre in der NBA, bestritt u. a. 125 Partien für US-Rekordmeister Boston Celtics. In Oldenburg lernt der „nur“ 1,80 m große Spielmacher der EWE Baskets nun eine neue Welt kennen: Matches vor einem Publikum aus Pappe und deutsche Städte, von denen er vorher nie in seinem Leben gehört hat.

    Ulf Duda/fotoduda/BBL
    Phil Pressey

    „Moin“ war bestimmt das erste deutsche Wort, das Sie in Oldenburg gelernt haben, oder?

    Ja, „Moin“ wird hier wirklich oft benutzt. Deutsch ist eine schwere Sprache, aber mit ein bisschen Praxis werde ich das schon hinkriegen.

    Sie sind 2020 von Madrid nach Oldenburg gewechselt und schon bald in den Lockdown geraten. Im Februar 2021 haben Sie dann hier Ihren 30. Geburtstag erlebt. Wie haben Sie gefeiert?

    Es ging natürlich nicht viel, weil alle Restaurants und Bars geschlossen waren. Reese, meine Frau, die mit mir nach Deutschland gekommen ist, bestellte uns ein tolles Essen aus dem Restaurant. Aber ansonsten war das den Umständen entsprechend kein besonderer Tag. Vielleicht gibt es nächstes Jahr eine Feier.

    Sie spielten in Ihrer Karriere ausschließlich in Metropolen: Texas, Boston, Philadelphia, Barcelona, Istanbul, Madrid. Nun leben Sie in Oldenburg, einer mit knapp 200.000 Einwohnern für Sie eher beschaulichen Stadt. Eine Umstellung?

    In Madrid dauerte es ein ganzes Jahr, um die Stadt halbwegs zu sehen. Anders in Oldenburg, hier ist alles ein bisschen kleiner und familiärer – das gefällt mir. Wenn es wieder möglich ist, möchte ich die Menschen kennenlernen und mir alles genau anschauen, auch das Umland, die Küste, und dann werde ich mal einen Abstecher nach Hamburg oder Bremen machen. Bisher habe ich meinen Fokus aber voll auf Basketball gelegt. Doch trotz der Umstände habe ich eine gute Zeit hier.

    Haben Sie denn schon irgendetwas für sich entdeckt, das Ihnen besonders gut gefällt?

    Ja, Schnitzel ist sehr, sehr lecker!

    Wie ist es, Basketball zu spielen ohne Publikum und ohne Fans?

    Sehr schwierig. In einem Heimspiel verlierst du deinen Vorteil, alles neutralisiert sich. Gerade wenn dir vielleicht die Energie verloren geht, weil der Gegner besser wird, geben dir erst die Fans diesen Extra-Push, den du brauchst. Das vermissen wir.

    Ist das Ihre erste Erfahrung, vor leeren Rängen zu spielen?

    Tatsächlich habe ich auf meiner letzten Station bei Estudiantes in Madrid noch mit Publikum spielen dürfen. Somit ist Deutschland für mich nicht nur als Land eine neue Erfahrung, auch die Spiele ohne Zuschauer habe ich erstmals hier erlebt.

    Und wie finden Sie die Idee, dass die Verantwortlichen Zuschauer aus Pappe in der EWE Arena auf die Sitze platziert haben, das sogenannte „Papplikum“?

    Toll! Und besser als nichts. So sieht man als Spieler vom Feld aus wenigstens etwas Menschenähnliches. Martin Breunig aus unserem Team hat dafür gesorgt, dass dort ein Abbild seines Hundes sitzt, das ist wirklich lustig. Und von Ricky Paulding sind auf der Tribüne seine Frau und seine Kinder aus Pappe – sicher eine zusätzliche Motivation.

    Mal abgesehen von Corona: Was ist für Sie der Unterschied zum Basketball in den USA oder Spanien?

    In Deutschland reise ich zu Auswärtsspielen in Städte, von denen ich noch nie in meinem Leben gehört habe: Braunschweig, Ulm, Vechta, Bayreuth. Dort verstehe ich kein Wort, von dem, was die Hallensprecher sagen, was für mich schwierig und mitunter irritierend ist. Daran muss ich mich erst noch gewöhnen.

    Jetzt gibt es fünf US-Amerikaner bei den EWE Baskets Oldenburg. Herrscht im Team eher ein deutscher oder ein amerikanischer Geist vor?

    Es ist etwas aus beiden Welten. Der Mix macht es, und dafür steht Ricky Paulding. Er ist seit fast 14 Jahren in Oldenburg und gehört zum Inventar. Er ist inzwischen halb Amerikaner, halb Deutscher.

    Und wie lange wollen Sie in Oldenburg bleiben?

    Aktuell finde ich es sehr gut hier, und meine Frau mag Deutschland. Wir sind herzlich empfangen worden, alles ist sehr gut organisiert. Im Team stimmt die Chemie, jeder mag jeden. Der Club hat dafür gesorgt, dass mein Landsmann Keith Hornsby und ich, die wir beide neu sind, uns hier wohlfühlen und schon als Teil der Oldenburg-Familie verstehen.

    So spielen die Baskets vor "Papplikum"
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