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    LNG-Terminals: Das ist der Fahrplan für 2023

    Wie sieht die geplante Infrastruktur für den weiteren Bau von Flüssigerdgas/LNG-Terminals in Norddeutschland aus? Und können damit auch weitere Regionen in anderen Teilen Deutschlands versorgt werden? hallonachbar.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Versorgungssicherheit und stellt die Pläne von EWE vor.

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    Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Frühjahr 2022 hat sich die Versorgungslage mit Erdgas bekanntlich radikal verändert. Um dem Lieferstopp entgegenzuwirken und Engpässe oder gar Mangellagen zu vermeiden, gilt Flüssigerdgas (LNG, Abkürzung für „Liquefied Natural Gas“), das per Schiff nach Deutschland transportiert wird, als wichtige Alternative. In Wilhelmshaven wurde im Dezember 2022 bereits das erste LNG-Terminal, also eine Anlande- und Übergabestelle für das verflüssigte Erdgas, fertiggestellt. Wie der weitere Fahrplan für 2023 aussieht und welche Rolle EWE dabei spielt, beantwortet hallonachbar.de.

    Warum sind LNG-Terminals wichtig?

    Das bereits bestehende Terminal in Wilhelmshaven und weitere Projekte sind wichtig, um Flüssigerdgas zu empfangen, das über den Seeweg aus aller Welt angeliefert wird.
    LNG-Terminals, an denen Schiffe das verflüssigte Erdgas anlanden, bringen den Rohstoff wieder in seine gasförmige Struktur zurück und speisen ihn in das vorhandene Leitungsnetz ein. LNG-Terminals sind somit neue Zugangspunkte zum Erdgasnetz, die mit der vorhandenen Infrastruktur verbunden werden müssen. Die gute Nachricht: In Deutschland gibt es sehr gute Fernleitungs- und Verteilnetze für Erdgas.

    Welche Rolle hat EWE dabei?

    EWE baut keine LNG-Terminals, sondern investiert in den Ausbau der Versorgungsleitungen. Im Großprojekt „Zukunftsleitung" treibt EWE den Ausbau der Gasinfrastruktur im Nordwesten voran. EWE wird im Raum Sande an eine vorhandene Leitung anschließen und eine neue Verbindung zu den Speicherstandorten Nüttermoor und Jemgum bauen, die gleichzeitig über eine Querverbindung auch die Anbindung des Speicherstandorts Huntorf ermöglicht. Durch die schnelle und sichere Anbindung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven wird Deutschland somit unabhängiger von russischen Energielieferungen. Weitere Informationen gibt es auf der Projekt-Website zukunftsleitung.de

    Wie viele Menschen profitieren vom Anschluss der LNG-Terminals in Wilhelmshaven?

    Torsten Maus, Chef des Netzbetreibers EWE NETZ, sagt im Interview mit der Berliner Zeitung: „Es können etwa vier Millionen Menschen in der Region als auch überregional mit Gas versorgt werden. Es ist eine Transportleitung. Sie ist Teil des Fernleitungsnetzes, das die Aufgabe hat, bundesweit und europaweit Gas zu verteilen in alle Regionen. Daran angeschlossen ist das Verteilnetz, über das das Gas bis zu den Kunden transportiert wird.“

    Ist das Verteilnetz nur für die Nutzung und Verteilung und Transport von Erdgas ausgelegt?

    Nein, zukünftig soll auch grüner Wasserstoff, also klimaneutraler Wasserstoff, der aus regenerativen Energiequellen produziert wurde, dort eingespeist werden. EWE-Wasserstoff-Experte Paul Schneider: „EWE hat bereits Wasserstoff-Projekte. In Rüdersdorf wird erprobt, wie Wasserstoff in einem unterirdischen Salzstock eingelagert werden kann. Die Kaverne ist dicht genug und damit für Wasserstoff geeignet, das wissen wir jetzt. Entsprechende Prüfungen haben das bestätigt. 2023 soll die Testkaverne befüllt werden.“

    Warum ist grüner Wasserstoff ein wichtiger Baustein für die zukünftige Energieversorgung?

    Grüner Wasserstoff ist ein Energieträger, der einfach herzustellen und komplett emissionsfrei ist. In der Mobilität (etwa Wasserstoffbusse oder Wasserstoffautos) und in der Industrie kommt Wasserstoff bereits zum Einsatz. Torsten Maus, EWE: „Es könnte sein, dass diese Leitung schon in vier oder fünf Jahren für Wasserstoff genutzt wird. Wir hätten nichts dagegen, wenn Wilhelmshaven zur Drehscheibe für Wasserstoff in Deutschland würde. In jedem Fall wird es dann nicht nur neue Leitungen geben, sondern auch vorhandene Systeme können einfach genutzt werden.“

    Welche weiteren LNG-Terminals sollen 2023 an Versorgungsleitungen angeschlossen werden?

    Im Januar 2023 wurde in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) bereits das zweite LNG-Terminal eröffnet, das aus Privatmitteln finanziert wurde. Pro Jahr sollen hier vorläufig bis zu 5,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Deutschland fließen. Die Bundesregierung hat sich aktuell fünf staatliche schwimmende LNG-Terminals gesichert: In Wilhelmshaven soll im vierten Quartal 2023 eine weitere Anlage hinzukommen. Noch im Januar 2023 wird auch die Anlandung von LNG am Standort Brunsbüttel beginnen. Es folgen die staatlichen Terminals in Stade und Lubmin, die Ende 2023 zum Einsatz kommen werden.

    Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur: „Wir werden im Sommer die Speicher für den Winter 2023/2024 wieder auffüllen müssen. Das wird ohne Flüssiggas und zusätzliche Importe nicht gelingen. Und wenn es im Winter sehr kalt ist, werden die Terminals auch ausgelastet sein. Schließlich müssen wir uns auch für einen Fall vorbereiten, dass ein Terminal oder eine Pipeline ausfallen, und Deutschland hat eine Gas-Transitfunktion für seine Nachbarn, die über keine Küsten verfügen.“

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